Neue Chefin im Kommunalreferat Kristina Frank: Plötzlich Ministerin

Bald im Stadtkabinett: Stadträtin Kristina Frank. Foto: Daniel von Loeper

Kristina Frank hat im Münchner Rathaus eine Turbo-Karriere hingelegt. Am Mittwoch steht nun ihre Wahl an die Spitze des Kommunalreferats an.

Man könnte sagen: Wer derbleckt wird, der hat’s geschafft. Insofern war das schon ein großer Moment. Vergangenen Freitag beim Starkbier-Anstich im Löwenbräukeller hat sich der Kabarettist Christian Springer nämlich auch Kristina Frank vorgeknöpft.

Das ist schon ein Stück weit erstaunlich. Schließlich ist Franks politische Karriere vergleichsweise kurz: Erst seit 2014 sitzt die 36-Jährige für die CSU im Stadtrat. Allerdings hat sie dort inzwischen auch schon einen recht steilen Aufstieg hingelegt.

Seit gut einem Jahr ist Frank stellvertretende Fraktionschefin. Damit gehört sie schon jetzt zu den Großkopferten in ihrer Fraktion. Und wer es gar so schnell nach oben schafft, so wird im Rathaus gemunkelt, wird die CSU vielleicht irgendwann auch mal als OB-Kandidatin in eine Kommunalwahl führen.

Bis dahin werden aber sicher noch ein paar Jährchen ins Land ziehen. Am Mittwoch wird Frank nun erst einmal eine Zwischenstufe nehmen. Die gelernte Juristin soll als Nachfolgerin von Axel Markwardt (SPD) zur neuen Kommunalreferentin gewählt werden.

Markwardt geht Ende Juli als Stadtminister in Rente. Nachbesetzen darf den Kabinettsposten die CSU, so schreibt es der Kooperationsvertrag fest. Die SPD wird diese Entscheidung also zähneknirschend mittragen müssen.

Die neue Kommunalreferentin - das ist Kristina Frank

Um sich dem Vorwurf des parteipolitischen Gemauschels gar nicht erst auszusetzen, wollte die CSU den Posten ursprünglich eigentlich ausschreiben. Von Franks Fähigkeiten ist man in der Fraktion aber offenbar so restlos überzeugt, dass man nun doch auf jemanden aus den eigenen Reihen zurückgreift.

Frank hat Jura studiert, war erst Rechtsanwältin, dann Staatsanwältin, dann Richterin am Landgericht. Eigentlich hätte sie also schon einmal einen richtigen Beruf gehabt, lästerte Christian Springer am Freitagabend deshalb auch im Löwenbräukeller. Jetzt dagegen warten die Niederungen der Stadtverwaltung auf sie.

Das Kommunalreferat am Roßmarkt mit seinen etwa 2.000 Mitarbeitern ist für die Verwaltung der städtischen Immobilien zuständig, für die Markthallen, Märkte und für die Abfallwirtschaft. Frank wird künftig also auch Müllchefin der Stadt sein. Orangener Kittel statt eleganter Richterrobe – das muss man schon mögen.

Amtsinhaber Axel Markwardt (SPD) dürfte sein Job zuletzt keine besondere Freude mehr gemacht haben. Egal ob Sanierung der Lebensmittelmärkte, Neubau der Großmarkthalle oder Ankauf von Grundstücken – immer wieder gab’s vom Stadtrat eine auf den Deckel.

Frank spricht vor ihrer Wahl am Mittwoch nicht über ihre künftige Aufgabe. Ganz einfach dürfte für sie der Start im Kommunalreferat aber nicht werden.

Am Elisabethmarkt gibt es nach wie vor Widerstand gegen die Sanierung der Standl. Für die neue Großmarkthalle wird immer noch dringend ein Investor gesucht. Und auch ganz grundsätzlich taucht im Rathaus immer wieder die Frage auf, ob es das Kommunalreferat überhaupt noch braucht.

Privat klettert die künftige Stadtministerin übrigens sehr gerne. Normalerweise natürlich in den Bergen – seit ein paar Jahren aber auch in der Rathaus-Hierarchie.

Das Kommunalreferat: Darum ist es so umstritten

Immobilien, Märkte, Müll – in der Opposition hält man das für ein recht willkürliches Gemisch an Zuständigkeiten. Die FDP würde das Kommunalreferat deshalb gerne auflösen. Den Immobilienbereich könnte man gut der Kämmerei zuschlagen, findet die Stadtratsfraktion. Das ebenfalls beim Kommunalreferat angesiedelte Vermessungsamt sei gut im Planungsreferat aufgehoben. Und um die Abfallwirtschaft und die Märkte könne sich auch das Wirtschaftsreferat kümmern.

Die Grünen sehen das mittlerweile genauso. Seitdem 2012 der Versuch gescheitert ist, mit Stadtrat Boris Schwartz einen der ihren auf den Chefsessel zu hieven, hält man das Kommunalreferat auch dort für verzichtbar.

Der eigentlich schon ins Amt gewählte Schwartz musste damals wegen eines fehlenden Hochschulabschlusses auf das Amt verzichten. Statt ihm übernahm dann der jetzt scheidende Axel Markwardt (SPD) den Posten.

Lesen Sie auch: Schuldneratlas 2017 - Es bröckelt in der Mittelschicht

 

9 Kommentare

Kommentieren

  1. null