Nach heftigen Protesten in Istanbul International gefeierte Skulptur muss entfernt werden

Diese Skultur des Künstlers Ahmet Güneştekin erregte die Gemüt einiger Instanbuler so sehr, dass man sie entfernen musste. Foto: Instagram/ahmetgunestekin

International gefeiert - national heftig kritisiert: In der Türkei musste eine der Geschichte Istanbuls gewidmete Skulptur entfernt werden.

 

Istanbul - Der Künstler Ahmet Güneştekin wollte der langen und ereignisreichen Geschichte der Stadt Istanbul ein Denkmal setzen. Seine Skulptur aus bunten Acryl-Buchstaben ist ganze fünf Meter hoch und wurde vom Publikum auf der Biennale in Venedig begeistert aufgenommen. Im Schriftzug “Kostantiniyye” sind die verschiedenen Namen, die die Stadt in ihrer 6000 Jahre langen Geschichte bekommen hat, verarbeit worden. Kostantiniyye ist die Bezeichnung, die Istanbul im Osmanischen Reich erhalten hat und der gut 600 Jahre lang auf allen offiziellen Dokumenten und Münzen zu finden war.

Gerade den auf geschichtliche Bedeutung besonderen Wert legenden Nationalisten in der Türkei war dies wohl nicht "türkisch" genug. Zumindest fand sich nur Stunden nach der Aufstellung des Kunstwerks vor einem Einkaufszentrum in der Bosporus-Metropole eine wütende Menschenmenge ein, die gegen das Denkmal protestierte.

Der Grund: die besorgten Bürger, die sich oftmals auf die Bedeutung Sultans Fetih berufen, hielten den Schriftzug für griechisch - dabei war er es, der Istanbul den Namen "Kostantiniyye" gab. Selbst in religiösen Überlieferungen kommt dieser Name vor.

Für die Demonstranten dennoch ein unhaltbarer Zustand: In wenigen Stunden schaukelte sich die Stimmung dramatisch hoch - mehr als 1000 Beschwerden mit teils heftigen Beschimpfungen gingen beim Leiter des Einkaufszentrums ein. Doch statt der aufgebrachten Menge Einhalt zu gebieten, entschieden sich die offiziellen Stellen dazu, die Skulptur zu verhüllen. Was auf der Biennale als große Kunst aufgefasst wird, scheint - aus unerfindlichen Gründen - in der Türkei nach Meinung der zuständigen Behörden als "öffentliches Ärgernis" zu gelten.

Den Demonstranten war ein Verhüllung aber nicht genug: Mit der Drohung das Einkaufszentrum niederzubrennen, forderten sie eine komplette Entfernung des Schriftzugs. Die Polizei sah auch dies nicht als Grund an, gegen die Protestierenden vorzugehen. Zum Schutz seiner Angestellten und deren Arbeitsplätze mussten die Verantwortlichen einlenken - die große Kunst steht nun in Kisten verpackt in einer Lagerhalle. Und das wohl dauerhaft.

Dies scheint das neue Kulturverständnis in der Türkei zu sein. Von der Istanbuler Kulturstiftung erhielt der Künstler Ahmet Güneştekin nach eigener Aussage einen Beileidsbrief - als einzige Reaktion auf den Vorfall.

 

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