Nachrücker-Frage geklärt Kehrt Skandal-Landrat Jakob Kreidl in den Kreistag zurück?

Spekulationen um eine Rückkehr von Jakob Kreidl in die Kommunalpolitik machten am Donnerstag die Runde. Foto: CSU

Diese Frage hat heute den Landkreis Miesbach beschäftigt. Denn der skandalumwitterte, ehemalige Landrat wäre Nachrücker für einen kürzlich verstorbenen Abgeordneten.

 

Miesbach - Es scheint gar so, als ob die Personalie Jakob Kreidl (CSU) den Landkreis Miesbach bis in alle Ewigkeit verfolgen wird. Gerade war es um den ehemaligen Landrat und seine mit ihm einhergehenden Skandale ein bisserl ruhiger geworden, da gibt es erneut Spekulationen um ihn. Kommt er zurück oder nicht? Diese Frage geistert den ganzen Tag durch den Landkreis Miesbach.

Die Ausgangssituation ist folgende: Im Miesbacher Kreistag ist gerade ein Platz frei geworden – aus einem traurigen Grund. Bernhard Rohnbogner, lange Jahre Mitglied der CSU-Kreistagsfraktion, ist am vergangenen Sonntag einer schweren Krankheit erlegen.

Jakob Kreidl stolpert gleich über mehrere Affären

Offizieller erster Nachrücker nach CSU-Wahlliste für den Kreistagsposten wäre ein Mitarbeiter des Landratsamtes, der diesen jedoch nur besetzen dürfte, wenn er seine Tätigkeit im Landratsamt aufgibt. Das möchte er jedoch nicht. Zweiter Nachrücker ist: Ex-Landrat Jakob Kreidl.

Sein vorzeitiger Abschied aus der Kommunalpolitik war für Kreidl alles andere als rühmlich. Denn es war nicht nur ein Skandal, der ihn im Februar 2014 dazu gezwungen hatte, von seinem Landratsposten zurückzutreten.

Da war zum einen seine tiefe Verstrickung in die Verwandtenaffäre – Kreidl hatte während seiner Zeit als Landtagsabgeordneter seine Ehefrau jahrelang als Mitarbeiterin angestellt –, zum anderen kam im März 2013 heraus, dass er seine Doktorarbeit größtenteils abgeschrieben hatte. Endgültig Schluss war dann, als publik wurde, dass er sich die Sause zu seinem 60. Geburtstag – sie kostete rund 116.000 Euro – zum Großteil von der Sparkasse Miesbach und dem Landkreis finanzieren hat lassen.

Am späten Nachmittag kommt plötzlich eine überraschende Meldung

Wie die Parteikollegen eine Rückkehr Kreidls finden würden? Schwer einzuschätzen – denn die wollen dazu nichts oder nur wenig sagen. Eine Anfrage an den Miesbacher CSU-Chef Gerhard Braunmiller bleibt unbeantwortet. Der CSU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan will sich am Telefon dazu nicht äußern und verweist im Gespräch mit der AZ auf eine offizielle Pressemitteilung, die "jetzt dann bald rausgehen wird". Nicht einmal auf die Frage, von wem denn die Mitteilung ausgesteuert wird, will Radwan antworten.

Es wird später Nachmittag bis die Mitteilung eintrudelt. Es ist eine gemeinsame Erklärung des CSU-Kreisverbandes, der CSU-Kreistagsfraktion und: Jakob Kreidl. Der Inhalt überrascht – vor allem deshalb, weil der 64-jährige CSUler tags zuvor sämtliche Anfragen unbeantwortet lässt und seine Ehefrau mitteilt, dass sie gerade im Urlaub sind, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Doch anscheinend wurde der Druck dann gestern doch zu groß, denn in der Mitteilung heißt es wörtlich: "Nach reiflicher Überlegung und auch nach Rücksprache mit politischen Freunden und Weggefährten und vor allem auch im Interesse seiner Familie, kam Jakob Kreidl zu dem Ergebnis, dass er das Mandat nicht annehmen wird. (...) Eine Rückkehr nach zweieinhalb Jahren würde zu allerlei Spekulationen und Fehldeutungen führen."

 

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