"Neue Heimat" im Glockenbachviertel Antipasti-Crêpes und Sowjet-Limonade

 Foto: Daniel von Loeper

 Im Glockenbachviertel gibt es eine „Neue Heimat“ für alle, die keine Lounges wollen – mit hausgemachten Gerichten zu Frauenfussballspielen

 

 Sie sind nicht groß und sehen schlicht aus, trotzdem sind sie für die Gäste der „Neuen Heimat“ eine Freude – endlich mal wieder richtige Stühle und Tische, sagen sie. „Bei uns muss niemand auf Grundschulstühlchen oder kreativ-bunten Hockern sitzen“, sagt Wirtin Sarah Jäckel. Die Bar und Crêperie soll ein Platz zum Wohlfühlen für alle sein – und, wie der Name schon sagt, eine neue Heimat für die, die sich in den überkandidelten und Lounges des Glockenbachviertels nicht mehr wiederfinden.

„Wir sind beide lesbisch, und natürlich schaut hier viel Szenepublikum vorbei – aber eben nicht nur, wir sind keine Regenbogenkneipe“, sagt Jäckel. „Von der Glockenbachmutti mit Kinderwagen bis zu älteren Herren waren schon alle da, hier ist jeder willkommen“, ergänzt ihre Partnerin Michaela Satzger. In der Szene kennt sich Jäckel aus. Zehn Jahre lang hat sie für das Schwulen- und Lesben-Magazin „Leo“ geschrieben und es später geleitet. Ihre Kolumne „Die Glockenbacherin“ finden Interessierte jetzt auf der Homepage der „Neuen Heimat“.

„Und für Touristen haben wir im Lokal immer Tipps parat“, sagt sie. Ihre Ex-Freundin Michaela Satzger, mit der sie die „Neue Heimat“ betreibt, war früher Krankenschwester in der Psychiatrie. Vor einem Monat haben sie ihre Café-Bar in der Pestalozzistraße aufgesperrt, jetzt verkaufen die beiden hier hausgemachte Crêpes und Galettes, süß zum Beispiel mit Nutella und Banane oder weißer Schokolade und frischen Erdbeeren, herzhaft mit Käse und Tomaten oder selbstgemachten Antipasti (2,50 bis 5 Euro), auch Tramezzini und Sandwiches gibt’s zu beißen. Und zwar bis die Bar ihre Pforten schließt.

Zu trinken haben die Wirtinnen neben Aloha-Limo und Fritz Kola auch Wostok Tannenwald aus Berlin: Eine Kräuterlimonade mit Tannenwaldgeschmack nach Sowjet-Rezept. „Die schmeckt auch mit Wodka super“, sagt Jäckel. Dann heißt sie „Wladiwostok“ und geht für 6,50 Euro über den Tresen, wie alle Longdrinks. Ansonsten gibt es Tegernseer, Schneider, Sprizz und französische Weine. Das servieren Jäckel und Satzger von der Bar aus, der Laden ist klein, „wir wollen den Leuten das Gefühl geben, das sie bei uns daheim in der offenen Küche sind“, sagt Jäckel. Und bald können die Leute bei ihnen auch Fußball schauen – zur Frauenfußball-WM zeigt der Fernseher der „Neuen Heimat“ alle Spiele.


Pestalozzistraße 20, Di. bis So. ab 12 Uhr, dieneueheimat.de, Tel.: 01712241041

 

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