Naturschützer erklärt Geschwächt und mangelernährt: Sorge um Münchens Igel

Igel Ronja sind an Stirn und Unterseite fast alle Stacheln ausgefallen. Foto: Daniel von Loeper

Immer mehr Tiere tauchen auf, denen die Stacheln ausgefallen sind. Was steckt dahinter – und wie lässt sich helfen? Das erklärt ein Naturschützer.

 

München - Gerade mal 750 Gramm schwer ist die kleine Dame, und 23 Zentimeter lang, wenn man die ausgestreckte Schnauze mitmisst. Eine kleine Hand voll warmes, stacheliges Leben. Soweit alles normal für ein einjähriges Igel-Mädchen. Würde es nicht - nun ja - halbnackt durchs Leben tapsen.

An die 6.000 Stacheln hat ein Igel dieser Größe normalerweise, sagt der Naturschützer Martin Hänsel von der BUND-Kreisgruppe München. Igel-Mädchen Ronja hat nicht einmal die Hälfte dieser Menge. Sie hat kahle Stellen am Bauch, an der Stirn, auf dem Rücken. "So ist sie eine leichte Beute für Marder, Füchse, Rabenkrähen, Hunde oder Katzen", sagt Hänsel besorgt. Weil die Technik nicht mehr funktioniert, sich zusammenzukugeln und dem Angreifer die Stacheln in die Schnauze zu stoßen.

Ronja ist kein Einzelfall, in München sind gerade sehr viele solcher halbnackter Igel zu sehen. Reihenweise liefern Bürger sie bei privaten Igelstationen oder Tierärzten ab, vor allem in den grünen Vierteln rund um Trudering, Riem, Bogenhausen, Pasing oder Obermenzing. Hänsel: "Das nimmt ein dramatisches Ausmaß an."

Halbnackte Igel: Ursache ist der warme Winter

Was ist da los? "Die Tiere sind geschwächt und mangelernährt", sagt Hänsel. Das liege am vergangenen Winter, der viel zu warm war. "Da sind die Igel, die sich eigentlich monatelang im Winterschlaf befinden müssten, permanent aufgewacht, wieder eingedämmert, wieder aufgewacht. Da leert sich ihr Energietank, ohne dass sie neue Fettreserven anlegen können, weil sie auf der Suche nach Insekten ja nichts finden."

Im Februar, März seien deshalb völlig ausgemergelte, dehydrierte Igel aus dem Winterschlaf getapert. Hätten obendrein – mangels Insektenvielfalt – auch noch auf minderwertiges Futter wie Schnecken oder Regenwürmer ausweichen müssen, anstatt proteinhaltige und kalorienreiche Engerlinge oder kleine Laufkäfer zu finden. "Jetzt ist ihr Immunsystem total geschwächt und sie sind auch noch anfällig für Hautpilze." Deshalb fallen die Stacheln aus.

Der Bund Naturschutz bittet die Münchner, auf solche Tiere zu achten, und gegebenenfalls zu helfen. Ronja, die Hänsel aufgefallen war, als sie in der Pasinger Waldkolonie um die Häuser geschlichen war, wird nun in seinem Garten aufgepäppelt.

So können Sie den Igeln helfen: 

  • Einen Igel bitte nur dann aus seinem Revier nehmen, wenn er verletzt ist (etwa durch Rasenmäher) – dann muss er zum Tierarzt. Ansonsten im Revier füttern: Etwa, indem man verquirltes rohes Ei, Hackfleisch oder Katzenfutter in einen kleinen Untersetzer füllt.
  • Hat man einen eigenen Garten, den Zaun so öffnen (oder eine Latte kürzen), dass ein Igel hineinschlüpfen und sich zurückziehen kann.
  • Im Garten dafür sorgen, dass Igel Insekten finden. Etwa, indem man Astholz und Komposthaufen liegen lässt – dort finden Igel Asseln und Tausendfüßler. Oder, indem man Pflanzen einsetzt, die Insekten anlocken – wie Kreuzdorn, Schmetterlingsflieder, Horn- oder Hufeisenklee. Ideal sind auch einheimische Wild- und Heckenrosen. Die locken Rosenkäfer an – und Igel lieben deren Engerlinge.

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