Nächste Woche startet Gerhard Polts neuer Film "Und Äktschn!" Die Banalität des Bösen: Gerhard Polt über Adolf Hitler

Heinz A. Pospiech (Gerhard Polt) und Frau Schäfer (Mareike Sedl) und ihr Schäferhund mit besonderem Stammbaum beim Hundecasting: Wer bekommt die Rolle von Blondie? Foto: Delia Wöhlert/Majestic

In einer Woche startet „Und Äktschn!“ von und mit Gerhard Polt. Am morgigen Donnerstag feiert der Film Premiere in München.

 

Er ist eine lebende Legende. Nun hat der Autor, Kabarettist und Filmemacher Gerhard Polt nach 10 Jahren einen neuen Kinofilm realisiert. In „Und Äktschn!“ spielt er den Amateurfilmer Hans. A. Pospiech, der „Hitler als Mensch“ zeigen möchte.

AZ: Herr Polt, warum mussten Sie ausgerechnet einen Hitler-Film drehen?

GERHARD POLT: Wir kennen ihn aus Dokumentationen als brüllende, schreiende Figur, als Dämon. Aber Adolf Hitler war kein Dämon, er war ein Arschloch. Wenn man Oskar Maria Grafs schöne Geschichte gelesen hat, in der er mit dem Hitler in der Kurfürstenstraße eine Schmalznudel isst, bemerkt man das niedrige Niveau Hitlers.

Die Banalität des Bösen also.

Man sollte das Banale nicht unterschätzen. Das Banale ist für mich das Irre. Dass auch die Banalität eine unglaubliche Kraft hat. Der Hitler hat weder malen können, noch etwas von Architektur verstanden, ist aber, obwohl er Blödsinn verzapft hat, unaufhaltsam seinen Weg gegangen. Das ist eines der Phänomene dieser Geschichte. Dass es einem Deppen, Hitler, gelingt, gescheite Leute ins Boot zu holen.

Wie erklären Sie sich das?

Selbst Hitler muss auf gewisse Art und Weise doch auch ein charmanter, sympathischer Mensch gewesen sein. Weil wie kommt es sonst, dass er bei gesellschaftlichen Größen und Millionären Gehör findet und zu Salons eingeladen wird? Die haben ihn auf den Schoß genommen, die haben ihn eingekleidet, ihm Messer und Gabel in die Hand gedrückt, die haben ihm gezeigt, wie man Krawatte bindet und wie man Hummer isst. Wenn er nur unsympathisch und blöd gewesen wäre, wäre er da nicht hingekommen. Mit seinem Geschwafel ist es ihm gelungen, bei diesen Leuten Eindruck zu schinden. Das ist das Erstaunliche.

Wie haben Sie diesen Aspekt in Ihrem Film berücksichtigt?

Filme prägen unsere Vorstellung von solchen Persönlichkeiten. Darum sage ich in „Und Äktschn!“: Wenn wir den Peter Ustinov nicht hätten, wüssten wir gar nicht, wer der Nero war. Das möchte ich im Film vermitteln: Dass Filme uns ein Bild von einem Menschen transportieren, das aber äußerst fragwürdig ist.

Im Film schlagen Sie die Brücke zur heutigen Digital-Native-Generation.

Der Amateurfilmer, den ich spiele, ist auch Blogger. Ein mittelmäßiger Selbstdarsteller, der schon alles weiß. Mit einer Präpotenz ohne Gleichen, unbelehrbar. Den spiele ich mit Begeisterung.

 

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