Nach dem Tod von Christel Sembach-Krone Neue Circus-Krone-Chefs: "Frau Christel fehlt sehr"

Zwei, die den Circus Krone seit Jahren prägen: Jana Lacey-Krone mit ihrem Ehemann Martin Lacey - jetzt sind sie auch die Zirkus-Chefs. Foto: Sigi Müller

An Weihnachten gibt es im Circus Krone das erste Programm der neuen Chefs Martin und Jana Lacey-Krone. Im AZ-Interview sprechen sie über das Erbe der Prinzipalin und ihre neuen Pläne.

München - Vor einem halben Jahr, am 20. Juni, starb Christel Sembach-Krone, die Grande Dame der Zirkuswelt. Ihre Nachfolgerin ist ihre Adoptivtochter Jana Lacey-Krone (38), die ihren ersten großen Auftritt als neue Zirkus-Direktorin am 25. Dezember haben wird - bei der Premiere der Krone-Wintersaison 2017/18.

Die AZ traf die neue Chefin und ihren Ehemann, den berühmten Tiertrainer Martin Lacey jr. (40), im Krone-Bau.

AZ: Frau Lacey-Krone, Jana, wie geht es Ihnen inzwischen?
JANA LACEY-KRONE: Der plötzliche Tod meiner Adoptivmutter war ein Schock. Im Sommer waren wir mit dem Zirkus auf Tournee. Da kommt man nicht so zum Nachdenken. Doch jetzt, hier im Krone-Bau und in unserem Wohnhaus nebenan, da gab's einen Rückschlag.
MARTIN LACEY: Hier spürt man sie einfach überall. Das geht fast allen bei uns im Zirkus so. Frau Christel fehlt sehr.

Sie haben die Prinzipalin nach all den gemeinsamen Jahren Frau Christel genannt und gesiezt?
M.L.: Nein, gesiezt habe ich sie nur am Anfang, aber "Frau Christel, du" habe ich mit großem Respekt und ebensolcher Zuneigung fast 15 Jahre zu ihr gesagt. Die Liebe zu Tieren hat uns sofort verbunden.

Und die Liebe zu Jana.
M.L. (lacht): Das sowieso!
J.L.-K.: Wir drei waren von Beginn an ein richtig gutes Team. Und für mich war Christel Sembach-Krone, deren Namen jeder Artist auf der ganzen Welt kennt, meine "Mapa", weil sie Mama und Papa zugleich war - außerdem eine wunderbare Beraterin.

Privat wie beruflich?
J.L.-K.: Absolut. Ich habe ja noch meine Eltern, die ursprünglich keine Zirkus-Leute waren, und seit jeher mit Christel befreundet waren. Doch meine entscheidenste Ratgeberin war meine "Mapa": energisch, konsequent und mit einem riesengroßen Herz.

Wie wurden Sie von ihr auf die Rolle der künftigen Zirkus-Chefin vorbereitet?
J.L.-K.: Sie hat mir ihr Vertrauen geschenkt und mich immer mehr einbezogen. Und ich selbst habe mir alles von Anfang an hart erarbeitet und mich auch überall eingemischt.
M.L.: Ich würde eher sagen, dass du immer an allen Ecken und Enden geholfen hast. Wir packen auch nach wie vor überall mit an. Jemand, der uns nicht kennt, würde nie denken, dass wir die Chefs sind, wenn man uns in Gummistiefeln und mit Schubkarren beim Ausmisten sieht.
J.L.-K. (lacht): Letzte Woche wollte mir ein Mitarbeiter den vollen Schubkarren tatsächlich abnehmen. Das gab's noch nie. Jetzt bin ich halt doch die Chefin.

"Einer von uns beiden wird immer in der Manege sein"

Wie fühlt sich das für Sie an?
J.L.-K.: Ungewohnt - und ich bin sehr froh, dass ich meinen Mann an meiner Seite habe, der sich unter anderem um die Werkstätten, Technik und Logistik kümmert. Ich war zuletzt schon in der Krone-Geschäftsführung tätig und bei allen Entscheidungen dabei, doch "Mapa" hatte die Verantwortung. Die liegt jetzt bei mir, und da ist der Druck schon groß. Es geht ja schließlich um den größten Zirkus der Welt.

Von etlichen Krone-Mitarbeitern wurden Sie bislang womöglich vor allem als Tiertrainerin von Pferden und Elefanten gesehen, nicht?
J.L.-K.: Da ist durchaus was dran. Ich liebe meine Arbeit mit den Tieren, bin viel in den Ställen, beim Proben und in der Manege.

Werden Sie auch als Zirkus-Chefin so oft mit ihren Tieren zu sehen sein?
J.L.-K.: Wie oft das sein wird, kann ich bei all den neuen Aufgaben noch nicht sagen. Sehr wichtig ist uns auch unser neunjähriger Sohn Alexis.
M.L.: Das muss sich alles erstmal einspielen. Fest steht, dass in jedem Zirkusprogramm zumindest einer von uns beiden in der Manege ist. Das Publikum kennt uns und will uns auch sehen.

"Viele Tierrechtler wissen nicht, wie wir mit den Tieren leben"

Sie präsentieren ja beide sehr erfolgreich Tiernummern. Ist das noch zeitgemäß?
J.L.-K.: Ein Affe im Kleid, der vom Publikum ausgelacht wird, und kleine Gitterkäfige sind nicht akzeptabel. Unsere Tiere sind Familienmitglieder, und so behandeln wir sie auch. Wir respektieren und beschäftigen sie - durch qualifiziertes Training, das sie geistig und körperlich fördert.
M.L.: Ich bin ein großer Tierschützer und habe auch einen Verein für Verbesserungen der Haltungsbedingungen gegründet. Für unsere Krone-Tiere tun wir alles. Es war schrecklich, als jetzt meine Löwin Jan an Altersschwäche in meinen Armen gestorben ist. Sie war 28. In freier Wildbahn werden Löwen etwa zehn Jahre alt.

Dennoch kommt es immer wieder zu Peta-Protesten vor den Vorstellungen.
J.L.-K.: Viele dieser Tierrechtler wissen gar nicht, wie wir mit unseren Tieren leben. Ich lade jeden ein, sich selbst davon zu überzeugen, wie gut wir unsere Tiere halten. Das ist zum Beispiel so ein Punkt, wo ich mich so gerne weiter mit "Mapa" beratschlagen würde. Von ihr habe ich aber gelernt, Aufgaben durchzuziehen.

Welche stehen aktuell an?
J.L.-K.: Wir werden im Krone-Bau in Licht und Sound investieren, außerdem in moderne Sanitäranlagen. In einem so großen Unternehmen gibt es immer Baustellen. Ich werde das Vermächtnis meiner "Mapa" mit aller Kraft fortführen und für frischen Wind und einen Energieschub sorgen. Ich übernehme bei Krone ja glücklicherweise eine gute Truppe von rund 200 Leuten, aber wir haben auch viel vor.

Wie wird sich die neue Zirkus-Chefin am 25. Dezember denn erstmals dem Publikum im Krone-Bau präsentieren?
J.L.-K.: Da bin ich schon ziemlich aufgeregt. Vor so vielen Menschen zu sprechen, ist nicht meins. Es gehört sich aber, dass ich das Publikum begrüße.
M.L.: Es wird bestimmt sehr emotional, weil nicht nur uns Frau Christel fehlt, sondern auch dem Publikum, das uns seit Generationen begleitet.
J.L.-K.: Ich muss versuchen, das auszublenden, damit mir nicht die Tränen kommen. "Mapa" würde es nicht anders von mir erwarten. Ich hab von ihr gelernt: "The show must go on". Die Show muss weitergehen.


Mit seiner Ehefrau Jeanette (r.) sorgt Weltklasse-Komödiant Toni Alexis (62) für Musikalisches.
Mit seiner Ehefrau Jeanette (r.) sorgt Weltklasse-Komödiant Toni Alexis (62) für Musikalisches.

Das Winterprogramm 2017/18: Artistik, die auch dem Papst gefällt

Manege frei! Am 25. Dezember eröffnet der Circus Krone seine Wintersaison im Münchner Stammhaus – seine 99. schon und zum ersten Mal mit Jana Lacey-Krone als neuer Zirkus-Direktorin. Bis 8. April 2018 gibt es im monatlichen Wechsel drei verschiedene Programme, die alle noch von der heuer verstorbenen Prinzipalin Christel Sembach-Krone ausgesucht und zusammengestellt wurden.

Das erste Zirkus-Programm beginnt traditionsgemäß am ersten Weihnachtsfeiertag und bietet diesmal eine bunte Gala mit 35 Artisten, Tierlehrern und Clowns aus zehn Nationen. Für Action sorgen der (laut Guinnessbuch der Rekorde) schnellste Jongleur der Welt, rasende „Motorradteufel“ in einer Stahlkugel und Akrobaten aus Kenia, die ihre gewagten Salti und Flic-Flacs sogar schon mal Papst Franziskus vorführen durften. Artisten aus Kolumbien zeigen eine tollkühne Dreier-Fahrrad-Pyramide auf dem Hochseil.

Jana Lacey-Krone präsentiert edle Pferde und Elefanten, die berühmten Krone-Wappentiere. „Tigerflüsterer“ Hans-Ludwig Suppmeier bringt Golden Tabbies in die Manege: eine einzigartige Mischung aus weißen und gelbschwarz-gestreiften Tigern. Lustig wird’s, wenn Lou und Mickey auftreten: zwei artistisch begabte Seelöwen.

Karten gibt es zum Preis von 17 bis 46 Euro bei den bekannten Vorverkaufsstellen. Telefonische Reservierungen sind auch bei der Zirkuskasse unter der Nummer (089) 545 8000 möglich. Bis 7. Januar gibt es täglich eine Nachmittags- und eine Abendvorstellung, anschließend haben die zwei- und vierbeinigen Krone-Mitwirkenden montags Ruhetag.

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