Naturschützer Dritte Startbahn gefährdet seltene Vogelarten

Im Prozess um die dritte Startbahn geben nun Vögel den Ton an. Foto: dpa

Es sind Vögel, deren Namen kaum jemand kennt, und doch spielen sie im Prozess um den Bau der dritten Startbahn eine entscheidende Rolle. Naturschützer wollen nachweisen, dass sie durch die Erweiterung in ihrem Bestand gefährdet wären.

 

München – Im Prozess um den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen haben am Donnerstag Vögel den Ton angegeben. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) will als Kläger gegen das Projekt nachweisen, dass im Baugebiet mindestens 155 Vogelarten leben. BN-Expertin Christine Margraf nannte vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München exemplarisch Wachtelkönig, Kiebitz und Kuckuck, aber auch so seltene Singvögel wie Feldschwirl oder Wiesenschafstelze. „Das Gebiet ist für diese Vögel als Brut-, Nahrungs-, Überwinterungs- und Durchzugsgebiet von zentraler Bedeutung“, sagte Margraf.

Sie warf der Flughafengesellschaft FMG vor, in ihren Plänen lediglich 40 Vogelarten willkürlich berücksichtigt zu haben. Tatsächlich sei das Gebiet um den Airport aber „für mitteleuropäische Verhältnisse überdurchschnittlich artenreich“. Dies liege an einer großen Niedermoorkette, die sich von den Isarauen über das Dachauer Moor bis ins Erdinger Moos zieht. Die im Gebiet der geplanten dritten Startbahn lebenden Vögel würden besonders durch die Luftwirbel hinter den Flugzeugen gefährdet.

Der Anwalt des Flughafens wies den Vorwurf der willkürlichen Auswahl zurück. Die FMG sei sich der Bedeutung des Gebietes für die Vogelwelt bewusst und habe sie auch berücksichtigt.

Gegen die Erweiterung des Airports klagen neben dem BN zahlreiche Kommunen und Privatleute. Sie wollen die Baugenehmigung zu Fall bringen und bestreiten den Bedarf für eine weitere Start- und Landebahn. In dem iim März begonnene Prozess soll auch überprüft werden, wie groß die Beeinträchtigung durch Fluglärm und Schadstoffe ist und ob das Naturschutzrecht eingehalten wurde. Das Verfahren wird mindestens bis November dauern.

Angesichts steigender Passagierzahlen stößt das Drehkreuz München nach Angaben der FMG längst an seine Kapazitätsgrenzen – mit 18,6 Millionen Fluggästen wurde im ersten Halbjahr ein neuer Rekord erreicht. Die vier Kilometer lange Betonpiste würde stündlich 120 statt bisher 90 Starts und Landungen auf dem sechstgrößten Airport Europas ermöglichen und 1,2 Milliarden Euro kosten. Der Zahl der Arbeitsplätze am Flughafen würde laut FMG mit einer dritten Startbahn von 30 000 auf 41 000 steigen.

 

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