Neue Pinakothek Die Bilderburg macht zu

Bernhard Maaz, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen (links), mit Kunstminister Bernd Sibler und Eberhard Schmid, Leiter des Staatlichen Bauamts München 1 (re.). Foto: Johannes Haslinger

Ende des Jahres schließt die Neue Pinakothek bis mindestens 2025. Dafür ist dort ab 17. Dezember der Eintritt frei

Geflickt wird schon seit vielen Jahren. Wenn aber die Ersatzteile ausgehen und die verschärften Brandschutzvorschriften so gar nicht mehr zu dehnen sind, ist die Generalsanierung nicht mehr zu umgehen: Die Neue Pinakothek schließt zum 31. Dezember – diesmal ohne Vertun – und wird voraussichtlich erst wieder 2025 eröffnen.

Keine schönen Aussichten für ein Museum, das Meisterwerke von Caspar David Friedrich bis Claude Monet präsentiert und zu den wichtigen Galerien Europas zählt. Deshalb griff der neue Kunstminister Bernd Sibler gleich in den Beutel mit den Adventssüßigkeiten und verkündete freien Eintritt ab 17. Dezember.

Asbest wurde damals gern verbaut

Der Rest dürfte weniger leicht und elegant zu stemmen sein. Das 1981 eröffnete Haus für die Kunst des 19. Jahrhunderts wurde bereits Mitte der 60er Jahre von Alexander von Branca geplant und ab 1970 gebaut. Damals spielten barrierefreie Eingänge noch keine Rolle, und Asbest wurde nach wie vor gerne verbaut.

Dringenden Handlungsbedarf gibt es mittlerweile beim Brandschutz – das Gebäude sollte schon vor über einem Jahr geschlossen werden –, bei der mehr als 40 Jahre alten Klimatisierung der Räume und bei der Elektrik. Das Dach leckt und muss komplett erneuert werden, in regenreichen Phasen stehen in manchen Sälen tatsächlich Eimer. Optisch wird sich durch die Baumaßnahmen kaum etwas ändern, zumindest nicht, was die Gestaltung und Ausstattung der Säle betrifft.

Der Rundgang gilt selbst unter Kritikern des trutzburgartigen Äußeren als gelungen. Eine Modernisierung der Beleuchtung durch LEDs kann den Eindruck nur verbessern (die letzten Sonderausstellungen im Souterrain waren ein Tappen im Diffusen). Wenngleich minimale, aber doch sichtbare Eingriffe wird es an der Fassade geben – etwa, um den barrierefreien Zugang umzusetzen.

Kein Ärger mit den Urhebern

Was das Urheberrecht des 2011 verstorbenen Architekten anbelangt, scheint es keine Einwände von Seiten der Erben zu geben. Mit Tochter Alexandra von Branca, die das Büro seit 2006 führt, befinde man sich in konstruktiven Gesprächen, erklärte Eberhard Schmid, der Leiter des Staatlichen Bauamts München 1. Und mit dem hiesigen Architekten Andreas Hild und dem Londoner Büro Caruso St. John Architects sind versierte Sanierer und Museumsexperten beauftragt.

11 Millionen Euro wurden bereits in den vergangenen Jahren für kleine bis mittlere Renovierungen wie die Kühlung ausgegeben. Über den Betrag, den der Landtag für die gesamte Sanierung zu bewilligen hat, wird eisern geschwiegen. Doch die 80 Millionen Euro, die seit einiger Zeit im Raum stehen, dürften schon nach aktuellem Planungsstand ordentlich überflügelt werden.

Auf der anderern Straßenseite

Nach der Schließung müssen rund 400 Werke ausgelagert werden. Das Doerner Institut für Gemälderestaurierung zieht an die nahe Heßstraße. Nur die Verwaltung der Staatsgemäldesammlungen kann zunächst bleiben. Stellt sich die Frage nach der Kunst.

Zumindest auf die wichtigsten Bilder brauchen die Besucher nicht zu verzichten. Bis zu 150 Höhepunkte wie van Goghs Sonnenblumen oder Manets „Frühstück im Atelier“ werden im Juli 2019 die Straßenseite wechseln und das Spektrum in der Alten Pinakothek erweitern. Einige Deutschrömer wie Overbeck und Böcklin wandern in die Sammlung Schack – das liegt auf der Hand. Über Weiteres wird noch gegrübelt. Aber natürlich weiß Bernhard Maaz, dass es im Freistaat und darüber hinaus ein paar Museen gibt, die man selbst mit einer kleinen Leihgabe glücklich machen könnte.

Neue Pinakothek, Barerstr. 29, bis 31. Dezember, Do bis Mo 10 bis 18, Mi bis 20 Uhr; ab 17. Dezember freier Eintritt

 

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