Nach dem T-Shirt-Fauxpas Götze, Neymar, Ronaldo: Die Welt der Extrawürste

Mario Götzes T-Shirt-Aufreger ist kein Einzelfall. Was andere Stars für Sonderrechte genießen, wieso neuer Zoff droht.

 

München - Beim morgendlichen Griff in den Kleiderschrank müssen die Spieler des FC Bayern künftig etwas mehr Acht geben. Denn Bayern greift jetzt durch! Schuld ist Mario Götze und dessen "Nike"-Affäre. Was ein T-Shirt alles anrichten kann...

Was war passiert? Der Neuzugang trug bei der offiziellen Vorstellung ein "Nike"-Shirt und nicht eins des Bayern-Ausstatters "Adidas" – was dort alles andere als gut ankam (siehe Ausriss rechts): "Vertraglich nicht zulässig!"

Bayern entschuldigte sich – und will ab sofort penibeler denn je darauf achten, was die Profis tragen. Auch, wenn sie nur zum Training kommen. "In Zukunft werden wir ein Auge mehr drauf haben", hat Mediendirektor Markus Hörwick "Adidas" versprochen. Für die Spieler heißt es nun: "Entweder Bayern-Kleidung oder komplett neutral."

"Nike"-Shirts: verboten. Der 37 Millionen Euro teure Götze darf auch nicht im Mercedes – ebenfalls sein privater Sponsor – zum Training fahren. Dafür muss der Dienstwagen von Audi herhalten.

Immerhin kann er sich damit trösten, dass er in "Nike"-Schuhen spielen darf – so wie es sich Lothar Matthäus, als aktiver Spieler lange der Marke "Puma" verbunden, einst bei Bayern erstritten hatte – weil sein Vater beim Sportartikelhersteller Hausmeister war. Auch bei Matthäus hatte es zuvor mächtig Knatsch gegeben.

Dass Bayern-Angestellte private Nebenverträge haben und sich gewisse Privilegien rausnehmen, ist ebenfalls nicht neu. Franz Beckenbauer warb als Präsident unverhohlen für "Mercedes" und "O2", während Bayern "Audi" fuhr und mit "T-Mobile" telefonierte.

Uli Hoeneß schwänzte 1974 einmal für eine lukrative Autogrammstunde das Training, Internet gab es damals noch nicht. "Wird schon niemand merken", dachte er sich. Denkste. Ein Fan schrieb einen Brief an die Bayern und verpetzte ihn. Manager Robert Schwan damals: "Es geht nicht an, dass jeder tut, was er will." Strafe: ein Spiel auf der Ersatzbank.

Die Top-Stars in Europa verlangen heutzutage noch krassere Sonder-Behandlungen.

So hat der Confed-Cup-Sieger Neymar eine irre Klausel in seinem Vertrag mit dem FC Barcelona, der ihn zuletzt für 57 Millionen Euro verpflichtet hat: Neymar darf sich sechsmal pro Jahr (!) seine Kumpels Gil, Willian, Gustavo und Guilherme aus Brasilien einfliegen lassen – der Verein zahlt nicht nur den Flug, sondern auch alle (Party-)Nebenkosten.

David Beckham wohnte dafür 2003 während seiner ersten fünf Monate bei Real Madrid im Luxushotel Santo Mauro – und häufte dort eine Rechnung von 600 000 Euro an, die Real beglich. Bei seiner letzten Station Paris St.-German residierte Beckham im Hotel Bristol – für 17 000 Euro am Tag. Und von L.A. Galaxy bekam er stets die Freiheit, in den spielfreien Monaten in Europa aufzulaufen.

Günstiger war dafür die Sonderbehandlung, die sich Filippo Inzaghi beim AC Milan erstritt: Er pfiff auf den Ernährungsplan des "MilanLabs" und aß stets "Pasta in bianco mit Bresaola": nackte Nudeln mit Bresaola, luftgetrocknetem Rinderschinken.

Nicht minder extravagant wie Beckham lebt Cristiano Ronaldo in Madrid. Mit dem Dienstwagen zum Training? Pah! Ronaldo fährt täglich seinen Fuhrpark aus, 19 Autos, Gesamtwert rund 5 Millionen Dollar. Bentley, Rolls Royce, Maserati, Porsche, Ferrari – er darf alles fahren.

Und bei Barcelona gestattete selbst der strenge Pep Guardiola seinem Liebling Lionel Messi ab und an privat eine Zigarette zu rauchen – obwohl sich der Verein für die Anti-Rauch-Kampagne „Quit Smoking with Barça“ engagiert.

Bei Bayern könnte dagegen bald schon wieder Ärger ins Haus stehen: Pep Guardiola hat zwar seinen Vertrag mit "Nike" zugunsten von "Adidas" aufgekündigt, trägt nun aber pausenlos die Marke "Dsquared" – zuletzt beim Testspiel Schuhe, Hose, Lederjacke. Auch der Anzug bei seiner Vorstellung war von seinem Lieblingslabel.

Doch eigentlich ist "s.Oliver" der offizielle Herrenausstatter der Bayern.

 

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