Der FC Bayern steckt im Umbruch. Serge Gnabry, Niklas Süle, Leon Goretzka und Joshua Kimmich – alle Jahrgang 1995 – stehen für die Zukunft. Auch beim DFB. "Wollen hier deutsche Tugenden haben".

München - In manchen Momenten hat die junge Generation beim FC Bayern schon das Kommando übernommen. Am Freitagmittag sitzt Arjen Robben (34) in einem Mini-Van am Trainingsplatz in Rottach-Egern, der Mannschaftsbus ist längst Richtung Hotel gefahren.

Robben hat wie so oft noch einige Dehnübungen in seiner knallroten Sportunterwäsche absolviert, jetzt möchte er gern los. Aber das geht nicht so einfach – denn auch Joshua Kimmich (23) und Serge Gnabry sind im Kraftraum beschäftigt. Ein Fahrer weist Robben darauf hin, dass die beiden Youngster noch nicht fertig sind mit ihren Übungen. "Ich bin aber fertig", sagt Robben. "Zwei Minuten, Arjen!", ruft Gnabry in Robbens Richtung. Dann beendet auch Kimmich das Training, der Van fährt endlich ab.

Der Jahrgang 1995 steht beim FC Bayern für den Umbruch

Der Umbruch bei den Bayern ist in vollem Gange – und besonders der Jahrgang 1995 kristallisiert sich dabei als Basis für eine erfolgreiche Zukunft heraus. Kimmich, Gnabry, Niklas Süle, Leon Goretzka: alle 95er, alle junge deutsche Nationalspieler. "Ich freue mich sehr darüber, dass der Jahrgang bei uns so stark vertreten ist", sagt Kimmich im Gespräch mit der AZ: "Ich kenne die Jungs von der Nationalmannschaft und speziell Serge schon sehr lange." Wie Gnabry spielte auch Kimmich in der Jugend des VfB Stuttgart, nun sind sie bei Bayern wiedervereint. "Jeder von uns ist einen anderen Weg gegangen, jetzt sind wir alle hier gelandet", sagt Goretzka.

Für Goretzka ging es über die Stationen Bochum und Schalke zu den Bayern, Kimmich spielte beim VfB Stuttgart und RB Leipzig, Süle lernte unter Julian Nagelsmann bei 1899 Hoffenheim. Wandervogel der vier Youngster ist Gnabry, der bereits in jungen Jahren nach England zum FC Arsenal wechselte und anschließend in der Bundesliga für Bremen und Hoffenheim spielte. Nun soll die Klasse von 1995 um Goretzka, Gnabry, Süle und Kimmich für eine erfolgreiche Zukunft der Bayern stehen – und für den Umbruch in der Nationalelf.

Brazzo: "Wir haben große Ziele"

"Der FC Bayern hat immer den Großteil der Nationalmannschaft gestellt", sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Das ist die Strategie gewesen und ist es immer noch." Natürlich müssten die deutschen Spieler "auch die Qualität haben", so Brazzo weiter: "Wir haben große Ziele, wollen am besten die Champions League gewinnen."

Doch es gehe klar darum, "den Kern unserer Kabine, unserer Mannschaft deutsch" zu haben, erklärt Salihamidzic, "weil wir die deutschen Tugenden hier haben wollen, weil wir den deutschen Fußball in der Welt repräsentieren."

Goretzka und Gnabry überzeugen im Training

Speziell Goretzka hinterlässt im Training am Tegernsee bislang einen sehr guten, sehr dynamischen Eindruck. Bei der Einheit am Freitag setzt er sich in einem Zweikampf gegen Thiago durch, knallt den Ball in den Winkel. "Er hat exzellente Fähigkeiten", sagt Thomas Müller.

Auch Gnabry agiert auffällig, bei einem Sprint Richtung Tor und einem Tunnel gegen Torhüter Sven Ulreich geht ein Raunen durchs Publikum. Das Tempo des Außenstürmers ist beeindruckend. "Ich erwarte mir besonders viel von ihm", sagt Salihamidzic. Gnabry rangelt im offensiven Mittelfeld vor allem mit Robben und Franck Ribéry um einen Stammplatz, Goretzka, der andere Neue, hat gleich acht Konkurrenten auf seiner Position.

"Es liegt an einem selbst, wie viel Einsatzzeit man letztlich bekommt", sagt der 23-Jährige, der seinen Weg zu Bayern als "vorgezeichnet" ansieht. Sportdirektor Brazzo verriet bereits, dass Trainer Niko Kovac Goretzka ziemlich gut findet .Der "FC Bayern Deutschland", den sich Präsident Uli Hoeneß einst gewünscht hat, nimmt mit Gnabry und Goretzka, mit Kimmich und Süle, jedenfalls immer mehr Formen an. Das spürt manchmal auch Arjen Robben.