Natur in die Straßen Wie grün soll München bleiben?

Natürlicher Wildwuchs an den alten Gleisen am Oberwiesenfeld – davon wünschen sich die Grünen mehr. Foto: LH München, Jörg Koopmann

Fast die halbe Fläche der Stadt ist versiegelt. Wie die Stadtrats-Grünen mehr Natur in die Straßen bringen wollen.

München – Häuser, Straßen, Tiefgaragen, geteerte Stadtteilzentren und jede Menge Parkplätze: Fast die halbe Stadtfläche Münchens (46 Prozent) ist schon jetzt fest versiegelt. Mit dem Zuzug, der München prognostiziert wird, und dem massiven Wohnungsbauprogramm der Stadt wird der Beton-Anteil noch mehr steigen.

Die Stadtrats-Grünen sehen das mit Sorge. „Es gibt zwar einige gut gelungene Freiräume wie Krautgärten, Spielplätze und Parks“, sagt Stadträtin Sabine Krieger, „aber wir fürchten, dass es nur noch wenige Freiflächen gibt, die von der Stadt als Tabuflächen gesehen werden, wenn die Frage im Raum steht, wo man noch Wohnungen bauen kann. Dabei brauchen wir Grün für das Stadtklima und unsere Lebensqualität.“

Grünflächen markieren, Großbäume erhalten

Um Freiflächen langfristig zu sichern, haben die Grünen jetzt ein großes Antragspaket geschnürt. Demnach soll die Stadt in einem neuen Gesamtplan alle Frei- und Grünflächen markieren, die künftig von jeder Bebauung freigehalten werden sollen. In allen neuen Bebauungsplänen sollen Flächen für Großbäume festgesetzt werden – und auch beim Nachverdichten in der City soll die Stadt gezielt versuchen, Großbäume erhalten. „Hätte man das bei der Überplanung des Viehhofs frühzeitig getan, dann hätte die Flatterulme, die nun verschwindet, stehen bleiben können“, sagt Krieger.

Auch zur Gestaltung neuer Grünflächen haben die Grünen konkrete Vorstellungen: „Wir möchten, dass zehn Prozent der Flächen naturnah gestaltet werden.“ Mit Blühstreifen und Wildwiesen beispielsweise – Lebensraum für ohnehin bedrohte Bienen und Schutzraum für Bodenbrüter. Auch dass die eigentlich beschlossene Entsiegelung vieler Oberflächen nicht recht vorankommt, stört die Grünen.

Stadtrat Herbert Danner möchte die „Entsiegelungspauschale“ von aktuell 1,5 Millionen auf jährlich 10 Millionen Euro aufstocken lassen. „Wir haben noch zu viele betonierte Unorte in der Stadt, wie das Siegestor oder Isartor.“ Und: Auch bei Bezirkssportanlagen oder Schulhöfen soll sich was tun. Würde die Stadt Schüler, begleitet von Uni-Fachleuten, Ideen spinnen lassen, wie sie beispielsweise ihre Flachdächer nutzen könnten, „dann könnten tolle neue Grünflächen herauskommen“.

 

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