Neu im Kino: Robert Redford im Film "All is lost" Robert Redford hängt am seidenen Faden

Mitten auf dem Indischen Ozean wir die Segelyacht eines allein reisenden Mannes von einem im offenen Meer treibenden Schiffscontainer gerammt. Das Navigationsequipment und das Funkgerät versagen daraufhin ihren Dienst. Aber es kommt noch schlimmer: Robert Redford in "All is lost". Foto: dpa

Neu im Kino: Mit seiner Rolle im Film „All is lost“ reiht sich Robert Redford in die Riege der Stars ein, die im Kino ums blanke Überleben kämpfen:

Wer segelt, muss das Tauwerk seines Schiffs beherrschen, muss Kenntnis davon haben, mit welchen Seilen man in welchen Situationen hantieren muss. Der Segler, den Robert Redford in „All is lost“ spielt, kennt sich mit seinem Boot aus, das wird im Lauf von J.C. Chandors Film deutlich. Und doch gibt es einen Punkt, an dem das Wissen nicht mehr ausreicht, man nicht mehr alles erklären kann und das Leben an den Seilen, am sprichwörtlichen seidenen Faden hängt.

 

Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären

Wie aus dem Nichts gerät der Segler mit einem Ruhe zerstörenden Rumms in eine schleichend lebensbedrohliche Situation. Seine Yacht havariert mit einem herumschwimmenden Container irgendwo im Pazifik. Ein Loch wird in den Körper der Yacht gerissen, woraufhin das Salzwasser ins Innere strömt und unter anderem das Funkgerät zerstört. Alle Verbindungen zur Außenwelt sind gekappt. Und auch wenn der Segler zeitweilig das Loch stopfen kann, muss er irgendwann doch seine Yacht verlassen und in ein kleines Rettungsboot umsteigen.

Kann man loslassen?

Ein Seil hält er noch in der Hand, das an der sinkenden Yacht befestigt ist, und er muss dann etwas tun, was immer schwer fällt: loslassen. Ähnliche Situationen hatte man schon in Alfonso Cuaróns „Gravity“, Sandra Bullock als Astronautin, die in einem besonders prekären Moment gerade noch ein Seil zu packen bekommt, an dem George Clooney hängt – und dann doch alleine zurückbleibt. Es geht in den Survival-Filmen, die momentan ins Kino kommen, immer um lebensgefährliche und überlebensnotwendige Reduktion: Die Nahrung in „All is lost“ und der Sauerstoff in „Gravity“ werden knapp. Die Helden müssen sich von Ballast befreien, um ihre Chance auf Rettung zu bewahren.

Bullock in "Gravity", Hanks in "Captain Phillips"

Und nehmen es hin, dass damit auch der Raum enger wird. Das Rettungsboot in „All is lost“ entspricht der Raumkapsel, in der sich Sandra Bullock gegen Ende von „Gravity“ befindet, und falls diese äußeren Hüllen zerstört werden, ist es auch mit dem Leben aus. Auch Tom Hanks landet als „Captain Phillips“ irgendwann in einem Rettungsboot, zusammen mit den somalischen Piraten, die das unter seiner Führung stehende Frachtschiff gekapert haben. Einsam, weil getrennt von seiner Mannschaft ist dieser Captain, wenn auch die tödliche Bedrohung greifbar ist. Mit Hanks und Bullock und nun Redford kämpfen gleich drei Stars jenseits des Glamours ums Überleben. Bullock trägt ein Trauma mit sich herum, Hanks wird als Familienmann eingeführt. Und dass Redford auf dem Festland kein Loner war, deutet sich in einem Brief an, den er schreibt.

Verzweifelte, aber patente Helden

Es sind kaum charakterisierte Figuren, der Überlebenskampf bestimmt ihr Handeln, das dann durchaus patent wirkt. Dabei werden diese Helden ganz unprätentiös gespielt, was in unserer auf Authentizität erpichten Zeit sehr gern gesehen wird. Alle drei, Bullock, Hanks und Redford, sind für den Golden Globe nominiert und gelten als Oscar-Kandidaten, weil sie glaubwürdig Menschen verkörpern, die uns im Überlebenskampf nahe kommen. Im Angesicht des Todes wird das Dasein dabei noch einmal intensiv erlebt: Der im All schwebende Clooney bewundert, das hört Bullock noch, die Schönheit des Sonnenaufgangs über dem Ganges. Und Redford genießt zwischendurch den Anblick der untergehenden Sonne. Ob er den nächsten Tag erleben wird, ist ungewiss. So geht es auch uns.

Kino: Leopold, Mathäser, Monopol (auch OF); Cinema in OF R: J.C. Chandor (USA, 107 Min.)

 

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