Netrebko & Co. Klassikevent am Königsplatz

Der Dirigent Marco Armiliato und die russische Sopranistin Anna Netrebko umarmen sich auf dem Königsplatz. Foto: dapd

Opernstars aus Russland, Uruguay und Bayern, dazu ein tschechisches Orchester mit italienischem Dirigenten: 15.000 Menschen feiern Netrebko, Schrott und Kaufmann in München

 

München - Es geht international zu beim „Gipfeltreffen der Stars“. Bunt gemischt ist auch das Programm, das Sopranistin Anna Netrebko, Bassbariton Erwin Schrott und Tenor Jonas Kaufmann am Freitagabend in München bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt präsentieren:

Opern- und Operettenmelodien aus drei Jahrhunderten – von Mozart über Verdi und Gounod bis hin zu Gershwin und Tauber. Obwohl die vor den klassizistischen Propyläen aufgebaute Bühne 38 mal 16 Meter misst, ist sie dicht gefüllt. Mehr als 100 Musiker bevölkern das Podium:

Die drei Opernstars werden begleitet von der Prager Philharmonie unter der Leitung von Marco Armiliato und dem Philharmonischen Chor München. Bis die rund 15.000 Menschen auf dem Königsplatz Netrebko, ihren Lebensgefährten Schrott und Kaufmann erstmals zusammen zu hören bekommen, vergeht fast eine Stunde.

Unmittelbar vor der Pause singen die drei Klassikstars das Finale des 3. Akts der eher unbekannten Verdi-Oper „I lombardi alla prima crociata“. Ein zweites Terzett folgt am Ende des Konzerts mit dem Finale des 5. Akts aus Gounods „Faust“.

Dazwischen sind die Sänger allein oder im Duett zu hören. Netrebko und ihr Lebensgefährte Schrott begeistern mit einem Stück aus Gershwins „Porgy and Bess“, Kaufmann gibt mit der Russin Duette von Massenet und Verdi zum besten. Alle drei Sänger wie auch der italienische Dirigent präsentieren sich gut gelaunt und streuen hin und wieder einen Scherz ein.

Heimspiel für Kaufmann

Netrebko gab bereits 2005 und 2009 große Open-Air-Konzerte auf dem Königsplatz. Für Kaufmann ist des zwar eine Premiere, trotzdem aber ein echtes Heimspiel: Von der Bühne aus kann er zur Münchner Musikhochschule hinüberblicken, an der „ich das Handwerk gelernt habe“, wie er dem Publikum sagt.

Viel Zeit habe er hier verbracht. „Sie können sich vorstellen, wie wohl es mir geht.“ Und Kaufmann ist es auch, der während des Konzerts die meisten „Bravo“-Rufe erhält. Trotz Ticketpreisen von bis zu 340 Euro ist der Königsplatz nahezu komplett gefüllt. An 15 Ständen können sich die Fans mit Champagner und Bier, Steaks und Brezn versorgen.

Am Fanartikel-Stand decken sich junge wie ergraute Konzertbesucher mit Kaufmann-Netrebko-Schrott-Tassen, -T-Shirts, -Schlüsselanhängern und -Sitzkissen ein. Das „Gipfeltreffen der Stars“ ist ein großes Musikevent, das Open-Air-Konzerten von Popstars in nichts nachsteht.

Auch hinter den Absperrungen haben es sich zahlreiche Münchner bequemt gemacht, um dem Konzertabend zu lauschen.

Umjubelte Zugaben

Und wie bei einem Popkonzert stürmt ein Teil des Publikums am Ende des fast dreistündigen Auftritts vor die Bühne, zückt Fotohandys und Kameras. Bei den Zugaben erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt.

Netrebko singt „O mio babbino caro“ von Puccini (aus „Gianni Schicchi“), Schrott einen Tango aus seiner südamerikanischen Heimat und Kaufmann Lehárs „Freunde, das Leben ist lebenswert“ (aus „Giuditta“).

Trotz schlechter Wetterprognosen bleibt es ein trockener Abend für die Konzertbesucher – zur Erleichterung von Kaufmann: „Ich bin Münchner. Und ich hätte mich furchtbar geschämt, wenn hier alles baden gegangen wäre.“ Weitere gemeinsame Auftritte haben die drei Sänger in der Wiener Stadthalle (6. August) und auf der Berliner Waldbühne (16. August.).

 

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