Nach der Auflösung Allein im Kloster: Diese Frau kämpft um Altomünster

Sieben Mal am Tag betet Claudia Schwarz - fast immer allein. Foto: job

Das St. Birgitta-Kloster in Altomünster wurde aufgelöst. Anfang 2017 zog die letzte Nonne aus. Doch eine ihrer Schülerinnen (39) blieb. Sie kämpft für den Erhalt des Ordens. Wer ist diese Frau?

 

Altomünster - Im Klostergarten hat sich die Luft erwärmt. Die Primeln blühen, Insekten summen. Aber in den jahrhundertealten Mauern des Klosters Altomünster steckt noch die Kälte des langen, harten Winters. Gerade mal 6 Grad zeigt das Thermometer innen. Claudia Schwarz macht das nichts aus. Sie trägt dicke Wollstrümpfe, Pulli, Strickjacke und gefütterte Stiefel. Das Leder der Schuhe ist über den Zehen abgeschabt. Eine Folge vom Beten: Wenn sie sich hinkniet, reiben die Schuhspitzen auf dem Boden.

Die 39-Jährige betet sieben Mal am Tag. Zum ersten Mal gleich nach dem Aufwachen um 5 Uhr. Fast immer ist sie dabei allein. Claudia Schwarz zündet das ewige Licht in der Chorkapelle und Ostern die Altarkerzen an. Ihre glockenhelle Stimme füllt den Kirchenraum. Reihum sind alle Holzbänke leer. Niemand hört sie. Zumindest kein Mensch.

Kloster Altomünster: Vor gut einem Jahr zog die letzte Schwester aus

Seit 411 Tagen lebt Claudia Schwarz ganz allein im Kloster Altomünster. Sie ernährt sich von den zum Teil schon abgelaufenen Lebensmitteln, einem schier unerschöpflichen Vorrat an gekörntem Bratenfett und eingemachtem Obst.

Am 27. Februar 2017 ist die letzte Schwester Buchinger Apollonia (62) ausgezogen. Auch sie hatte anfangs noch Widerstand geleistet gegen die Kirche und die Auflösung des Klosters. Dann gab sie doch nach und gehorchte.

Claudia Schwarz war in ihrem früheren Leben Rechtsanwältin

Doch Claudia Schwarz blieb und kämpfte weiter: für den Orden, für die Priorin und für sich selbst. Es gäbe auch noch weitere Interessentinnen, die dem Orden beitreten wollten, wird Claudia Schwarz nicht müde zu betonen. In ihrem früheren Leben war sie Rechtsanwältin. Nun zog sie für das Ordensleben vor Gericht, kämpfte sich durch die Instanzen. Von der Erzdiözese, an die das Kloster nach der Auflösung übergegangen ist, wird sie als Hausbesetzerin bezeichnet. Andere Kirchenleute bezeichnen sie als "selbst ernannte Novizin".

Dabei wollte Claudia Schwarz nur Nonne werden im St.-Birgitten-Orden. Der Tag, an dem sie Postulantin werden sollte, sei fest eingeplant gewesen. Und Claudia Schwarz fieberte bereits ihrer Einkleidung entgegen, dem letzten Schritt auf dem Weg zur Nonne. Ihr Brautkleid für die Vermählung mit Jesus hatte sie schon ausgesucht. Es hängt in einem alten Bauernschrank, wurde vor mehr als 30 Jahren von einer Ordensschwester genäht. Im Schrank liegt noch die Nähanleitung. Nur den Ausschnitt hat sie verändert.

Dieses Brautkleid wählte sie aus. Foto: job

Am Dienstag soll sie ausziehen: "Ich hoffe auf ein Wunder"

Die 39-Jährige hat ihr weltliches Leben aufgegeben für Altomünster. Sie war Zivilanwältin in einer Münchner Kanzlei, beschäftigte sich mit Mietrecht und Werksverträgen, wollte ihren Fachanwalt in Verkehrsrecht machen. Doch eigentlich hatte sie immer auf ein Zeichen gewartet. Es kam in Gestalt eines Priesters, der sie fragte, ob sie nicht Nonne werden wolle.

Ihre Wahl fiel auf den Birgitten-Orden. Sie kündigte ihre Arbeit, stellte ihre Eltern vor vollendete Tatsachen und zog ins Kloster. Doch dann kam das Aus. Vor zwei Tagen kam das endgültige Machtwort aus dem Vatikan.

Am Dienstag soll sie ausziehen. Aber Claudia Schwarz hofft noch immer. "Noch ist nicht aller Tage Abend. Ich hoffe auf ein Wunder."

Ihre Mitgift: kistenweise Bücher. Foto: job

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