Nach dem Trainingslager Bayern in Topform - eine Warnung an die Liga

„Ja, Männer, der Knoten ist geplatzt!“ So sieht es zumindest Bayern-Star Thomas Müller (2.v.l.), hier mit Thiago (r.) und Mitchell Weiser. Foto: firo/Augenklick

„Perfekt“ fand Pep Guardiola das Trainingslager der Bayern, die aus Katar gestärkt zurückkommen. „Für die letzten drei, vier Monate Vollgas."

 

München - Pep Guardiola schritt als Erster über den roten Teppich des VIP-Terminals am Flughafen in Kuwait City. „Good morning“, sagte er und ließ sich in einen Polstersessel plumpsen. Geschlaucht waren sie alle ein bisschen, nach einer kurzen Nacht im Öl-Staat ging’s um 8.27 Uhr MEZ zurück nach München, Ankunft 13.50 Uhr. Zur Begrüßung flimmerten Spielbilder von Borussia Dortmund über die Flat-screens am Flughafen. Hm. Mit an Bord allerdings, trotz der Strapazen: das gute Gefühl, ein starkes, gar herausragendes Trainingslager absolviert zu haben.

In elf Einheiten und zwei Testspielen binnen neun Tagen noch besser, fitter, schneller geworden zu sein. Den Kader fit beisammen zu haben. Obacht, Liga – mia san noch besser. „Ich denke für die letzten drei, vier Monate können wir Vollgas geben“, sagt Pep, der sein erstes Wintertrainingslager überhaupt (in Spanien spielt die Liga durch) „perfekt für den Körper, Kopf, die Beine“ fand. Es war wirklich verblüffend, wie engagiert die Bayern im Mittleren Osten zu Werke gegangen waren – und das, nachdem man 2013 ja alles gewonnen, sich zudem in der Liga erneut eine komfortable Führung herausgeschossen hat. Zurücklehnen und Genießen?

Pustekuchen. Sie rannten wie die Hasen, trieben sich gegenseitig an. „Ja, Männer, jetzt ist der Knoten geplatzt“, rief Thomas Müller mal bei einer Übung. Und Guardiola provozierte – im positiven Sinne – eh in einer Tour. „Keine Zeit! Keine Zeit!“, trieb er sie an. Selbst das kleinste Trainingsspiel wollte keiner verloren geben. Als Manuel Neuer eines, das 1:1 ausgegangen war, im Elferschießen verlor, stapfte er sauer vom Feld. Eine Kostprobe der noch furchteinflößenderen Bayern bekam man schon in der zweiten Halbzeit beim Testkick gegen den Kuwait SC zu sehen. Nach einer seichten 1:0-Halbzeitführung brachte Pep acht neue Spieler, stellte die Abwehr auf Dreierkette um, davor Mario Götze, Toni Kroos und Thiago, außen die Youngster Mitchell Weiser und Julian Green.

Und siehe da: Plötzlich lief der Ball wie am Schnürchen, eine Kombination nach der anderen versetzte die Zuschauer und die Kuwaitis auf dem Rasen ins Staunen. Mittendrin fiel sogar die Anzeigetafel aus, weil die Bayern sie so beanspruchten – 8:0 am Ende. „War ganz gut“, meinte Thomas Müller. „Wir haben sie müde gespielt“, sagte Aushilfskapitän Jérôme Boateng, dabei hätte man ja eigentlich selber müde sein müssen. Doch sie wissen eben auch, was sie erwartet 2014, als die von der ganzen Welt Gejagten. Schon in Testspielen bringen die Gegner unbändigen Einsatz, wollen das Team sein, das die weltbeste Mannschaft bezwungen hat. Oder, in Müllers Worten: „Jeder wird sich gegen uns den Arsch aufreißen, das werden wir zu spüren bekommen.“

Die vermeintlich beste Vorbereitung hilft halt alles nix, wenn gleich das erste wichtige Spiel in die Binsen geht – wie 2012, als Jupp Heynckes nach Katar vom „besten Trainingslager aller Zeiten“ sprach, die Bayern aber prompt 1:3 in Gladbach verloren und am Ende alle Titel. „Wenn alles so prima ist, lauern schon wieder Gefahren“, sagt Sammer. Jetzt dürfen sie aber erst mal ausruhen, den Wüstensand abklopfen. Pep hat bis Donnerstag, 17 Uhr, frei gegeben. Und meint als Fazit: „Wie erfolgreich das Trainingslager war, kann ich erst nach dem Gladbach-Spiel sagen.“

 

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