Nach AZ-Bericht Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Dekra wegen Schrott-Plakette

Nach dem Skandal um die Plakette für diesen Schrott-BMW ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Foto: Job

Nach dem AZ-Bericht über eine Plakette für ein Schrott-Auto: Dem Verdacht auf Betrug bei der Ausstellung der Prüf-Plakette wird bereits nachgegangen.

 

München - Nach dem von der AZ enthüllten Dekra-Skandal um eine neue Prüfplakette für einen Schrott-BMW, hat die zuständige Staatsanwaltschaft München II gestern sofort reagiert. „Wir haben heute Ermittlungen wegen des Verdachts des Betruges eingeleitet“, bestätigt Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich.

Wie berichtet, hatte Martina M. (50) aus Olching für ihren Sohn (19) im März einen 17 Jahre alten BMW gekauft. 1150 Euro zahlte sie einem Handwerker aus Fürstenfeldbruck dafür. Martina M. wähnte sich auf der sicheren Seite, denn das Auto hatte erst sechs Wochen zuvor von einem Dekra-Prüfingenieur aus Planegg eine neue Prüfplakette erhalten.

Laut Dokument der amtlich anerkannten Überwachungsorganisation hatte der Prüfer „keine Mängel“ festgestellt. Die nächste Hauptuntersuchung (HU) sei im Januar 2018 fällig.

Wagen war nicht verkehrstüchtig

Doch wenige Tage nach dem Kauf stellte sich heraus, dass der Wagen alles andere als verkehrssicher war. Am 29. März stellte ein Kfz-Meister fest, dass die Bremsleitung hinten links sowie die Schweller vorne und hinten rechts durchgerostet waren. Außerdem war der Auspuff undicht, Öl und Kühlwasser traten aus.

Martina M. beschwerte sich massiv, worauf zwei Fachleute der Dekra das Auto unter die Lupe nahmen. Sie bestätigten: Der Wagen sei nicht verkehrstüchtig. Der Prüfer kratzte das Siegel ab, der BMW wurde stillgelegt. Die Prüforganisation (Slogan: „Mit Dekra fahren Sie auf der sicheren Seite“) versuchte den Vorfall anschließend zu vertuschen.

In einem Schreiben, das der AZ vorliegt, bot ein Dekra-Mitarbeiter Martina M. 6150 Euro an. Im Gegenzug müsse sie jedoch Stillschweigen wahren und weitere Schritte gegen die Dekra und den Prüfer unterlassen. Auch dürfe sie nicht die Presse einschalten.

Martina M. verzichtete auf das Geld. „Wer weiß, wie viele Fälle es noch gibt. Nicht auszudenken, wenn jemand durch solche Mauscheleien verunglückt.“

 

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