Nach unglücklicher Niederlage Löw will keinen radikalen Wandel

Bundestrainer Joachim Löw kommt vor dem Spiel ins Stadion. Foto: Ina Fassbender/dpa

Bundestrainer Löw setzt bei der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Weltmeister Frankreich auf die jungen Wilden – und wird belohnt. Doch er will keinen radikalen Wandel: "Das muss sukzessive sein".

Von einem Endspiel für Joachim Löw war die Rede gewesen, von einem echten Schicksalsspiel für den Bundestrainer, der nach der historischen WM-Pleite in Russland und dem bitteren 0:3 in den Niederlanden nur noch auf Bewährung im Amt sei.

Da kämpfe einer um seinen Job, gegen seine Ablösung. Bei einer Gruppe war all dies in Paris überhaupt nicht angekommen – bei seinen Spielern. "Keiner ist auf den Gedanken gekommen, dass es keine Zukunft für unseren Bundestrainer gibt", sagte Nationaltorwart Manuel Neuer, der Kapitän. Schon gar nicht nach diesem respektablen wie unglücklichen 1:2 gegen Weltmeister Frankreich am Dienstagabend.

Trotz Niederlage gegen Frankreich: Mannschaft auf Augenhöhe mit dem Weltmeister

Einem Spiel, das Hoffnung macht, das einen Umschwung brachte und einen Umbruch – na ja – zumindest andeutete. Das Endspiel um seinen Job hat der 58-Jährige gewonnen, mit 1:2. Löw sprach von einer "sehr, sehr guten Reaktion", man sei "auf Augenhöhe mit dem Weltmeister" gewesen.

Stimmt. In der ersten Halbzeit war Deutschland sogar überlegen. Der Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer für die Franzosen, den Antoine Griezmann eiskalt verwandelte, nach angeblichem Foul von Innenverteidiger Mats Hummels an Matuidi war für Löw "absolut unberechtigt". Die Niederlage in dieser Nations League und die damit verpasste Möglichkeit, im Juni 2019 das Finalturnier der besten vier Mannschaften dieses Uefa-Wettbewerbs zu spielen, ist dahin.

Verjüngte Mannschaft auf dem Platz

Die Realität heißt: Abstiegskampf aus der A-Liga am 19. November in Gelsenkirchen gegen die Niederlande. Löws System mit Dreierkette und drei schnellen, stets rochierenden Stürmern (Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry) fand der formverbesserte Neuer "gut", die neu in die Mannschaft gerückten Spieler "haben es ihm (Löw, d.Red.) zurückgezahlt. Man hat gesehen, dass da eine gute Mannschaft auf dem Platz stand." Eine andere. Eine verjüngte.

"Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch gesehen haben", fand DFB-Präsident Reinhard Grindel und sprach von "Hoffnung für die Zukunft". Teammanager Oliver Bierhoff meinte: "Wir müssen als Mannschaft weiterwachsen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Weg weitergehen werden."

Setzt Löw wirklich weiter auf die Jugend?

Die entscheidende Frage ist: Setzt Löw wirklich weiter auf die Jugend? Die Startelf in Paris war im Schnitt 25,4 Jahre alt und damit um mehr als zwei Jahre jünger als jene von Amsterdam. Aber vor allem: Was macht er mit seinen fünf Weltmeistern von 2014?

In Paris zeigte sich: Toni Kroos wird weiter gebraucht, als erfahrener Spiellenker, der seine Nebenleute im Mittelfeld führt. Hummels kämpft – das zeigte die gute Leistung gegen die Franzosen – um seinen Platz im Abwehrzentrum neben dem körperlich robusten und schnellen Niklas Süle.

Löw zu zögerlich für einen harten Schnitt

Neuer ist gesetzt, auch wenn ein Einsatz von Ersatzmann Marc-André ter Stegen, Stammtorwart beim FC Barcelona, keinen Qualitätsverlust mit sich brächte. Blieben Thomas Müller und der verletzungsanfällige Jérôme Boateng. Ihrer Leistungskurve zufolge müsste Löw für sie künftig höchstens noch als Joker Verwendung haben.

Doch für den harten Schnitt, für den tatsächlichen Umbruch ist Löw noch zu zögerlich. "Man muss immer sukzessive einen Umbruch einleiten", sagte er am späten Dienstagabend in Paris und betonte: "Wir brauchen grundsätzlich schon eine Achse." Löw sprach davon, dass "drei, vier Spieler der WM eine schwierige Phase", aber "das Fußball spielen nicht von heute auf morgen verlernt" hätten. "Wir brauchen immer noch eine gesunde Mischung."

Unbruch wird weiter aufgeschoben

Müller sei nach wie vor "absolut wichtig", ein "Antreiber, der andere im Training mitzieht, mit den jungen Spielern spricht und sie motiviert". Die jungen Spieler hätten es "gut gemacht". Und dann setzte Löw zum großen Aber an: "Konstant auf hohem Niveau zu spielen, braucht Zeit, da braucht es Erfahrung, meist gelingt das erst mit 25, 26 Jahren. Das ist normal."

Der Umbruch wird also weiter aufgeschoben, ist er nur einer der Marke light?

"Der Trainer ist den Weg immer mitgegangen, modernen Fußball spielen zu wollen", lobte Neuer Löw, "er entwickelt sich mit uns weiter." Was sich zeigen wird.

 

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