Nations League in München Jogis Jägermeister: Neustart für das DFB-Team

Die deutsche Nationalmannschaft versammelt sich in dieser Woche erstmals wieder. Foto: Augenklick/GES

Vor dem Spiel gegen Frankreich treffen sich die Nationalspieler in München. "Wir sind jetzt nicht mehr die Gejagten, sondern die Jäger".

München - Zumindest der Ort für den Neuanfang in der deutschen Nationalmannschaft war passend gewählt. Am Montagabend versammelte Joachim Löw sein Team zur ersten Trainingseinheit vor dem Länderspiel-Klassiker gegen Frankreich (Donnerstag, 20.45 Uhr, Allianz Arena) auf dem FC Bayern Campus im Münchner Norden. Dort, wo die Bayern- und Nationalspieler der Zukunft ausgebildet werden sollen, will Löw das Signal zum Aufbruch geben – und zur Wiedergutmachung.

Doch ob das 68 Tage nach dem historischen WM-Aus in Russland tatsächlich gelingen kann? Mit einem Bundestrainer, der vor allem auf "Weiter-so" zu setzen scheint? Und mit einem Kader, der ganz und gar nicht nach Revolution klingt?

Löw schreibt entspannt Autogramme, macht Fotos

16 WM-Spieler stehen in Löws 22-Mann-Aufgebot, das am Mittag Quartier im Hilton Hotel bezog. Der Kölner Jonas Hector sagte für die Länderspiele kurzfristig ab. "Jonas hat mir gesagt, dass er sich derzeit nicht auf höchstem Level fühlt", sagte Löw. Der Bundestrainer kam in schwarzer Lederjacke, schrieb wie seine Spieler geduldig Autogramme, begrüßte die Fans, machte Fotos.

Nach dem Auftakt in der Nations League gegen Frankreich steht Sonntag noch das Testspiel in Sinsheim gegen Peru an. Zwei Partien, die Hinweise liefern werden, ob das mit Löw und der Nationalelf wieder was werden kann. Oder ob möglicherweise schon im Herbst ein echter Neuanfang unumgänglich ist.

Khedira ist vorerst nicht mehr dabei

"Ich freue mich, wenn es endlich wieder losgeht", sagte Löw, der vergangene Woche seine WM-Analyse vorgelegt hatte, dabei aber auf einen personellen Umbruch verzichtete. Weltmeister Sami Khedira ist zunächst nicht mehr dabei, Löw hält dem 31-Jährigen bei guten Leistungen allerdings eine Rückkehr offen. Mit Kai Havertz (19, Leverkusen), Nico Schulz (25, Hoffenheim) und Thilo Kehrer (21, Paris Saint-Germain) gibt es nur drei Neulinge. Zu wenig?

Im Umkehrschluss bedeutet Löws Nominierung, dass er seinen etablierten Stars weiter vertraut und sich eine Reaktion nach der Russland-Blamage erhofft. "Wir wissen, dass wir etwas gut zu machen haben", sagte Kapitän Manuel Neuer. Und Bayern-Kollege Mats Hummels meinte: "Wir wollen zeigen, dass das, was in Russland passiert ist, so nicht hätte passieren dürfen, aber auch nicht wieder passieren wird." Er sei sicher, dass man ab sofort "sehr großes Engagement bei jedem Einzelnen" spüren werde. Das darf man von einem Nationalspieler selbstverständlich auch erwarten.

Die Spieler des FC Bayern München machen Löw Hoffnung

Was Hoffnung macht für Löw: Die Bayern-Spieler – sieben sind es im aktuellen Kader – haben nach der WM demonstriert, dass sie ihre Enttäuschung durchaus in Motivation umwandeln können. Der Saisonstart der Münchner war mit vier Siegen in vier Pflichtspielen tadellos, speziell Leon Goretzka und Thomas Müller präsentieren sich derzeit in Topform. "Wir müssen jetzt mal nach vorne schauen und uns um unsere Leistung kümmern", forderte Müller: "Sollte die passen und dann auch zum richtigen Ergebnis führen, dann stimmt der Weg wieder."

Während Müller und Goretzka – wie bei Bayern – im offensiven Mittelfeld auflaufen könnten, ist die Konstellation in der Innenverteidigung prickelnd. Sind die Weltmeister Mats Hummels und Jérôme Boateng weiter gesetzt? Oder agiert Niklas Süle – wie bei Bayern – auf Augenhöhe?

Klar ist, dass die Bayern des Jahrgangs 1995, also Süle, Joshua Kimmich, bald auch Serge Gnabry sowie Goretzka, für eine neue Gewinner-Generation stehen könnten. Goretzka gab auch das Motto für die Frankreich-Partie vor: "Wir wollen zeigen, dass wir immer noch eine Weltklasse-Mannschaft sind." Und Timo Werner stellte fest: "Wir sind jetzt nicht mehr die Gejagten, sondern die Jäger." Jogis Jägermeister.   

 

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