Neue Vorwürfe Fall Haderthauer: "Belogen und betrogen"

20.000 Euro auf dem Vergleichswege bezahlt: Christine und Hubert Haderthauer. Foto: Reister

Fragwürdige Geschäfte mit teuren Modellautos: Ein früherer Geschäftspartner erhebt schwere Vorwürfe gegen Christine Haderthauer und deren Ehemann. Die Ministerin gerät in Bedrängnis

 

München - Kritik unangebracht, alles kein Problem. Auf diesen Nenner reduziert Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) ihre Beteiligung an fragwürdigen Geschäften mit sündhaft teuren Modellautos, die unter Federführung eines Dreifachmörders von psychisch kranken Straftätern in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing angefertigt wurden.

Eine zweifelhafte Rolle spielt dabei auch ihr Ehemann Hubert Haderthauer, der früher als Arzt in der Forensik in Ansbach beschäftigt war und mittlerweile Leiter der Landgerichtsärztlichen Dienststelle in Ingolstadt ist (AZ berichtete). Sowohl der langjährige Geschäftspartner als auch der Dreifachmörder, Konstrukteur der Modelle, bezichtigen das Ehepaar unlauterer Geschäftsmethoden und haben juristische Schritte angekündigt.

„Ich fühle mich belogen und betrogen", erklärte der französische Geschäftsmann Roger Ponton am Montag der AZ. Er ist seinen Angaben zufolge der Gründer der Firma „Sapor“, die die Modellautos in der Psychiatrie produzieren und vertreiben ließ.

Christine Haderthauer war nach den Eintragungen im Gewerberegister der Stadt Ingolstadt von 1990 bis 2003 an dem Unternehmen zur Hälfte beteiligt, danach übernahm ihr Gatte den Anteil. Der erklärte zuletzt wiederholt, dass die Beteiligung seiner Frau nur ein formaler Akt gewesen und ausschließlich er aktiv bei den Geschäften in Erscheinung getreten sei.

Dieser Darstellung widerspricht Roger Ponton mit Hinweis auf entsprechende Schriftstücke, die er in seinem Besitz habe. Demzufolge habe ihn Christine Haderthauer schriftlich um eine Vollmacht gebeten, um „alle zur Geschäftsführung notwendigen Handlungen“ auch in seinem Namen vornehmen zu können. Insbesondere sei es dabei auch um ihre Zeichnungsberechtigung für „Sapor“ gegangen. Ponton: „Ich habe den Haderthauers vertraut und die entsprechende Vollmacht erteilt.“

Christine Haderthauer, die bisher jegliche Stellungnahme zu den Vorgängen abgelehnt hatte, erklärte nun in dürren Worten, dass der „gesamte Komplex“ in der Zeit vor ihrem landespolitischen Engagement gelegen habe und keinen Anlass für Kritik biete.

Derartige Äußerungen bringen Roger Ponton in Rage. Nach Auskunft des Gewerbeamtes Ingolstadt wurde „Sapor“ mit Datum vom 31. Dezember 2008 an einen Ingolstädter Geschäftsmann verkauft. Mitgesellschafter Ponton erklärte nun, dass der Verkauf ohne jegliche Rücksprache mit ihm erfolgt sei. Im Jahr 2011 habe er deshalb der Ministerin und ihrem Ehemann mit rechtlichen Schritten gedroht. Um eine Auseinandersetzung zu vermeiden, so Ponton, habe ihm das Ehepaar auf dem Vergleichswege 20 000 Euro bezahlt.

Erledigt ist für den Haderthauer-Geschäftspartner die Angelegenheit damit allerdings noch nicht. Er lässt seinen Worten zufolge derzeit prüfen, ob dieser Vergleich angefochten werden kann. „Ich fühle mich getäuscht und betrogen“, sagte er am Montag.

Er habe erst jetzt aus Presseveröffentlichungen erfahren, dass für „Sapor“ rund 130 Autos gebaut und vermutlich Millionenumsätze erzielt worden seien. Ponton: „Mir wurde von Herrn Haderthauer eine wesentlich geringere Stückzahl genannt. Außerdem sind mir alljährlich von ihm Zahlen vorgelegt worden, aus denen hervorging, dass keinerlei Gewinne erzielt wurden. Ich habe große Beträge in die Firma gesteckt und keinen einzigen Cent verdient.“

Auch der Dreifachmörder Roland S., dessen geniale handwerkliche Fähigkeiten die Grundlage für das Geschäftsmodell bildeten, fühlt sich von den Haderthauers hinters Licht geführt. In einem Gespräch im Hochsicherheitstrakt des Bezirkskrankenhauses Straubing erklärte er, dass Hubert Haderthauer von ihm gebaute Modelle als Eigenkonstruktion ausgegeben und für viel Geld auf einer Internetbörse verkauft habe. Diese Aussage wird durch entsprechende Internet-Seiten belegt.

Einen ausgesprochen faden Beigeschmack hat auch der Vertrag, der zwischen dem Bezirkskrankenhaus Ansbach und „Sapor“ im Jahr 1990 geschlossen wurde. Verhandlungsführer auf Seiten des Bezirks war Hubert Haderthauer in seiner Funktion als Arzt und Initiator der Modellbau-Therapie in der Forensik. Kurze Zeit nach Abschluss des Vertrags stieg dann Christine Haderthauer als Gesellschafterin bei „Sapor“ ein, wie aus Unterlagen des Bezirks hervorgeht.

Der Modellbau, so versicherte Dr. Haderthauer wiederholt, habe ausschließlich therapeutischen Zwecken gedient. Ein von ihm privat mit dem Dreifachmörder geschlossener Vertrag mit Datum vom 17. Oktober 1989, der bereits weit vor den Verhandlungen im Auftrag des Bezirks zustande kam und der AZ vorliegt, lässt allerdings andere Schlüsse zu: Roland S. versichert, dass er von den darin vereinbarten Beträgen nichts bekommen habe.

Die Regierung von Oberbayern, dienstrechtlich für Hubert Haderthauer zuständig, hat schon vor einigen Wochen von ihm eine schriftliche Stellungnahme angefordert. Wie ein Sprecher der Behörde erklärte, sei Haderthauer der Aufforderung bisher aber noch nicht nachgekommen. In einer früheren Erklärung hieß es, dass nach der Verlegung der Modellbauwerkstatt von Ansbach nach Straubing im Jahr 2000 nur mündliche Vereinbarungen zwischen dem Bezirkskrankenhaus und „Sapor“ getroffen worden seien.

 

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