Nach dem Stratosphären-Rekordsprung Felix Baumgartner: Von extrem-schnell zu extrem-ruhig

Felix Baumgartner: Sein Rekordsprung aus der Stratosphäre ist schon ein Jahr her Foto: Richard Shotwell/Invision/AP

Abgetaucht ist er. Er, der als mutigster Mann der Welt gilt. Das weltweite Medienereignis ist genau ein Jahr her - was macht der österreichische Extremsportler jetzt?

 

München - Felix Baumgartner - "Superstar", "Überflieger", "Ausnahme-Wagehals" und so weiter und so fort. Vergleiche mit der ersten Mondlandung wurden gezogen, er wurde als Pionier der Menschheit bezeichnet - höher fliegen nach dem längsten und schnellsten Sturz aller Zeiten konnte man, konnte er, gar nicht. Natürlich auch medial befeuert durch seinen persönlichen Sponsor, Red Bull, ebenfalls aus Österreich. Doch inzwischen ist es ziemlich ruhig geworden um den 44-jährigen gebürtigen Salzburger.

Kaum gelandet aus der Stratosphäre gab er am 15. Oktober seinen Rücktritt vom Extremsport bekannt. "Es gibt nichts, was ich noch erreichen kann. Das war das größte Projekt meines Lebens", ließ er damals wissen. Hubschrauber wollte er fliegen, aber eigentlich jettet er seitdem um die Welt, wie sich auf seiner Facebook-Seite gut verfolgen lässt. Er inszeniert sich weiter als Lebemann, der nur das macht, wozu er Lust hat. Rallye- oder andere Rennautos fahren, eben Helikopter fliegen, zwischen seinen Wohnorten in Kalifornien, USA, und der Schweiz pendeln, gelegentlich TV-Auftritte absolvieren.

Die Extreme haben Baumgartner schon früh fasziniert. Nach der Zeit beim österreichischen Militär wurde er Boxer, dann ließ er sich zum Fallschirm- und Objektspringer ausbilden. In den folgenden Jahren stürzte er sich von allen möglichen Punkten - Hauptsache diese lagen hoch und spektakulär. Seit 1997 war das dann sein Beruf. Bei dem er keine Grenzen kannte, wie man auch auf seiner Homepage nachlesen kann: "The only thing standing between you and your goal is the bullshit story you keep telling yourself as to why you can't achive it."

Zu seinen spektakulärsten Auftritten gehören 1999 die Sprünge vom damals höchsten Gebäude der Welt, den Petronas Towers in Kuala Lumpur, und von der Christus-Statue in Rio de Janeiro. 2003 flog er als erster Mensch im Gleitflug mit Hilfe von Karbonflügeln von England nach Frankreich. Er absolvierte außerdem 2004 den vermutlich schwierigsten Basejump aller Zeiten - in einen 190 Meter tiefen, flaschenförmigen Höhlenschacht im kroatischen Velebitgebirge.

Der Stratosphärensprung selbst war das TV-Ereignis des Jahres 2012. Sieben Jahre Vorbereitung lagen hinter dem Extremsportler und seinem Team, die meisten davon im Verborgenen. Aber als in Roswell im US-Bundestaat New Mexico der Countdown für die Mission näher rückte, waren TV-Kameras aus der ganzen Welt auf ihn gerichtet. Zuvor hatte er zwei Probesprünge absolviert, danach musste der Start des Projekts immer wieder aufgrund unzulänglicher Wetterbedingungen verschoben werden. Per Ballon schraubte er sich in knapp 39 Kilometer Höhe, gar drei mehr als geplant. Beim Aufstieg fiel die Beheizung für seinen Schutzhelm aus - doch wegen solch einer Lappalie wollte Baumgartner nicht die Mission seines Lebens abbrechen.

Dann öffnete er nach dem Durchgehen der Checkliste die Kapsel des Ballons, hielt einen Moment inne und stürzte sich gen Erde. Jedoch nicht ohne telegen in das Mikrofon folgenden Satz zu sagen: "Eine kleine Welt. Ich komme jetzt nach Hause." Diverse Rekorde wollte er brechen, brach er auch. Einen jedoch nicht - aus einem einfachen Grund: Weil er zu schnell war. Der freie Fall dauerte nur vier Minuten und 19 Sekunden, war damit nicht der längste dokumentierte freie Fall. Dafür schoss er mit unglaublichen 1357,6 km/h Richtung Heimatplanet, durchbrach dabei die Schallmauer. Kurzzeitig kam er ins Trudeln, fing sich aber rechtzeitig wieder. Auch die größte Sorge, dass er während des Sturzes ohnmächtig werden könnte, erfüllte sich zum Glück nicht. Zudem war es mit genau 38.969,4 Metern der höchste Absprung eines Fallschirmsprungs und mit 36.402,6 Metern der tiefste freie Fall.

Den freien Fall gab es im Leben nach dem Rekordsprung nicht, aber auch bei einem Superman klappt nicht alles. Das musste er im August 2013 erfahren, denn nach vierjähriger Beziehung trennte sich seine Freundin Nicole Öttl von ihm. Das wäre ja eventuell noch zu verkraften gewesen, jedoch nicht das deutliche Statement von Öttl auf ihrer Facebook-Seite: "Fehlende Privatsphäre, viele respektlose Frauen und die unermüdliche Abenteuerlust und somit verbundener Egoismus (des "Helden") sind einige Dinge mit denen ich nicht mehr weiter leben möchte!"

Dazu fiel Baumgartner mit wenig sinnigen Bemerkungen zu seiner Sicht der Politik auf: "Du kannst in einer Demokratie nichts bewegen. Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, sie sich wirklich auskennen." Nicht weniger subtil verletzte er einen griechischen Lkw-Fahrer mit einem Faustschlag, dafür wurde er wegen Körperverletzung bestraft. Wieder einmal zeigt sich also, dass Stars und Sternchen, sobald sie sich nicht mehr auf ihrem bekannten Terrain bewegen, zu Irrläufern werden. Weniger extrem ist im Fall von Baumgartner nicht automatisch weniger einfach.

 

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