Nach Krawallen in Nürnberger Schule Fall Asef N.: Schüler ist frei - OB Reiter übt scharfe Kritik

"Jegliches Augenmaß verloren": Münchens OB Dieter Reiter übt scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. Foto: Reister

Der Schüler aus Nürnberg, dessen versuchte Abschiebung gestern für Tumulte sorgte, ist frei. Es bestehe keine Fluchtgefahr. Münchens OB Dieter Reiter übt derweil Kritik an der Staatsregierung.

Nürnberg - Der afghanische Flüchtling, der nach den gewalttätigen Tumulten an seiner Schule in Nürnberg gestern in Polizeigewahrsam genommen wurde, ist wieder frei. Es besteht keine Fluchtgefahr, urteilte ein Richter.

Der Antrag auf Abschiebehaft wurde demnach ebenfalls abgewiesen. Asef N. will jetzt mit seinem Anwalt beraten, wie weiter vorgegangen werden soll. N. sollte gestern von der Polizei aus seiner Schule abgeholt werden, es kam zu schweren Tumulten, mehrere Polizisten wurden verletzt. Die Polizei will den Einsatz nocheinmal aufarbeiten, man habe nicht wissen können, dass der Einsatz derart ausarte.

OB Reiter: "Freistaat hat jedes Augenmaß verloren"

Am Donnerstag äußerte sich auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zu dem Einsatz - und übte Kritik am Vorgehen der Polizei. Es sei verstörend, "dass der Freistaat gestern scheinbar jedes Augenmaß verloren hat und einen Berufsschüler mitten aus dem Unterricht abführen und abschieben wollte. Eine derartige Vorgehensweise ist schlichtweg unmenschlich. Die Szenen, die sich gestern in Nürnberg abgespielt haben, können nicht ernsthaft dem christlich-sozialen Anspruch der Staatsregierung entsprechen."

Er habe außerdem bereits im Februar "an den Bayerischen Ministerpräsidenten appelliert, die Regelung zur Ausbildungs- und Arbeitsaufnahme für Geflüchtete nach dem Bundesintegrationsgesetz auch in Bayern umzusetzen und den derzeit restriktiven Kurs der Bayerischen Staatsregierung zu überdenken und zu korrigieren. Eine Antwort habe ich bis heute leider nicht erhalten", so der OB. (Hier lesen Sie die dazugehörige Meldung) In München würden Stadt, Agentur für Arbeit, Jobcenter und viele Ehrenamtliche ein hohes Engagement betreiben, um Schutzsuchende zu integrieren. "Integration ist ein teils schwieriger und langer Prozess", so Reiter.

 

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