Neu im Kino Von dreien, die auszogen, um den Techno zu erfinden

Devid Striesow als Roger (v.l.), Heinz Strunk als Torsten Bage, Rocko Schamoni als Dirk "Dickie" Schubert und Jacques Palminger als Bernd Wand in der Komoedie "Fraktus" von Lars Jessen. Foto: corazon int./Pandora Film/Gordon/dapd

Und sie versuchen ihr glorreiches Comeback! Lars Jessens Doku über die Band Fraktus

 

Die Techno-DJs Westbam und Marusha, Rapper Jan Delay oder Trio-Frontmann Stephan Remmler und Dieter Meier, eine Hälfte des Elektro-Duos Yello - sie alle sind sich einig: Fraktus haben Techno erfunden. Oder zumindest vorweggenommen.

Doch wer sind diese in Vergessenheit geratenen Techno-Pioniere? Fraktus sind eine Erfindung der Hamburger Humorschaffenden von Studio Braun (Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger). Von der steilen Karriere und dem steinigen Comeback des vermeintlich legendären Trios erzählt Regisseur Lars Jessen ("Dorfpunks") nun in der unterhaltsamen Mockumentary "Fraktus - Das letzte Kapitel der Musikgeschichte".

Der Zuschauer verfolgt dabei den Weg von Musikmanager Roger Dettmer (Devid Striesow): Dettmer will die Band nach ihrem Auseinandergehen 1983 zu einem Comeback überreden und sucht unter dem Vorwand, eine Dokumentation zu drehen, die einzelnen Mitglieder auf: den leicht debilen Sänger Dirk Eberhard "Dickie" Schubert (Rocko Schamoni), Besitzer eines leicht in die Jahre gekommenen Internet-Cafes. Den Soundtüftler Bernd Wand (Jacques Palminger), der mit seinen Eltern die Künstlerkommune/Experimental-Band Fraktus II gegründet hat. Und schliesslich den Arschgeweih-Tattoo-Proll Torsten Bage (Heinz Strunk), inzwischen erfolgreicher Kirmes- und Kindertechno-Produzent auf Ibiza. Dettmer schafft es natürlich: Fraktus wagen es, wieder gemeinsam ins Studio zu gehen - und aufzutreten.

Die fiktive Doku wandelt auf einem schmalen Grat: Einerseits wird der Karriere-Rückblick absolut glaubwürdig inszeniert: Die "Archiv"-Aufnahmen (grossartig: der Auftritt bei der 80er-Chartshow "Formel eins") wirken authentisch. Auch ihre Wiedervereinigung wird grossteils unter realistischen Bedingungen erzählt - Jessen ging soweit, Fraktus vor dem echten Publikum des "Melt"-Festivals 2011 auftreten zu lassen. Aber: In manchen Szenen degradieren Schamoni, Strunk und Palminger ihre Charaktere leider zu reinen Witzfiguren. Eine liebevolle Hommage ist "Fraktus" also weniger, ein unterhaltsames Stück (fiktiver) Musikgeschichte aber allemal. Stefan Weber Kino: Atelier, Monopol R: Lars Jessen (D, 95 Min.)

 

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