Neue Betrugsmasche Falsche Polizisten in München: Über vier Millionen Euro Beute

, aktualisiert am 16.03.2018 - 14:50 Uhr
Falsche Beamte! Ein Problem nicht nur in München, wie dieses Plakat der echten Polizei in Düsseldorf zeigt. Foto: Polizei

Falsche Polizisten betrügen die Bürger in München um über vier Millionen Euro. Die Opfer verlieren oft ihre kompletten Ersparnisse. Der Ruf der Polizei leidet. Wo die Drahtzieher sitzen, wie sie arbeiten.

 

München - Enkeltrickbetrüger haben bei Münchner Senioren keine Chance mehr. Kein einziger Versuch im letzten Jahr war erfolgreich. Das ist die gute Nachricht. Doch dafür geben sich Trickbetrüger immer öfter als Polizisten, Staatsanwälte oder sogar Richter aus. Am Montag meldeten sich 60 Münchner im Präsidium und berichteten, dass Betrüger sie angerufen hatten, die sich als Polizisten ausgaben. "Zum Glück war kein einziger dieser Versuche erfolgreich", sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

Die Staatsanwaltschaft München I legte am Donnerstag Zahlen vor, die belegen, wie groß die Gefahr ist, Opfer dieser Gaunerbanden zu werden. Alleine von Januar bis Dezember 2017 wurden über 3.000 Fälle bei den Münchner Ermittlungsbehörden angezeigt. Davon waren zwar lediglich 39 Versuche erfolgreich. Doch die haben die Opfer ein Vermögen gekostet. Der Gesamtschaden beläuft sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf über vier Millionen Euro.

Die Täter: Falsche Polizisten, BKA-Beamte und Richter

"Falsche Polizisten sind ein noch viel hässlicheres Geschwür, als es die Enkeltrickbetrüger waren", sagt Oberstaatsanwalt Kai Gräber. "Diese Täter schädigen massiv den Ruf der Polizei und erschüttern das Vertrauen der Bevölkerung." Die Täter geben sich aber nicht nur als Polizisten aus, manche behaupten, sie seien Staatsanwälte, LKA-Beamte oder sogar Richter. Die Gauner arbeiten mit verschiedenen Methoden. Manche behaupten, in der Nachbarschaft der Opfer sei eingebrochen worden. Beliebt ist auch die Masche, ein Täter sei gefasst worden, bei ihm habe man eine Liste mit Namen gefunden, auf der auch die Betreffenden stünden.

Immer geht es darum, die Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen, Druck auszuüben. Sie sollen Münzen, Schmuck, Geld oder Gold bereitlegen. Ein Kollege werde die Sachen in Sicherheit bringen. "Die Geschädigten können kaum einen klaren Gedanken fassen", sagt ein Ermittler, "so geschickt arbeiten die Täter." Verbreitet ist auch der Trick mit einem angeblich vorliegenden Haftbefehl.

26 falsche Polizisten wurden gefasst, gegen zwölf von ihnen wurde Anklage erhoben. Drei der Täter wurden zu Haftstrafen verurteilt. Erst diese Woche schickte ein Münchner Richter einen Angeklagten für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Die Drahtzieher und Hintermänner der Banden sitzen oft in der Türkei. Von dort aus steuern sie ihre Leute in München. Wegen politischer Differenzen zwischen Berlin und Ankara war die Zusammenarbeit zwischen der türkischen und der deutschen Polizei schwierig. Inzwischen läuft es besser. "Ich bin vorsichtig optimistisch", sagt Kai Gräber, "dass die Kooperation wieder klappt."

Bei der Bekämpfung der Enkeltrickbetrüger war internationale Kooperation der Schlüssel zum Erfolg. Polnische und deutsche Ermittler arbeiteten so eng zusammen, dass es gelang, eine Bande zu zerschlagen. Im Dezember 2015 wurden in Breslau acht Verdächtige festgenommen. Sofort ging die Zahl der Fälle in München zurück. 2015 waren es noch 831 Versuche, ein Jahr später nur mehr 89. Eine Tat war erfolgreich. Bis Sommer 2017 gab es 20 Versuche, keiner war erfolgreich.


Tipps von der echten Polizei: So schützen Sie sich

Die wichtigsten Regeln, die man beherzigen sollte:

  • Geben Sie niemals am Telefon einem Fremden Auskunft über Ihre persönlichen Lebensumstände, über Einkommen oder Vermögensverhältnisse.
  • Geld und Wertsachen, die auf der Bank liegen, sind in jedem Fall sicherer als in der eigenen Wohnung.
  • Schauergeschichten, wonach es eine Verschwörung gebe, an der auch Mitarbeiter der eigenen Hausbank beteiligt seien, sind allesamt Unsinn.
  • Sagen Sie niemals, wie viel Geld sie zuhause haben, welchen Schmuck, Goldbarren oder ähnliche Dinge von Wert. l Die echte Polizei wird niemals von Ihnen verlangen, dass Sie Ihre Wertsachen zur Verfügung stellen, um Gauner in eine Falle zu locken.
  • Niemals sollten Sie Wertsachen an einem Ort deponieren oder einem Fremden geben, damit er die Echtheit prüft.
  • Oft verwenden Täter gefälschte Telefonnummern. Selbst die Notrufnummer taucht immer wieder bei Betrügeranrufen auf. Niemals wird Sie ein Polizist von der 110 aus anrufen.
  • Legen Sie das Telefon auf, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Verständigen Sie sofort die Polizei unter der 110. 
 

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