Neue Behindertenabteilung des TSV 1860 Kober: "Wir wollen hier einen Anfang machen"

Präsentiert ihre Goldmedaille im Kugelstoßen von den Paralympics in Rio de Janeiro: Birgit Kober, das neue Aushängeschild der Behinderten-Abteilung des TSV 1860. Foto: ME

Der TSV 1860 will mit Hilfe der dreifachen paralympischen Goldmedaillen-Gewinnerin Birgit Kober eine neue Abteilung aufbauen. "Ich will etwas bewirken", erklärt die Behindertensportlerin - und will Präsident Cassalette das Kugelstoßen lernen.

 

München - Drei Mal Paralympisches Gold, zuletzt im Sommer 2016 in Rio: Die gebürtige Münchnerin Birgit Kober ist eine erfolgreiche Behindertensportlerin, musste bisher aber für Bayer 04 Leverkusen starten, weil in Bayern keinen Verein existierte, der ihr ein Startrecht gewährleisten konnte. Das soll sich nun ändern.

Der TSV 1860 und Kober wollen gemeinsam eine Behindertenabteilung aufbauen. Im September wurde diese bereits gegründet, jetzt sind die Weichen für eine aktive Aufnahme der Arbeit gestellt. "Ich hatte einen sehr steinigen Weg", erklärte die 35-jährige Kober, die seit ihrer Jugend an Epilepsie leidet und 2007 aufgrund eines Behandlungsfehlers eine schwere Ataxie (Bewegungsstörung, d. Red.) erlitt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, auf einer Pressekonferenz am Montag, "man redet immer von Integration und Inklusion - ich will Taten sehen! Ich bin hierher gewechselt, weil ich etwas verändern möchte."

Mit den zur Gründung erforderlichen 25 Mitgliedern eröffnen die Löwen mit Aushängeschild Kober die neue Abteilung, weitere Sportler sollen bald folgen. "Es freut mich, dass wir hier sitzen und es ausnahmsweise einmal nicht um Profifußball geht", sagte Präsident Peter Cassalette, der weiß: "Wir haben uns bei unserer Kandidatur auf die Fahne geschrieben, auch andere Abteilungen - gerade in einer Stadt wie München - voranzutreiben und diese Themen der Bevölkerung näherzubringen. Mit dieser neuen Abteilung wollen wir unseren gesellschaftlichen Beitrag im Behindertensport leisten."

Oskar Dernitzky, Leiter der neuen Abteilung und seit 2016 bundesweit Koordinator für Behindertensport, wolle gemeinsam mit Kober sowie Vizepräsident Hans Sitzberger und Verwaltungsrat Robert von Benningsen "dafür sorgen, dass Behinderte in München Sport treiben dürfen - ich habe oft genug erlebt, dass es viele Barrieren gibt. Das muss sich ändern. 1860 hat hier die Möglichkeit, etwas zu tun, bietet am Gelände die entsprechenden Voraussetzungen." Die erklärten Ziele: Neue Sportler zum TSV 1860 lotsen und mit ihnen Erfolge feiern.

Kober, die insgesamt schon zwölf Medaillen gesammelt hat, nimmt mit ihrem Wechsel von Leverkusen zu den Löwen persönliche Nachteile in Kauf: Sie verliere die Förderung des Vereins und eine Sportstiftung des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Aber, so ihre Vision: "Ich möchte, dass es einem behinderten Athleten aus Bayern auch möglich ist, hier zu starten - anders als ich es konnte." Während Kober die Abteilung bei den Sechzgern bekannter machen soll, habe die Sportlerin persönlich noch die Ambition, 2020 in Tokio für Furore zu sorgen. "Dort will ich nochmal angreifen" - dann nicht mehr für Leverkusen, sondern für 1860, "wo schon meine Eltern Skygymnastik gemacht haben und mein Vater Skirennen gefahren ist."

Übrigens: Cassalette werde in den Genuss von Kobers Künsten kommen: "Sie hat sich dazu bereit erklärt, mir die Technik beizubringen." Ein kugelstoßender Cassalette und die Löwen freuen sich auf eine engagierte Sportlerin, die wie sie erklärt, "in Bayern einen Anfang machen will."

 
 

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