Nach dem Hochwasser So halfen die AZ-Leser dem Tierheim Freilassing

Tierheimleiterin Lilli Helminger hat jetzt vorübergehend ein Zimmer im Katzenhaus bezogen. Foto: Sigi Müller

AZ-Leser haben dem Tierheim in Freilassing geholfen. „Es war absolut überwältigend“, sagt die Leiterin - die jetzt ziemlich ungewöhnlich lebt.

Freilassing - Seit 1974 ist Lilli Helminger Leiterin des Freilassinger Tierheims. Im Juni 2013 zerstörten die Fluten der Saalach große Teile ihres Lebenswerkes, rissen Hühner und Kaninchen in den Tod und machten die resolute Tierfreundin zur Obdachlosen.

Heute sagt sie: „In dieser Zeit habe ich die wunderbare Erfahrung gemacht, dass ich mehr Freunde habe, als ich dachte. Ohne ihre Unterstützung und die vielen Helfer hätte ich das alles nicht überstanden.“

Als die AZ Lilli Helminger im Sommer auf dem Tierheim-Gelände besuchte, waren die Hochwasser-Folgen noch deutlich zu sehen: Das Haus der Chefin war unbewohnbar. Die Flut hatte Möbel durcheinander gewürfelt, die Böden aufgeweicht und an den Wänden eine graue Schlammschicht hinterlassen. Auch das Kleintierhaus, die Futterküche und die Quarantänestation waren nicht mehr zu retten. Weil Lilli Helminger ihre Tiere nicht im Stich lassen wollte, lebte sie in einem Wohnwagen, den ein Tierfreund gespendet hatte.

Mittlerweile ist sie ins 2011 eröffnete Katzenhaus umgezogen. Der Neubau hat die Katastrophe weitgehend unbeschadet überstanden. „Das Erdgeschoss ist wieder trocken gelegt und hergerichtet. Das Gebäude steht schöner da als vorher“, sagt die Tierheim-Chefin zufrieden.

Mit den wenigen privaten Dingen, die ihr geblieben sind, hat sie sich im Arztzimmer eingerichtet. „Dort gibt es eine Heizung und ein Waschbecken, das ist sehr praktisch.“ Lachend streichelt Lilli Helminger ihren Kater Oscar. Zu ihren Schützlingen gehören derzeit außerdem 60 Vögel, 42 weitere Katzen, 21 Kaninchen, drei Hunde, zwei Meerschweinchen und eine Bartagame.

Allerdings musste der Tierschutzverein auch einen Rückschlag verkraften: Das Büro, von dem die Mitarbeiter anfangs glaubten, sie könnten es weiter benutzen, musste doch noch entkernt werden. „Der Boden war mit Styropor und Holz isoliert, das sich vollgesaugt hat. Er hat angefangen zu müffeln und musste raus.“ Schreibtische, Computer und Telefon stehen jetzt in einem Container, den ein weiterer Unterstützer dem Tierheim zur Verfügung gestellt hat.

Ihren Wohnwagen hat Lilli Helminger übrigens behalten. „Vielleicht muss ich da ja nächstes Jahr den einen oder anderen kleinen Hund unterbringen“, sagt sie. Denn im April 2014 sollen die Hochwasser-geschädigten Gebäude und der Hundetrakt aus den 1950ern abgerissen und neu errichtet werden: nicht luxuriös, aber zeitgemäß mit 17 Hundezimmern, einem Aufenthaltsraum, Duschen und Umkleiden für die Mitarbeiter und einer Wohnung für die Chefin. Läuft alles nach Plan, kann Lilli Helminger Weihnachten 2014 wieder in ihren eigenen vier Wänden feiern.

Rund 600 000 Euro wird der Neubau kosten – ein dicker Brocken für den kleinen Tierschutzverein und seine 600 Mitglieder. Doch Stadt und Umlandgemeinden packen mit an. Und außerdem kann ein Teil der Kosten mit den Spenden der AZ-Leser gedeckt werden. „Die Spendenflut war absolut überwältigend“, sagt Lilli Helminger gerührt. „Ich kann gar nicht oft genug ,Danke!’ sagen.“

 

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