Nach zweieinhalb Jahren Gegen Anderlecht: Mulls Comeback

Er ist wieder da: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist wieder Bayern-Doc. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Müller-Wohlfahrt kehrt am Mittwoch als Teamarzt auf die Bank des FC Bayern zurück – zweieinhalb Jahre nach dem Streit mit Pep Guardiola.

München - Er ist wieder da. Jung geblieben wie eh und je. Gesunde Gesichtsfarbe. Wallende, kaum ergraute Mähne. Rank und schlank, ja drahtig. Sportlich. Mit einer Sporttasche als Handgepäck.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 75 Jahre alt (beziehungsweise) jung – und damit der einzige beim FC Bayern, der tatsächlich älter ist als Jungbrunnen-Trainer Jupp Heynckes, drei Jahre sind es. Doch der Arzt, seit 1977 mit dem FC Bayern in verschiedenen Funktionen verbandelt, kennt kein Alter, keine Rente. Der ewige Mull will’s noch mal wissen bei den Bayern.

Er legt wieder los. Am Dienstag reiste er mit dem gesamten Bayern-Tross zum vorletzten Gruppenspiel der Champions League beim RSC Anderlecht, passierte gut gelaunt den Security-Check am Münchner Flughafen. Mull is back – er wird wieder gebraucht. Ganz offiziell.

2008 verkrachte er sich mit Klinsmann, 2015 mit Guardiola

Viele Spieler wie beispielsweise Arjen Robben oder Manuel Neuer ließen sich vom Arzt ihres Vertrauens weiterhin behandeln – obwohl Müller-Wohlfahrt nicht mehr der Mannschaftsarzt war. Seine heilenden Hände werden wieder gebraucht, es ist sein zweites Comeback bei Bayern. Natürlich auf Wunsch von Präsident Uli Hoeneß. Möglich gemacht durch den Rückzug von Mannschaftsarzt Volker Braun, der um die Auflösung seines Vertrages gebeten hatte.

"Dieses Thema war zwei Jahre lang ein ständiger Unruheherd im Verein. Und ich bin überzeugt, dass genauso, wie es mit Jupp Heynckes innerhalb kürzester Zeit zur Ruhe gekommen ist, es auch mit dem Team Müller-Wohlfahrt ruhig wird", sagte der Bayern-Präsident letzte Woche zu dieser Personalentscheidung.

Ein doppelter Rückblick: 2008 verließ Müller-Wohlfahrt den Klub nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann, kehrte aber ein Jahr später – unter Heynckes – zurück.

Im April 2015 warf Müller-Wohlfahrt nach einem Kabinenstreit mit Coach Pep Guardiola im Anschluss an das Champions-League-Viertelfinale in Porto (1:3) hin. Das Vertrauensverhältnis war erschüttert. Bis heute war jene Partie Mulls letzter Auswärtseinsatz.

Vereinbart ist, dass der Doc, weiterhin im Dienste der Nationalmannschaft, künftig nur bei Europacup-Spielen an Bord ist, nicht jedoch bei nationalen Wettbewerben. Dort wird er vom Team aus seiner Praxis – Peter Ueblacker, Lutz Hänsel und Jochen Hahne, der auch die Bayern-Basketballer betreut – vertreten.

Matthäus: "Ich habe ihm alles geglaubt, was Verletzungen betrifft"

Die Mull-Rückkehr hält Patient Lothar Matthäus "für eine gute Entscheidung". Der ehemalige Bayern-Kapitän erzählt mit Vergnügen folgende Anekdote: "1985 hatte ich einen Muskelbündelriss erlitten, wollte aber unbedingt gegen meinen Ex-Verein Borussia Mönchengladbach spielen.

In der Woche vor der Partie sagte der Mull zu mir: ,Mannschaftstraining besser erst nächste Woche wieder, Lothar!’ Also nach dem Spiel! Ich dachte mir: Was will er denn? Ich fühlte mich gut, war der Meinung, auf vier oder fünf Tage früher oder später kommt es doch nicht an. Ich habe nicht auf ihn gehört, mache im Training einen langen Schritt und – batsch – reisst der Muskel wieder. Von da an habe ich ihm alles geglaubt und auf ihn gehört – zumindest, was Verletzungen betrifft."

Er lacht. Mit Maren, der Tochter von Müller-Wohlfahrt, war Matthäus ab 1999 für zwei Jahre liiert.

Lesen Sie hier: "Nicht ernst zu nehmen" - Ulreich mit Seitenhieb gegen Matthäus

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. null