Nach Varoufakis-Rücktritt Tsakalotos ist neuer griechischer Finanzminister

Der ehemalige griechische Finanzminister Gianis Varoufakis ist am Montag zurückgetreten. Sein Nachfolger ist der bisherige Außenminister des Landes Euklides Tsakalotos. Foto: dpa

Das Chaos geht weiter im griechischen Schuldendrama: Am Montag trat der bisherige Finanzminister Gianis Varoufakis von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger ist kein unbeschriebenes Blatt in der griechischen Politik-Landschaft.

 

Athen - Der bisherige griechische Vize-Außenminister Euklides Tsakalotos wird neuer Finanzminister seines Landes. Dies teilte die griechische Regierung am Montag nach dem Rücktritt des bisherigen Finanzministers Gianis Varoufakis mit.

Tsakalotos sollte am Montagabend sein Ressort übernehmen. Er werde am Dienstag seinen ersten Auftritt als Finanzminister in Brüssel bei der Tagung der Eurogruppe haben, hieß es aus Regierungskreisen weiter.

Regierungschef Alexis Tsipras hatte bereits Ende April aus den schleppenden Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern personelle Konsequenzen gezogen. Tsakalotos war damals schon Chefunterhändler der griechischen Delegation bei den Geldgebern. Der am Montag zurückgetretene Finanzminister Gianis Varoufakis war zu jener Zeit in den Hintergrund getreten und nahm nicht direkt an den Verhandlungen mit den Geldgebern teil. Diese führte hauptsächlich Tsakalotos.

Der neue griechische Finanzminister Euklides Tsakalotos trägt nie Krawatte, aber das ist eigentlich schon alles, was ihn mit seinem Vorgänger, den Draufgänger Gianis Vroufakis, verbindet. Tsakalotos ist ein zurückhaltender Typ. Er redet eher wenig und wirkt manchmal sogar etwas geistesabwesend. "Er ist unauffällig und leise", beschreiben ihn seine Mitarbeiter. Tsakalotos wolle eben arbeiten und nicht provozieren, meinen Analysten in Athen.

Tsakalotos - Spross einer reichen Familie - wurde 1960 in Rotterdam geboren. 1965 zog seine Familie nach England. Tsakalotos besuchte die Universitäten von Eaton und Oxford. Seitdem spricht er ein feines Oxford-English. Als er 1993 nach Griechenland kam, soll er Probleme mit der Muttersprache gehabt haben. 2010 machte ihn die Universität Athen zum Professor der Ökonomie. Tsakalotos ist mit einer Schottin verheiratet und hat drei Kinder.

Geldprobleme soll der neue Finanzminister des hoch verschuldeten Euro-Krisenlandes persönlich nie gehabt haben. Ein Kapitalist ist das Mitglied der linken Syriza-Partei damit aber nicht. Er habe ein Vermögen geerbt, sagt Tsakalotos immer wieder. Er könne nichts dafür.

In der Eurogruppe dürfte der Neue für Erleichterung sorgen. Vorgänger Varoufakis soll seine Kollegen nimmer wieder zur Verzweiflung getrieben haben, als er auf konkrete Finanzfragen antwortete: "Lasst uns doch nicht so technisch werden." In Tsakalotos bekommt die Eurogruppe nun einen Minister, der präzise und konkret die Interessen seines Landes vertritt.

 

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