Nachweis durch Studie Also doch! Frauen schlafen schlechter als Männer

Autorenprofil Ruth Schormann
Sehr viele Frauen kennen es: Schlafprobleme. Bei den Männern sind weniger betroffen. Foto: imago

Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Frauen eher unter Schlafstörungen leiden als Männer. Wie erholt wir am Morgen sind, hängt aber auch mit unserem Gewicht und unserer Berufstätigkeit zusammen.

 

Sie liegen stundenlang wach, wälzen sich von einer Seite auf die andere, kneifen das Kissen, schieben die Decke rauf und runter und fühlen sich am Morgen wie gerädert: 25 Prozent der Deutschen leiden laut Robert-Koch-Institut an Schlafstörungen. Weitere elf Prozent empfinden ihren Schlaf als häufig nicht erholsam.

Schlafprobleme plagen 42 Prozent Frauen und nur 29 Prozent Männer

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen jetzt Leipziger Forscher um Studienleiter Prof. Andreas Hinz. Sie haben Angaben zur Schlafqualität von 9.284 Probanden ausgewertet. Nach deren Berechnungen leiden 26 Prozent der Untersuchten an Schlafproblemen.

Auffällig: Frauen (42 Prozent) haben häufiger mit einer minderen Schlafqualität zu kämpfen als Männer (29 Prozent). Die Studie könne allerdings keine Aussage zu Ursache und Wirkung treffen.

Warum sind Frauen benachteiligt?

Also – warum schlafen Frauen schlechter? Es liegt unter anderem an den Hormonen. Das zeigen bereits frühere Untersuchungen. Der Hormonspiegel im Körper schwankt innerhalb eines Monats stark. Und das wirkt sich auf den Schlaf aus. Vor allem die Tage vor und nach der Menstruation sind kritisch, haben Forscher aus Chicago herausgefunden. Schlechten Schlaf registrierten sie vor allem dann, wenn die Konzentration des follikelstimulierenden Hormons FSH besonders niedrig war.

Einen weiteren Grund erklärt Dr. Oliver Seemann, Psychiater und Schlafexperte aus Wolfratshausen, der AZ so: "Frauen sind tendenziell hellhöriger, weil sie sich um den Nachwuchs kümmern müssen, wenn der nachts Hunger hat." Er rät, neben den gängigen Tipps (siehe unten) zu einer transkraniellen Magnetstimulation, durch die die Nervenzellen das Gehirn auf Schlaf programmieren.

Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schlaf

Ob aber nun Frau oder Mann, es gibt weitere Faktoren, die unseren Schlaf schlechter machen: Auch dazu gibt es Ergebnisse. Zum Beispiel übergewichtige Menschen schlafen schlechter. Rauchen schade der Schlafqualität dagegen nicht, haben die Leipziger Mediziner herausgefunden.

Je schlauer desto schläfriger? Da könnte ein Zusammenhang bestehen, glauben die Experten. Probanden mit Abitur schliefen laut deren Studienergebnissen besser als die ohne den höchsten Schulabschluss.

Wie sich die Berufstätigkeit auf die Nachtruhe auswirkt: Arbeitslose haben mit einer schlechteren Schlafqualität zu kämpfen als Berufstätige. "Das ist ganz interessant. Die Arbeitstätigkeit hält zwar Belastungen bereit, aber keiner Arbeitstätigkeit nachzugehen ist noch belastender. Das zeigen auch Studienergebnisse aus anderen Bereichen – etwa zu Depressivität", sot Hinz.

Tipps für die Nachtruhe

Was kann ich bei Schlafstörungen tun? Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät unter anderem: Jeden Tag um dieselbe Zeit aufstehen, nur Schlafen gehen, wenn man wirklich müde ist, regelmäßig Sport treiben, vor dem Zubettgehen keinen Kaffee und keinen Alkohol mehr und den Mittagsschlaf vermeiden. Außerdem sollte man zum Einschlafen nicht den Fernseher einschalten oder auf die Uhr schauen, wenn man nachts einmal wach wird. Denn dann beginnt man zu rechnen – und das ist gar nicht förderlich.

Was ist mit Medikamenten? Jeder zweite Patient, der mit Schlafstörungen kämpft, besorgt sich Schlafmittel ohne Rezept, oft ohne fachmännische Beratung. Der Schlafexperte von der Berliner Charité, Ingo Fietze, beklagt, dass Apotheker zu wenig über die Mittel aufklären. Grundsätzlich könnten Schlaftabletten auch über einen längeren Zeitraum notwendig sein. Das sollte aber zwingend der Arzt entscheiden.

Oder liegt es an der inneren Uhr? Auch das ist möglich: "Wer abends nicht einschlafen kann, ohne dass ein körperliches Problem dahintersteckt, der geht schlichtweg zur falschen Zeit schlafen", sagt Prof. Till Roenneberg, Leiter der Human Chronobiologie an der LMU München. Jeder Mensch hat eine innere Uhr, die in einem eigenen Rhythmus läuft. "Bei vielen ist diese innere Uhr später dran, als ihr Alltag es ihnen vorgibt." Das heißt: Versucht man, um 22 Uhr einzuschlafen, obwohl der Körper erst nach Mitternacht zur Ruhe kommt, ist das ein recht aussichtsloses Unterfangen.

 

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