Neue Details zum Amoklauf Tourist filmte die Tat - Mitwisser in Psychiatrie

Eine Frau legt Blumen nieder – einen Tag nach dem Amoklauf. Foto: dpa

Ermittler geben neue Details zum Amoklauf vom OEZ bekannt – und nehmen Stellung zum Polizeieinsatz. Der Mitwisser (16) ist inzwischen in der Psychiatrie.

München – Eine Woche nach dem Amoklauf am OEZ sind immer noch viele Fragen offen. Beispiel: Was machte Ali David S. in den reichlich zwei Stunden, nachdem er acht Jugendliche und eine Frau mit Migrationshintergrund ermordet hatte? Die neuesten Erkenntnisse:

Sah sich Ali David S. die weltweit verbreiteten Handy-Videos an, die ihn beim Morden zeigen? Die Ermittler wissen, dass sich der Amokläufer lange in einer Tiefgarage an der Henckystraße aufhielt. „Unsere These ist, dass er sich dort so lange verstecken wollte, bis die Polizei wieder weg ist“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch zur AZ. In sozialen Netzwerken war S. offenbar nicht mehr aktiv. „Auf seinem Handy gab es nach den Schüssen keine Kommunikation mehr.“

"Der Schütze hätte den Täter selbst gerne getroffen"

Hartnäckige Gerüchte, wonach Ali David S. außer mit einer Glock 17 noch mit einem silbernen Revolver schoss, sind widerlegt. Entsprechende Munition wurde nicht gefunden! Auch der Verdacht, das Video, das den Amokläufer vor McDonald’s zeigt, habe ein Mittäter gemacht, ist falsch: Ein Tourist aus Kroatien filmte.

Zu Kritik am Einsatz nahm am Freitag Polizeisprecher Thomas Baumann Stellung – ein Beamter hatte den Amokläufer verfehlt: „Der Schütze hätte den Täter selbst gerne getroffen. Aber nicht jeder Polizist ist ein SEK-Beamter, die Qualität der Treffergebnisse ist nicht bei jedem gleich“, sagte Baumann.

Zum Vorwurf, dass bewaffnete Beamte in Zivil von Bürgern für Mittäter gehalten wurden, sagte er: Dies seien „Einzelfallentscheidungen“ gewesen. Es sei zwar erste Prämisse, dass Einsatzkräfte erkennbar sind. „Aber wo andere weglaufen, da laufen wir rein. Es geht um extrem schnelles Handeln. Unter Umständen ist es besser, sich unter Deckung und in Zivil vorzutasten.“ Amtsanweisungen gebe es dazu nicht. Nächste Woche will die Polizei den gesamten Einsatz nachbereiten.

Der Mitwisser (16) des Amokläufers – ein Afghane aus Laim, den Ali David S. in der Psychiatrie kennengelernt hatte – ist derzeit in einer geschlossenen, psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl beantragt. Am Freitag scheiterte ihre Beschwerde gegen die Freilassung. Nun geht es in die nächste Instanz: Das Landgericht wird darüber entscheiden, ob der Mitwisser doch noch in U-Haft muss.

 

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