Neubau-Pläne Lebenshilfe statt alter Villa

Am Willinger Weg soll die alte Villa einem Neubau weichen. Foto: Schutzgemeinschaft Ramersdorf

Ein schönes, altes Haus am Willinger Weg soll abgerissen werden. Gebaut wird für einen guten Zweck: Das Haus gehört der Lebensilfe, die weitere Betreuungsplätze schaffen will.

 

Ramersdorf - Die Häuser entlang des Willinger Wegs sind schlicht und ohne Schnörkel. Trotzdem sind sie recht schön anzuschauen. „Ein solches Bauensemble ist in Ramersdorf kaum mehr vorhanden“, sagt Bettina Rubow von der Schutzgemeinschaft Ramersdorf.

Dass das Haus am Willinger Weg 9 abgerissen werden soll, schmerzt sie und ihre Vereinskollegen sehr.

Der stattliche Altbau von 1930 ist eine ehemalige Arztvilla mit großem Garten – typisch für die historische Bebauung des umliegenden Grundlerviertels und der Heimstättensiedlung. Die Siedlung zwischen Echardinger Straße und Krumbadstraße mit ihren holländischen Doppel-Walmdächern entstand ab 1926, als Kriegsbeschädigte die Möglichkeit bekamen, ihre Renten für den Erwerb von Immobilien zu kapitalisieren. Die Grundlersiedlung liegt um den Paradiesgarten, den heutigen Jäcklingplatz. Die historische Villa soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden.

Gebaut wird hier für einen äußerst sinnvollen Zweck: Das Haus gehört der Lebenshilfe, die hier seit 1988 eine Wohngruppe für geistig behinderte Erwachsene betreibt. In der Wohngruppe können derzeit zehn Bewohner untergebracht werden. Jetzt will die Lebenshilfe auf dem Grundstück neu bauen, um künftig 24 Wohnplätze anbieten zu können.

Die Lebenshilfe verweist auf die Dringlichkeit. Die zusätzlichen Wohnplätze seien dringen notwendig, um unterschiedliche Betreuungskonzepte wie zum Beispiel „Wohnen mit oder ohne Tagesstruktur“ anbieten zu können, teilt der Verein mit. Und weiter: „Natürlich wurden zunächst alle Möglichkeiten bedacht, das alte Haus am Willinger Weg entsprechend den Vorgaben umzubauen. Sanierung und Umbau mussten aber ausgeschlossen werden, da die Auflagen des Gesetzes nur in einem neuen Gebäude erfüllt werden können.“ Das Fazit der Lebenshilfe: „Ein Neubau ist deshalb unausweichlich.“

Die Schutzgemeinschaft Ramersdorf, die das alte Häuser-Ensemble für erhaltenswert hält, räumt derweil ein, dass „weder die Villa mit der Nummer 9 noch die Häuserreihe denkmalgeschützt“ seien. Baufällig seien die Häuser deshalb nicht, sagt Vereinsmitglied Bettina Rubow, „mit ihrem starken Mauerwerk schultern die Häuser auch noch weitere 80 Jahre, wenn man sie behutsam behandelt“. Solche Häuser seien wichtig für das „Identitätsgefühl in unserem Viertel“.

Der Handlungsbedarf für Menschen, die in der Stadt auf Hilfe angewiesen sind, wird jedoch immer größer. „Die Lebenshilfe hat es sich seit ihrer Gründung vor mehr als 50 Jahren zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderung bis zu ihrem Tod zu begleiten“, sagt dort Geschäftsführer Peter Puhlmann. „Wir halten es deshalb für unsere Pflicht, älter werdenden Menschen mit Behinderung und Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen ein Zuhause zu schaffen, das den Anforderungen und Bedürfnissen aus moderner Sicht entspricht.“

 

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