Nach Niederlage gegen Freiburg Nagelsmann mit Leipzig in Krise - Druck "nicht kleiner"

Julian Nagelsmann und Leipzig sind nun vier Bundesligaspiele in Folge ohne Sieg. Foto: Patrick Seeger/dpa/dpa

Von Julian Nagelsmann wird in Leipzig viel erwartet. Doch nun hält in der Fußball-Bundesliga schon seit Wochen der Negativtrend an. Der Trainer spricht seiner Elf die Qualitäten einer Spitzenmannschaft ab und nimmt sich selbst in die Pflicht.

 

Freiburg - Julian Nagelsmann stellte sich und seiner Mannschaft ein besorgniserregendes Zwischenzeugnis aus - von Titelreife ist auf einmal keine Spur mehr.

Die Euphorie um den grandiosen Start unter dem neuen Trainer von RB Leipzig ist dahin. "Wenn du in den ersten 35 Minuten ein Tor machst, kannst du Konter fahren und das zweite machen - dann ist das Spiel gegessen. So wie es Spitzenmannschaften machen, aber wir sind halt keine", schimpfte Nagelsmann. Das 1:2 beim SC Freiburg trug gehörig zur weiteren Ernüchterung beim hochehrgeizigen Sachsen-Club in der Fußball-Bundesliga bei.

Nagelsmann ist derjenige, der die eigentlich alles andere als schwachen Leipziger noch besser machen sollte. Vier Spiele ohne Sieg in der Meisterschaft sind aber kein adäquater Arbeitsnachweis. "Der Druck, der eh schon ein bisschen da war, ist heute auf den Mann im schwarzen Hoodie nicht kleiner geworden", sagte Nagelsmann in seinem Kapuzenpulli.

Schon vor einer Woche nach dem 1:1 daheim hatte der 32-Jährige seine Spieler öffentlich angezählt, Oberboss Oliver Mintzlaff hatte ebenfalls nicht mit Kritik gespart. Das 2:1 in der Champions League zwischen den beiden Meisterschaftsenttäuschungen war nur ein kurzer Aufheller. Was RB in der Liga zeige, "ist deutlich zu wenig", konstatierte Nagelsmann.

Die Niederlage im Breisgau sei nun typisch für einen Königklassen-Teilnehmer gewesen, der "nicht Bayern München und mit Abstrichen auch nicht Borussia Dortmund heißt", befand Nagelsmann: "Ich glaube, Bayern München hat heute auch kein Feuerwerk abgerufen, aber die haben das Spiel gewonnen. Da müssen wir halt hinkommen."

Eine Serie von vier sieglosen Spielen in der Liga leistete sich RB zuletzt im April 2018, mehr waren es seit dem Erstliga-Debüt 2016 noch nie. Selbst die überraschend starken Freiburger von Trainerkollege Christian Streich erweisen sich gerade als stärkerer Bayern-Verfolger. "Freiburg ist unglaublich effizient in dieser Saison. Wir im Gegenzug machen unsere Dinger nicht rein und stehen daher verdientermaßen dort, wo wir jetzt sind", sagte Nagelsmann. Zu seinem Glück liegen in dieser "komischen" Saison (Willi Orban) die Clubs der oberen Tabellenhälfte noch nah beieinander.

Doch die Niederlage durch die Gegentore von Nicolas Höfler (45.+2) und Nils Petersen (90.) konnte nicht verbergen, dass der Übergang vom Fußball unter Ralf Rangnick zum Fußball unter Nagelsmann noch nicht so klappt wie erhofft. "Wir müssen schauen, dass wir unser Spiel weiter entwickeln", forderte RB-Kapitän Orban, beklagte fehlenden Spielwitz und zu wenig Dynamik im Angriffsdrittel. Für Tempo im Angriff ist RB eigentlich bekannt.

Nagelsmann kritisierte deutlich die Nachlässigkeiten seiner Elf am Ende der ersten Halbzeit, als sie völlig überraschend in Rückstand geraten war. Seine Ideen seien nicht konsequent umgesetzt worden, monierte er. Der Anschlusstreffer von Nationalspieler Lukas Klostermann (90. +2) in einer schwachen zweiten Hälfte der Leipziger kam zu spät.

Dass die Leipziger das Überraschungsteam fast die gesamte erste Halbzeit beherrschten, blieb unterm Strich wirkungslos. Dass Streich damit tröstete, es hätte alles für Leipzig gesprochen, wenn das 1:0 für RB gefallen wäre - auch das änderte nichts. Am Ende herrschte nur Enttäuschung. Am Mittwoch streben die Leipziger im DFB-Pokal in Wolfsburg Wiedergutmachung an. In der Bundesliga zählt auch das 1:1 gegen die Niedersachsen vor einer Woche zur Negativserie.

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