Nach Eintritts-Verbot Disco-Besitzerin: „Entschuldige, Manuel!“

Die „Mondscheinbar“ in der Münchner „Kultfabrik“. Hier wollte Student Manuel feiern – und durfte wegen seiner Hautfarbe nicht rein. Das Bild hat die AZ einige Tage später aufgenommen. Foto: Gregor Feindt

Ein 19-jähriger Student wird vom Türsteher der Mondscheinbar abgewiesen – weil er schwarz ist. Das KVR schaltet sich ein. In der AZ redet jetzt die Betreiberin

München - Das Logo der Vereinigung ziert ein Schlagring. Das Motto: „Zusammenhalt, Ehre, Stolz!“ Und: „Feel the pain!“ Fühle den Schmerz! Auf der Internetseite posieren die Männer mit kurz rasierten Haaren, einer mit blutverschmierter Maske.

Ein Mitglied der Gang ist nach AZ-Informationen Heinz S. (Name geändert). Er war der Türsteher, der den Studenten Manuel T. (19, Name geändert) vor der Mondscheinbar in der Kultfabrik mit den Worten abwies: „Ich darf keine Schwarzen reinlassen. Anweisung der Chefin.“ (AZ berichtete).

Ein Fall, der für Wirbel sorgt. Auf az-muenchen.de, wo viele User ihrer Empörung Luft machen. Aber auch im Münchner Kreisverwaltungsreferat, das die Betreiberin gestern sofort zum Rapport in die Poccistraße bestellt.

Dort beteuert Sabine Hörhager (32), dass es diese Anweisung von ihr nicht gab. Wohl aber Probleme mit dem Türsteher.

„Stempel keine Ausländer für diesen Club!“

Aus dem Club-Umfeld hat die AZ erfahren, dass es bereits am ersten Arbeitstag von Heinz S., der zur Aushilfe in der Mondscheinbar tätig war, einen ähnlichen Vorfall gab. So soll er einer Angestellten die Anweisung erteilt haben: „Stempel und promote keine Ausländer für diesen Club!“

Daraufhin interveniert Sabine Hörhager – die einen schwarzen DJ und Barkeeper beschäftigt und mit einem Schwarzen liiert ist – und stellt klar, „dass dies nicht unsere Einstellung ist. Wir legen sehr großen Wert auf eine Discothek mit Gästen aller Nationalitäten, sind ein sehr aufgeschlossener Club!“

Danach geht es eine Zeitlang scheinbar gut. Doch schon bald häufen sich die Beschwerden über Heinz S. „Er lässt uns hier nicht rein!“, klagen viele der Stammgäste.

In der Zeit passiert auch der Vorfall mit Manuel T. Dessen Vater schreibt einen enttäuschten Brief an den Club, erhält allerdings keine Antwort. „Aber ich wurde aufmerksamer und hellhöriger“, sagt Hörhager.

Wenig später eskaliert die Situation, als der Türsteher einen ausländischen Gast, den die Betreiberin gut kennt, partout nicht im Club haben will. Daraufhin stellt er seine Chefin vor die Wahl: „Entweder ich oder er!“ Die Folge: eine sofortige Kündigung.

Sabine Hörhager will Manuel T. nun in die Mondscheinbar einladen. „Ich möchte ihm mein Team vorstellen, um dieses Missverständnis und den falschen Eindruck, den er bekam, aus der Welt zu schaffen. Entschuldige, Manuel!“

Auch die Kultfabrik hat der Vorfall aufgeschreckt. „Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Rassismus und Stigmatisierung“, sagt Sprecherin Janine Bogosyan.

Man verstehe sich ausdrücklich als multikulturelles Ausgeh- und Erlebnisgelände. Die Bars, Discos und Clubs würden unter anderem von Brasilianern, Chilenen, Rumänen, Türken und Iren betrieben.

 

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