Nach Illertissen ist vor der Party Nach dem souveränen Sieg: Giesing lebt und liebt

Die Löwen als Zaunkönige: Der TSV 1860 feiert seinen 5:0-Triumph im Grünwalder Stadion über Illertissen mit den Fans. Foto: sampics/Augenklick

Der 5:0-Triumph der Sechzger über Illertissen gerät zur großen Dauer-Party im Grünwalder Stadion, der wahren Löwenheimat. "Die Fans haben uns einfach getragen. Es ist ein Festtag!"

 

Wer Sechzig nicht kennt und am Donnerstagabend das erste Mal im Grünwalder Stadion war, könnte meinen, hier wäre gerade eine Mannschaft aufgestiegen. Euphorisiert begingen Fans und Spieler des TSV 1860 den nächsten Schulterschluss der Regionalliga-Saison.

Freudestrahlende Gesichter überall. Ein Lärmpegel, der einem bis unter die Haut fuhr. Menschen, die sich umarmten, Anhänger, die sich mit Tränen in den Augen auf das Löwen-Emblem klopften. Solche Momente hatten sie jahrelang nicht.

Sascha Mölders: "Heute war die beste Stimmung bislang"

Umso hemmungsloser werden sie jetzt, da Sechzig endlich wieder Sechzig ist, ausgelebt. "Heute war die beste Stimmung bislang. Hier war fünf Minuten lang eine La-Ola-Welle. Ich kann das gar nicht beschreiben, einfach Wahnsinn", meinte Torjäger Sascha Mölders. "Es hört sich auf dem Platz nach deutlich mehr Zuschauern an. Die Stimmung kann man nicht vergleichen mit der Arena. Es ist einzigartig."

Einzigartig war auch, dass die Sechzig-Fans selbst dem unterlegenen Gegner huldigten. Der FV Illertissen hatte sich vor 12 200 Zuschauern im Grünwalder Stadion tapfer gewehrt, war letztlich 0:5 untergegangen.

Als die Spieler in ihren roten Trikots beim Auslaufen die Stehhalle und die Haupttribüne entlang joggten, applaudierten die Anhänger auf der Tribüne. Einzelne FVI-Spieler schauten sich ungläubig an, andere applaudierten zurück.

Sowas hatten sie wahrscheinlich noch nie erlebt. Doch sie waren mittendrin in der enthemmten Leidenschaft zwischen einer jungen Truppe, die immer Vollgas gibt, und ihren Fans, die das seit Jahren vermisst haben.

Giesing lebt wieder. Giesing liebt wieder. "Überwältigend! Die Fans haben uns einfach getragen. Es ist ein Festtag. Wir feiern schon gern", meinte Youngster Christian Köppel auf Nachfrage der AZ. "Heute können wir feiern, aber ohne Alkohol." Während er das sagte, hallte zum x-ten Mal von den Rängen "einmal Löwe, immer Löwe" durch Obergiesing.

Die Ultras auf der Westkurve, die die Stimmung kurz nach der Pause mit wüsten und unnötigen Beleidigungen gegen den DFB kurzzeitig schmälerten, hatten die Mannschaft wie schon beim Saisonstart in Memmingen auf den Zaun gebeten. Stadionsprecher Stefan Schneider stimmte lauthals über die Mikrofone ein "Humba, Humba" an, auch das ist wohl außergewöhnlich im deutschen Profifußball.

"Atemberaubend, wenn man sieht, wie die Fans uns hier unterstützen" , erzählte Rückkehrer Philipp Steinhart. "Das pusht einen." Emotionen überall. Schon vor dem Spiel, nach der Partie. Die Kneipen in Giesing waren voll. Es blieb friedlich. Bedenken? Beiseite gefeiert! Es ist längst wieder Common Sense, sich zum Löwen zu bekennen. In den Autos hängen Sechzig-Wimpel, Eltern bringen Söhne und Töchter in Löwen-Vollmontur auf die Spielplätze.

"Sechzig gibt es nur in Giesing", skandierten die Fans 90 Minuten

Jeder kramt sein Löwen-Kulttrikot wieder heraus. Die Gastronomen der Umgebung frohlocken ob der Mehreinnahmen. In dieser Gemengelage bewies Publikumsliebling Mölders mal wieder ein Gespür für die Gefühle des Anhangs, der Mann, dem ohnehin eine große Fan-Nähe nachgesagt wird. Er sprach die Arena an, das Gefühl 1860, das Heimkommen. "Sechzig gibt es nur in Giesing", hatten die Fans über 90 Minuten skandiert. Es war ein klarer Fingerzeig in Richtung Stadt.

Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Sechzger ihr Giesing nicht mehr verlassen wollen. Am liebsten nie wieder.

 

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