Neue Debatte um Gebäudehöhen München will hoch hinaus: Mit Wolkenkratzern gegen Wohnungsnot?

Der Arnulfpark an der Bahntrasse: Hier sind in den vergangenen Jahren mehrere Hochhäuser entstanden – in der ganzen Stadt sollen bald weitere folgen. Foto: Sigi Müller

Zu wenig Büros, zu wenig Wohnungen: Die Stadt diskutiert deshalb heftig über Hochhäuser. Doch nun soll erst mal eine neue Studie her.

 

München - München ist im Hochhaus-Fieber. Seitdem Manuel Pretzl, der CSU-Chef im Rathaus, in einem Interview seinem Frust über die Münchner Architektur freien Lauf gelassen hat, hat die Debatte plötzlich einen neuen Höhenflug bekommen.

Auf einmal redet die ganze Stadt darüber, ob man nicht auch in München ein bisschen mehr in den Himmel bauen sollte. Natürlich nicht so wie in New York oder London. In München gilt bei der Skyline immer noch das Primat der Kirchtürme. Doch auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteifrei) erkennt einen "globalen Trend, der auch hierzulande Wirkung entfaltet". Um festlegen zu können, wo und in welchem Umfang Hochhäuser in München hinpassen, will der Stadtrat am morgigen Mittwoch eine neue Hochhausstudie in Auftrag geben.

Die alte stammt aus dem Jahr 1995 - und hat an Aktualität eigentlich nichts eingebüßt. Angesichts des anhaltenden Wachstums und der zunehmenden Flächenknappheit hält es das städtische Planungsreferat aber nun für angemessen, eine umfassende Neubewertung des Themas vorzunehmen.

Die Münchner sind nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser. Zwar hat ein von Alt-OB Georg Kronawitter (SPD) initiierter Bürgerentscheid 2004 festgelegt, dass kein Hochhaus die Frauenkirche mit ihren knapp 100 Metern überragen darf. In einem Bürgergutachten aus dem vergangenen Jahr haben die Münchner jedoch ausdrücklich festgehalten, dass sie höheres Bauen durchaus als geeignetes Mittel ansehen, um die grassierende Wohnungsnot zu bekämpfen.

Hochhäuser wären in München freilich kein Novum. In der Stadt gibt es schon jetzt etwa 15 Gebäude über 70 Meter. Und auch nach dem Bürgerentscheid ist weiter fleißig in die Höhe gebaut worden. So sind nach 2004 etwa das SZ -Hochhaus (99 Meter) in Steinhausen, die ADAC-Zentrale (87 Meter) am Heimeranplatz oder der besser als Skyline-Tower bekannte Osram-Turm (84 Meter) in Schwabing-Nord fertig geworden (siehe Karte).


Seit 2004 sind in München ein gutes Dutzend neue Hochhäuser entstanden. Das "The Seven" in der Müllerstraße gab es streng genommen zwar schon, war aber davor ein Heizkraftwerkder Stadtwerke. Karte: Planungsreferat

Wie man an der Auflistung schon sieht: In der Regel sind es Bürotürme, die in die Höhe schießen. Als Mittel gegen die Wohnungsnot seien Hochhäuser auch kaum geeignet, sagt Stadtbaurätin Merk. Aufgrund vieler bürokratischer Vorschriften zur Erschließung spart ein Hochhaus nämlich kaum Platz. Man könnte es auch einfach auf den Bauch legen, vom Flächenverbrauch her liefe das ungefähr auf das Gleiche hinaus.

Merk befürwortet trotzdem weitere Hochhäuser. Zwar werde aus München nie eine Wolkenkratzer-Stadt werden, steht in ihrem Beschlussvorschlag für den Stadtrat. Gut gestaltete Hochhäuser könnten an den richtigen Standorten aber durchaus städtebauliche Akzente setzen.

Als durchaus gelungen empfindet Merk den Arnulfpark von Jórunn Ragnarsdóttir oder die vom spanischen Stararchitekten-Büro Nieto Sobejano entworfenen Bavaria Towers, die am Eingang zur A 94 gerade hochgezogen werden. An diesen beiden Beispielen könne man auch sehen, dass in München eben nicht immer dieselbe Architekten-Clique zum Zug komme, so Merk. Das hatte CSU-Chef Manuel Pretzl den Stadtgestaltern in seiner Wutrede vorgeworfen.

Schon jetzt befinden sich weitere Hochhäuser im Bau - oder zumindest in Planung (siehe unten). Es werden allesamt keine 200-Meter-Riesen. Solche wird es in München wohl nie geben, sagt Merk im Gespräch mit der AZ . Man könne sich aber durchaus noch weitere Standorte vorstellen. "Die Proportionen müssen halt stimmen", so Merk.

Bis jetzt verteilen sich die Hochhäuser in München im Wesentlichen auf fünf Standorte: den Arabellapark, die Bahn-achse, eine Schneise vom Ostbahnhof stadtauswärts, den Olympiapark und den nördlichen Abschnitt des Mittleren Rings.

Geht es nach Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), wird es in München Hochhäuser auch in Zukunft nur in der Gruppe geben - in sogenannten "Clustern", wie es neudeutsch heißt. Alleinstehende Riesen hält er für kaum vorstellbar. Näheres soll nun aber die Hochhausstudie ergeben. In einem guten halben Jahr soll diese fertig sein. Spätestens dann wird die Hochhaus-Debatte in München wieder zum Höhenflug ansetzen.



Die Bavaria Towers. Visualisierung: Nieto Sobejano

Das sind Münchens Hochhäuser der Zukunft

In München entstehen in den nächsten Jahren weitere Hochhäuser. Manche befinden sich bereits im Bau, manche sind erst in Planung. Die AZ zeigt die wichtigsten Projekte.

Im Bau

  • Bavaria Towers: Am Vogelweideplatz im Münchner Osten entsteht gerade ein neues Tor zur Stadt. Höchster Punkt: 91 Meter (siehe Foto).
  • Hanns-Seidel-Platz: Neuperlach bekommt ein neues Stadtteilzentrum. Der futuristische Siegerentwurf der Architekten Delugan Meissl sieht dabei auch einen Hochpunkt mit 60 Metern vor.
  • Schwabinger Tor: Auf dem alten Metro-Gelände wird fleißig gebaut – unter anderem an einem Hotel mit 14 Geschossen.

In Planung

  • Neuer Hauptbahnhof: Am Starnberger Flügelbahnhof ist ein Büroturm geplant. Vorgesehene Höhe: 69 Meter.
  • Bayernkaserne: Das Konzept für das neue Stadtquartier enthält auch mehrere Hochhäuser. Das Höchste: 88 Meter.
  • Zschokkestraße: Auch Laim bekommt einen Riesen mit 14 Geschossen – an der Zschokkestraße.

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