Nach Nullnummer gegen Donezk "Gefährliches Scheinresultat" bereitet Bayern Sorgen

Matthias Sammer ist seit der Saison 2012/13 Sportvorstand beim FC Bayern. Foto: sampics/Augenklick

Der FC Bayern steht nach dem torlosen Remis gegen Donezk unter Druck. Matthias Sammer mahnt, Karl-Heinz Rummenigge schimpft.

Lwiw - Müde und mit betretener Miene schritt Xabi Alonso nach der Landung aus Lwiw um 2.37 Uhr durch die menschenleere Ankunftshalle des Münchner Flughafens. Nach einer unbefriedigenden Dienstreise ins ukrainische Krisengebiet wollte der Spanier nur noch schnell ins Bett. Und die Gefühlslage nach einer enttäuschenden Nullnummer im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Schachtjor Donezk war nicht nur bei Gelb-Rot-Sünder Alonso ernüchtert.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach zu vorgerückter Stunde von einem "komischen Spiel. Das war nicht unser Wunschergebnis". Für Sportvorstand Matthias Sammer ist das 0:0 "ein gefährliches Scheinresultat". Vor dem Rückspiel am 11. März müsse der deutsche Rekordmeister "die Antennen ausfahren. Wir brauchen eine super Leistung".

Doch, so fügte Sammer besorgt an: Der FC Bayern sei trotz einer 8:0-Gala am Wochenende gegen Hamburg "noch nicht auf einem Toplevel. Wir müssen uns den Spiegel vorhalten: Da fehlt noch ein kleines Stück". In der Tat muss sich der Bundesliga-Spitzenreiter gegen die brasilianische Auswahl aus der Ukraine erheblich steigern, um nicht schon in der ersten K.o.-Runde auf dem Weg zum Finale in Berlin eine böse Überraschung zu erleben.

Zwar verbreitete Donezk in Lwiw, wohin Schachtjor wegen des Krieges im Donbass-Gebiet ausweichen muss, auch nicht Angst und Schrecken. Aber, warnte Rummenigge, "man kann immer ein blödes Gegentor bekommen - und dann läufst du hinterher". Deshalb ärgerten sich die Bayern vor allem darüber, kein Auswärtstor erzielt zu haben. "Das hätte uns gut getan", meinte Kapitän Schweinsteiger.

Doch bis auf zwei Chancen von Thomas Müller und eine von Schweinsteiger vor der Pause blieben die Münchner um den diesmal wenig effektiven Arjen Robben harmlos. Man habe es "einfach verpasst, den Sack schon zuzumachen. Das muss sich die Mannschaft vorwerfen lassen", sagte Rummenigge.

Der FC Bayern muss sich aber auch vorwerfen lassen, sich gerade im zweiten Durchgang auf viele unnötige Scharmützel mit Schachtjor eingelassen zu haben. Auch wenn Schweinsteiger einwarf, dass dies eben Champions League sei - der Münchner Spielfluss ging dadurch völlig kaputt. Das lag jedoch auch daran, dass der diesmal offensiver positionierte Schweinsteiger mit "Sechser" Alonso erneut nicht harmonierte, wie auch Ehrenpräsident Franz Beckenbauer abermals monierte.

Rummenigge dagegen hatte für die Probleme einen anderen Schuldigen gefunden: Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco aus Spanien. "Der war eine einzige Katastrophe. Das war kein Champions-League-Format", ereiferte sich der Bayern-Chef nicht nur wegen der Hinausstellung von Alonso, der in seinem 100. Champions-League-Spiel wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot sah (65.) - und dies nicht zu Unrecht.

Rummenigge hofft auf Spielplanrevolution

Dennoch monierte auch Sammer einen "merkwürdigen Auftritt" des Unparteiischen, wollte sich aber gar nicht mehr groß mit Mallenco und der wenig berauschenden Leistung seiner Mannschaft in Lwiw beschäftigen. "Wir müssen das jetzt abhaken und uns auf Paderborn konzentrieren", forderte er noch vor dem angesetzten Auslaufen am Mittwochnachmittag.

Trainer Pep Guardiola dagegen wollte am Dienstagabend nicht allzu kritisch sein. "Wir haben sehr lange in Unterzahl gespielt, das hat es uns schwer gemacht", sagte er milde und fügte mit Blick auf das Rückspiel an: "Jetzt müssen wir gewinnen. Das werden wir schaffen."

 

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