Nationaltrainer So lebt Winfried Schäfer auf Jamaika

Winni Schäfer hat auf Jamaika auch schon Sprint-Superstar Usain Bolt (l.) getroffen. Foto: privat

Winfried Schäfer lebt als Nationalcoach auf der Karibik-Insel. Wie er einen Spieler aus dem Stahlwerk entdeckt hat, wen er als Weltfußballer gewählt hat – und was er von Usain Bolt hält

 

AZ: Herr Schäfer, als Nationaltrainer Jamaikas durften Sie mit über den Weltfußballer des Jahres abstimmen. Wer muss es werden?

WINNI SCHÄFER: Auf keinen Fall wieder Messi! Ich habe Lewandowski auf eins gesetzt, Ribéry auf zwei, Xavi auf drei.
Vergangenes Jahr haben Sie Sergio Busquets gewählt.Da ist irgendwas vertauscht worden! Ich wollte eigentlich Andrés Iniesta auf die eins wählen. Aber egal, Busquets ist auch super: Beckenbauer war auch deshalb weltklasse, weil er Schwarzenbeck

Wer fehlte auf der Liste?

David Alaba. Er ist für mich der beste Linksverteidiger der Welt. Wie der spielt – Wahnsinn! Schade, dass so einer nie gewählt wird. Ich bin dafür, dass es eine Wahl für den besten Defensiv- und den besten Offensivspieler geben sollte.

Wer soll Welttrainer werden?

Wer wohl? Das kann nur der Jupp sein! Ich habe für Heynckes gestimmt. Wie er diese Mannschaft gemanagt hat – sensationell.

Mit Jamaika haben sie aus vier Quali-Spielen drei Remis geholt, nur gegen Klinsmanns US-Team 0:2 verloren.

Es wäre ein Wunder gewesen, wenn wir die WM noch erreicht hätten. Dafür bin ich leider zwei Spiele zu spät gekommen. Jetzt wollen die Verantwortlichen, dass ich hier ein neues Team bilde, eins für die WM 2018 – und ich bin nicht abgeneigt.

Wie ist Ihre Spieler-Auswahl?

Am Anfang war's schwer. Ich habe mir dann eiligst mittels
transfermarkt.de Notizen gemacht, damit ich die Spieler überhaupt kenne. Einen habe ich auf die Sechs gestellt, wie Philipp Lahm, das war mehr Zufall, aber ich habe goldrichtig gelegen. Und soll ich ihnen was erzählen?

Bitte.

Einen habe ich bei einem Spaßspiel gegen die englische Botschaft entdeckt. Tuffy Anderson heißt der, ein Rastafari. Er ist schon 34, arbeitet täglich von 8 bis 16 Uhr in einem Stahlwerk. Der hat Muskeln wie Arnold Schwarzenegger! Aber vor dem Tor hat er den richtigen Riecher. Und so hat er beim 1:1 gegen Costa Rica gleich das Tor gemacht. Da war was los!

Was merkt man vom „easy living“ in Jamaika?

Ohne Disziplin läuft gar nichts. Ich habe Spieler schon nach Hause geschickt, wenn sie eine Viertelstunde zu spät kamen. Das nächste Mal waren alle pünktlich. Beim Karibik-Cup 2014 muss ich nur mit Spielern von der Insel auskommen. Der Bereich Fitness: Katastrophe. Taktisches Verhalten: Katastrophe. Die meisten sind hier im Kopf leider immer noch bei der WM-Teilnahme 1998.

Wie lebt sich's auf Jamaika?

Bestens! Die Leute sind nett, es ist schön. Aber die Fußballplätze sind katastrophal. Wer guten Fußball spielen will, muss einen guten Platz haben. Das habe ich zu meiner ersten Aufgabe gemacht.

Wie fußballverrückt sind die Jamaikaner?

Nationalsport Nummer eins, würde ich sagen. Aber Usain Bolt ist der Meister. Er ist das Aushängeschild, der Nationalheld. Er leuchtet an jeder Straßenecke von Werbetafeln.

Haben Sie den besten Sprinter der Welt kennengelernt?

Ja! Ich habe ihm gesagt, dass er unbedingt zu einem Spiel kommen muss. Übers Oktoberfest haben wir gesprochen, da kam er gerade her. Und über Bastian Schweinsteiger: Er hat mir gesagt, dass er ein großer Schweinsteiger-Fan ist.

Ihr Tipp fürs Spiel Dortmund gegen Bayern?

Ich tippe auf die Bayern. Dass Dortmund jetzt mit Manuel Friedrich einen 34-Jährigen beinahe aus dem Ruhestand zurückgeholt hat, zeigt, wie groß die Probleme sind.
 

 

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