Nach Wiederwahl Sechs Tote bei Protesten gegen Indonesiens Präsident Joko

Mindestens sechs Menschen sind bei den Straßenkämpfen in Jakarta ums Leben gekommen. Foto: Str/AP/dpa

Die Präsidentenwahl in Indonesien lief friedlich ab. Seit endgültig feststeht, dass Staatschef Joko Widodo im Amt bleibt, gibt es nun jedoch Proteste - und auch Tote.

 

Jakarta - In Indonesiens Hauptstadt Jakarta sind bei Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Joko Widodo mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen.

Mehr als 200 Anhänger des unterlegenen Gegenkandidaten Prabowo Subianto wurden nach Polizeiangaben am Mittwoch verletzt. Polizei und Demonstranten machten sich gegenseitig dafür verantwortlich. Prabowo, ein ehemaliger General, wirft dem Regierungslager vor, bei der Wahl Mitte April massiv betrogen zu haben. Von unabhängiger Seite gibt es dafür keine Bestätigung.

Der Präsident mahnte nach den Krawallen zu Ruhe und Ordnung. "Ich werde niemanden tolerieren, der die Sicherheit, den demokratischen Prozess oder die Einheit unserer geliebten Nation gefährdet." Zugleich versicherte Joko den mehr als 260 Millionen Indonesiern, die Lage sei unter Kontrolle. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Aus Furcht vor weiteren Unruhen schränkten die Behörden den Zugang zu sozialen Netzwerken im Internet ein.

Nach Bekanntgabe des Endergebnisses waren am Dienstagabend Hunderte Prabowo-Anhänger vor das Gebäude der staatlichen Wahlkommission gezogen. Aus der Menge flogen Steine. Mehrere Autos gingen in Flammen auf. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Mindestens 20 Demonstranten, die die Menge angestachelt haben sollen, wurden festgenommen. Unklar war zunächst, wer die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Beide Seiten machten sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Dem amtlichen Ergebnis zufolge gewann Joko die Wahl mit deutlichem Vorsprung. Für den 57-Jährigen stimmten 55,5 Prozent. Prabowo kam auf 44,5 Prozent. Damit bestätigten sich erste Prognosen. Der 67-jährige Nationalist hatte noch am Dienstag angekündigt, "mit allen legalen Mitteln" dagegen vorzugehen. Zugleich rief er seine Anhänger auf, Ruhe zu bewahren. Der Ex-General hatte auch schon 2014 gegen Joko verloren und die Wahl dann vor Gericht angefochten - ohne Erfolg.

Sicherheitsminister Wiranto warf dem Prabowo-Lager vor, Chaos zu schaffen und Hass zu verbreiten. Die Internet-Sperrungen begründete er damit, dass "Falschnachrichten" verhindert werden sollten. Indonesien ist die drittgrößte Demokratie und das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Annähernd 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Lange Zeit galt es als Modell für einen toleranten Islam. Zuletzt gewannen konservative Kräfte an Einfluss.

 

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