Nachwuchstalent vom BVB Die DFB-Hoffnung: Da ist der Durm drin

Vom Nobody zum Nationalspieler: Der Verteidiger von Borussia Dortmund ist im DFB-Team links hinten wohl gesetzt – auch dank Jürgen Klopp. "Das erste Länderspiel war Gänsehaut".

 

Mainz - Es ist schon wie im Märchen. Purer Kitsch. Vor dieser Saison stand Erik Durm, damals Angreifer, noch nicht mal im Profi-Aufgebot Borussia Dortmunds. Jetzt spielt er WM. Als Linksverteidiger.
Sein Alltag noch im Sommer 2013: Training auf dem Nebenplatz der BVB-Profis, Dritte Liga, Elversberg. Doch dann sah Trainer Jürgen Klopp in dem wendigen, aber nicht gerade durchsetzungsfähigen Stürmer mehr und funktionierte ihn kurzerhand, obwohl eigentlich Rechtsfuß, zum Linksverteidiger um – „ein Geniestreich“, wie es BVB-Manager Michael Zorc nennt. "Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass die Entscheidung nicht ganz falsch gewesen sein kann", sagt Durm, der von Klopp tatsächlich erst überzeugt werden musste.

Zum Glück. "Als Offensivspieler hätte ich es nie im Leben hierher geschafft", sagt er nun. Und, immerhin: "Mittlerweile macht mir die Position in der Defensive sehr viel Spaß." Löws Gewinn ist also auch Klopps Verdienst.

Wie’s dann eben so läuft: Weil Marcel Schmelzer mehrfach malade passen musste, stand Durm immer öfter in der Startelf. Statt gegen Heidenheim, Unterhaching und Regensburg ging’s plötzlich gegen Bayern, St. Petersburg und Real. Mit Robben, Hulk und Bale als Gegenspieler. "Erik hat in einem Jahr mehr erlebt als manche in 30", sagt Roman Weidenfeller anerkennend.

"Er hat einen Top-Job gemacht", meint Sami Khedira, der die Real-Spiele beeindruckt von der Tribüne aus verfolgt hatte. So reichten 19 Bundesligaspiele und sieben Champions-League-Einsätze, um von Löw mit zur WM genommen zu werden – ein Novum. Denn lässt man die einst im Ausland beschäftigten Robert Huth (2006), Helmut Haller (1966) und Karl-Heinz Schnellinger (1970) außen vor, hatte seit Bundesliga-Einführung noch kein Deutscher bei einer WM-Nominierung weniger Liga-Einsätze als er.

Sein DFB-Debüt gab Durm nun gerade erst gegen Kamerun, als 72. Debütant der Ära Löw. Der Bundestrainer lobte: "Für sein junges Alter hat er das auf jeden Fall gut gemacht." Durm sagte: "Real war ein Highlight, aber das erste Länderspiel hat für mich einen noch viel größeren Stellenwert. Das war Gänsehaut."

Nicht wenige trauen dem 22-Jährigen nun zu, für eine ähnliche WM-Überraschung zu sorgen wie Thomas Müller 2010 oder Lukas Podolski 2006, beide zum besten Jungprofi des Turniers gewählt. Dass Durm eine wichtige Rolle übernehmen wird, ist so gut wie sicher. In Löws WM-Elf, so die Prognose: Da ist der Durm drin! Denn auf der Linksverteidigerposition ist er in Löws WM-Kader nahezu konkurrenzlos. Schmelzer hat Löw jedenfalls wegen Fitnessrückstand nach Hause geschickt, Marcell Jansen: aussortiert. Lars Bender, der bei der EM 2012 mal als Außenverteidiger aushalf: verletzt. Bleiben noch BVB-Kollege Kevin Großkreutz, der aber lieber im Mittelfeld und überhaupt eher rechts spielt, sowie Jérôme Boateng, der eigentlich Innenverteidiger ist und sich von Löw höchstens zum Rechtsverteidiger überreden lässt.

Philipp Lahm steht für links hinten nicht mehr zur Verfügung. Und Benedikt Höwedes traut Löw die Rolle wohl nicht zu. Und selbst wenn Löw auf die waghalsige Idee kommen sollte, mit Dreierkette spielen zu lassen, bräuchte er einen Außenlinienflitzer für die linke Seite, der sowohl die Offensive als auch die Defensive beherrscht: den Durm.

 

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