Neu im Kino: Anchorman 2 - Die AZ-Kritik Wir tun alles für die Quote: Will Ferrell kehrt in „Anchorman 2“ als Ron Burgundy zurück

Will Ferrell kehrt in „Anchorman 2“ als legendärer Nachrichtensprecher Ron Burgundy zurück und zieht mit seinen Kollegen Anfang der 1980er zukunftsweisend das Fernseh-Niveau herunter

 

Der Tod ist niemals das Ende, schon gar nicht in der amerikanischen Komödie. Da wird Brick Tamland, einst Wetterfrosch eines Nachrichtenkanals in San Diego, feierlich bestattet. Vor dem Grab haben sich seine Verwandten und Kollegen und der Priester versammelt. Als erster Begräbnisredner tritt Brick höchstpersönlich auf, seine Brille so klobig und groß wie seine Trauer. Richtigen Durchblick verschaffen ihm erst seine Freunde. Welche Freude bei Brick, als er erkennt, dass er nicht tot ist.

Totgeglaubte leben länger, darum geht es im zweiten Teil von „Anchorman“, um den unsterblichen amerikanischen Traum und all die Pathologien und Hirnerweichungen, die dahinter stecken. Ron Burgundy, der bekannte Nachrichtensprecher aus San Diego, durchlebt die klassische US-Karriere: Aus der Provinz führt sein Weg Anfang der Achtziger ganz nach oben – nach New York! –, wo er weiter Höhen und Tiefen erleben muss und dabei unverhofft zum Fernseh-Pionier wird, indem er mit seinen Männern dorthin geht, wo noch keiner zuvor war. Ach, wären sie doch nie dorthin gegangen.

Nostalgie in den Schnurrbärten

Denn Burgundy bekommt nach ein paar Tiefschlägen, bei denen auch seine Ex-Konkurrentin und nun Ehefrau Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine fatal emanzipierte Rolle spielt, ein Angebot von einem neuen Sender: Das Global News Network, kurz GNN, will, was für eine blödsinnige Idee, rund um die Uhr Nachrichten senden. Burgundy rekrutiert seine Kompagnons aus dem ersten Teil, darunter Wetterfrosch Brick, und bestreitet mit ihnen die Schicht von 2 bis 5 Uhr morgens.

Die Nostalgie steckt allein schon in den Schnurrbärten, die Will Ferrell als Ron und Paul Rudd als Außenreporter Brian Fantana selbstbewusst tragen. Das taten sie schon im ersten Teil von 2004, der hierzulande gar nicht in die Kinos kam, aber in den USA ein Erfolg war und sich zum DVD-Hit mauserte. „Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück“ erzählt nun davon, wie, goldene Zeiten adieu, das Fernsehen in den Achtzigern seine Unschuld verlor und die banale Moderne anbrach – dank Ron und seinem hochmotivierten Team.

Sie haben die Idee, in ihrer ersten Sendung an den Patriotismus ihrer Landsleute zu appellieren, nur Homeruns zu zeigen und über den starken Wind in New York zu berichten. Das Resultat: ganz Amerika schaut zu. Und die Quote steigt, als sie Verfolgungsjagden der Polizei live übertragen und Reportagen über niedliche Tiere senden. Gibt es keine Schranken für Ron? Sollte er nicht lieber seinem kleinen Sohn ein guter Vater sein?

Neben der treffenden Mediensatire spielt der Film nicht immer witzig mit Geschlechterklischees und Rassenressentiments: Ron bekommt es mit einer schwarzen Chefin zu tun. Und Brick (Steve Carell) lernt eine Sekretärin (Kristen Wiig) kennen, mit der er auf einer schrägen Wellenlänge ist. Die Nerds ziehen erfolgreich das TV-Niveau herunter und müssen sich dort zurechtfinden, wo es am wenigsten Orientierung gibt: in der Liebe. Aber selbst Brick schafft das. Er hat immerhin schon den Tod überstanden.

Kino: Mathäser, Museum Lichtspiele (OF); R: Adam McKay (USA, 119 Min.)

 

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