Nach Sendung "Aktenzeichen XY" In den Rollstuhl geprügelt: Neue Hinweise im Fall Mark Herbert

Mark Herbert ruft auf, Hinweise auf den Täter zu geben. Foto: Aktenzeichen XY

Ein Unbekannter hat Mark Herbert fast umgebracht.  Nach „Aktenzeichen XY“ haben Zeugen endlich den Mut auszusagen.

Offenbach - Fußballfan Mark Herbert hat am 25. Juli 2012 zunächst allen Grund zum Jubeln: Sein Lieblingsverein, die Kickers Offenbach, siegen mit 3:0. Der damals 23-Jährige und seine Freunde feiern, singen, besuchen das traditionelle Fest am Bieberer Aussichtsturm in der Nähe des Stadions.

Es ist genau dieser Juli-Tag vor drei Jahren, an dem er von einem Unbekannten angepöbelt und am Turmeingang zusammengeschlagen wird. Drei seiner Halswirbel brechen, die Nervenstränge am Hals werden durchtrennt. Er bleibt bäuchlings vor dem Bieberer Wahrzeichen liegen, bis er blutüberströmt gefunden wird. Er spürt seine Beine nicht mehr.

Jetzt haben sich Zeugen mit vollem Namen gemeldet

Seine Verletzungen sind lebensbedrohlich, aber er überlebt. Vom Hals abwärts ist der junge Offenbacher seither gelähmt. Er ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Für immer. Sein Fall ist am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ aufgegriffen worden. Was viele TV-Zuschauer bei diesem Fall besonders schockiert: Obwohl es offenbar Menschen gibt, die wissen, wer der Schläger ist, traut sich niemand gegen ihn auszusagen.

Es sind zwar Hinweise bei der Polizei eingegangen, doch alle Zeugen wollen anonym bleiben, schildert der zuständige Ermittler Stefan Racic im Fernsehen das Problem der Kripo. Das bedeutet: Sagt kein Zeuge mit seinem Namen aus, kann das auch nicht vor Gericht gegen den Täter verwendet werden. Die Sendung hat nun aufgerüttelt: Wie Pressesprecher Michael Malkmus vom Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach auf AZ-Anfrage bestätigt, sind seit Mittwoch zahlreiche neue Hinweise eingegangen – und die Menschen haben jetzt auch ihre Namen genannt. Das könnte der Durchbruch in dem Fall sein.

„Viele schützen jetzt nicht mehr den Täter“

Aber ist der entscheidende Hinweis auf den Täter dabei? Das müsse jetzt erst geprüft werden, so Malkmus. Daher gibt es noch kein Ergebnis, ob sie zur Überführung des Täters reichen werden. Der Polizeisprecher erklärt sich den überraschenden Mut zahlreicher Menschen nach drei Jahren damit, dass die Situation noch einmal eindringlich dargestellt wurde.

Er glaubt, viele denken jetzt: „Wir schützen jetzt nicht mehr den Täter, sondern wir denken jetzt an das Opfer.“ An Mark Herbert, dessen junges Leben durch einen aggressiven Schläger vollständig verändert worden ist. Auch schon vor der ZDF-Sendung hatten die Ermittler versucht, mithilfe von öffentlichen Aufrufen Zeugen zu finden. So wurde beispielsweise im Offenbacher Stadion auf einer Leinwand ein Video des gelähmten Mark Herbert gezeigt, in dem er selbst um Hilfe beim Aufspüren des Täters bittet und am Ende ein eindringliches „Dankeschön“ anfügt. Als der Film gezeigt wird, ist es ganz still im Stadion.

Über 10 000 Euro sind zusätzlich als Belohnung eingegangen

Wie Racic in der Sendung erklärt, sucht die Polizei dringend nach zwei jungen Frauen, die auch auf dem Turm gewesen sein sollen. Auch ein kleines Kind namens Emily könnte eine Hilfe sein – sie soll kurz vor der Attacke vom Täter weggeschickt worden sein, weil er mit Mark Herbert reden müsse. Der Schläger ist laut Polizei 29 Jahre alt und etwa 1,75 groß.

Zum Tatzeitpunkt trug er ein blaues Oberteil. Wie die Sendung deutlich macht, soll der Mann dafür bekannt sein, sehr aggressiv zu sein und absichtlich Schlägereien anzufangen. Im Netz zeigen viele Menschen ihr Mitgefühl mit dem Offenbacher Prügelopfer. Viele wollen sogar selbst Geld geben, um die Belohnung für Hinweise auf den Täter zu erhöhen.

Ein Facebook-Nutzer schreibt etwa: „Ich würde es begrüßen, wenn die Familie (oder die Polizei) ein Spendenkonto einrichtet/veröffentlicht. Ich wäre der Erste, der zur Erhöhung der Belohnung einzahlen würde.“

Bislang sind laut Polizeisprecher Malkmus neben der bereits ausgelobten Belohnung über 10 000 Euro angeboten worden. Die zusätzlichen Gelder müssen jetzt allerdings erst amtlich geprüft werden. Bislang gibt es 13 000 Euro für Hinweise auf den Täter: 7000 Euro von der Staatsanwaltschaft, 3000 Euro von Mark Herbert selbst und weitere 3000 Euro, die eine Zeitungsleserin ausgesetzt hat.

 

11 Kommentare