Nach langer Suche Moschee soll ins Kreativquartier

Hausnummer 110: Derzeit ist am fürs Islam-Zentrum vorgesehenen Standort noch die Stadtentwässerung untergebracht. Foto: Rudolf Huber

Die Stadt hat für das seit Jahren geplante Islam-Zentrum zwei Grundstücke angeboten. Jetzt geht’s ums Geld.

 

München - Das Dauerprojekt Islam-Zentrum München ist einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Nach jahrelangen Planungen, erbittertem Streit und mehreren gescheiterten Anläufen scheint jetzt der Weg frei zu sein.

„Es gibt zwei mögliche Standorte“, so der Penzberger Iman Benjamin Idriz zur AZ. Nachdem die Stadt das Bauvorhaben unterstützt, geht es jetzt noch ums Geld. Allerdings um eine ganze Menge davon.

Der islamische Geistliche will mit seinem Lebenstraum, dem Münchner Forum für Islam, das Miteinander zwischen Moslems und Christen in der Stadt fördern – und seinen Glaubensbrüdern endlich adäquate Gebets- und Versammlungsräume anbieten können.

Die bisher diskutierten Baupläne am Gotzinger Platz und an der Herzog-Wilhelm-Straße scheiterten – was zuletzt zu Spannungen zwischen Idriz und Ex-OB Christian Ude führte.

Doch jetzt geht etwas voran: Knapp vor Udes Dienst-Ende gab es auf seine Initiative hin noch einen Ortstermin. Daran nahmen neben Idriz auch Kulturreferent Georg Küppers und Kommunalreferent Axel Markwardt teil.

Markwardt zur AZ: „Auf dem Platz des Kreativquartiers an der Dachauer Straße haben wir Herrn Idriz zwei Grundstücke angeboten.“ Eines liegt in der Nähe der Tonnenhalle, das zweite etwas weiter nördlich.

Benjamin Idriz macht keinen Hehl daraus, welche Version er favorisiert: Das Grundstück mit der Hausnummer 110, gut 3000 Quadratmeter groß, das derzeit noch zum Teil von der Stadtentwässerung genutzt wird. Jetzt muss der Stadtrat den Bauplänen grundsätzlich zustimmen.

Erst danach werden die Details geklärt. Etwa, ob das Grundstück verkauft oder im Erbbaurecht vergeben wird.

Bis zum Sommer soll Iman Idriz einen Finanzierungsplan vorlegen. „Wir werden Mitte Mai die Grundstücke noch einmal besichtigen und eine endgültige Entscheidung treffen“, so der Imam.

Und dann muss er „Finanzquellen suchen“ – damit sind etwa Sponsoren aus der Golfregion und betuchte islamische Touristen gemeint. Immerhin geht es um rund zehn Millionen Euro – nur für das Grundstück.

„Erst jetzt beginnt die tatsächliche Arbeit“, so Benjamin Idriz, der sich das Areal an der Dachauer Straße erkennbar noch selbst ein bisschen schönreden muss: „Natürlich ist das kein so attraktiver Standort wie am Stachus. Aber er ist nicht zu weit weg vom Stadtzentrum.“

Auch wenn das Gebiet im Moment noch „nicht so ganz toll“ aussehe, solle es zu einem „lebendigen Ort“ werden.

„Das Kreativquartier soll ein buntes, gemischtes Areal mit vielfältigen Kulturen werden“, bekräftigt der Kommunalreferent. „Dazu würde eine Moschee mit einem Museum und Bildungseinrichtungen passen. Kritisch sehe ich da eigentlich gar nichts."

 

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