Nach der Katastrophe Kaiser von Japan besucht Flüchtlingslager

Japans Kaiser Akihito und Frau Michiko besuchen ein Flüchtlingszentrum in Tokio - der Tenno kniet sich zu den Erdbebenopfern und zeigt sich ungewöhnlich volksnah. Foto: dpa

Tenno Akihito trifft Tsunami-Opfer in einem Flüchtlingslager. Aus den Atomruinen von Fukushima wird immer mehr radioaktive Strahlung frei. Greenpeace schlägt Alarm.

 

Tokio - Japan bekommt die gefährlichen Strahlen-Lecks in Fukushima 1 nicht in den Griff. Die Arbeiter im havarierten Kraftwerk sind am Ende ihrer Kräfte. Und Umweltschützer schlagen wegen erhöhter Strahlenwerte außerhalb der Sicherheitszone Alarm.


Wie außergewöhnlich die Lage ist, zeigte jetzt der überraschende Besuch des japanischen Kaisers Akihito in einem Flüchtlingszentrum in Tokio. Der von der Bevölkerung fast gottähnlich verehrte Kaiser und seine Frau Michiko zeigten den Flüchtlingen aus dem Tsunami-Gebiet ihr Mitgefühl, hörte ihren Geschichten zu, kniete sich sogar zu den Menschen auf die behelfsmäßig ausgelegten Matten. So ein kaiserlicher Besuch beim Volk ist extrem selten – der Tenno lebt sonst sehr abgeschottet, zeigt sich nur zweimal im Jahr.
 

Ganz anders verhält sich da der umstrittene Tepco-Chef Masataka Shimizu: Er ließ sich mit „Bluthochdruck” ins Krankenhaus einliefern. Zuvor war er bereits mehrere Tage abgetaucht, ließ sich von seinem Vize vertreten.

Am AKW Fukushima stellte die Umweltschutzorganisation Greenpeace währendessen eigene Strahlenmessungen an. Die Ergebnisse waren wohl so beunruhigend, dass Greenpeace gestern zu einer Evakuierung der gesamten Region aufrief. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation seien außerhalb der von der japanischen Regierung festgesetzten 20-Kilometer-Zone

Strahlungswerte gemessen worden, die zum Teil höher sind als im Evakuierungsgebiet. Greenpeace schlug eine Erweiterung der Sicherheitszone auf 40 Kilometer vor. Im Ort Tsushima, rund 35 Kilometer entfernt vom AKW, seien beispielsweise bis zu 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Laut Greenpeace wurde die maximale Jahresdosis für Menschen dort in acht Stunden erreicht.

Auch im Ort Itate, 40 Kilometer vom havarierten AKW entfernt, wurde von Greenpeace eine gefährliche Strahlenbelastung festgestellt. Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace, warnte: „Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher, in Itate zu bleiben.”

Im Meer vor Fukushima ist der zulässige Wert des radioaktiven Jods 131 um das 3355-Fache überschritten worden. Dies deutet darauf hin, dass weiterhin kontaminiertes Wasser aus dem AKW ins Meer fließt.

Um die Strahlen-Lecks in Fukushima endlich dicht zu kriegen, sollen nun Roboter eingreifen. Die USA haben bereits entsprechende Maschinen nach Übersee geschickt. Um die Ausbreitung der Radioaktivität einzudämmen, will Tepco den Boden rund um die schwer beschädigten Reaktoren mit Kunstharz besprühen. Damit sollen radioaktive Partikel am Erdboden „festgeklebt” werden. Zudem sollen die Reaktoren mit einem Spezialgewebe überdeckt werden. Dadurch könnten sich Arbeiter möglicherweise für längere Zeit im Gefahrenbereich aufhalten. 

 

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