Mysteriöses Verbrechen in Frankreich Mädchen (4) kauert unter der Leiche der Mutter

Die Gendarmerie sperrt den Tatort ab Foto: AP

Profi-Killer? Eine Familie wird auf einem abgelegenen Parkplatz in Frankeich ausgelöscht. Ein Mädchen (4) verharrt stundenlang unter der toten Mutter.

 

ANNECY Ein mysteriöses Verbrechen schockiert ganz Frankreich: Eine britische Urlauberfamilie ist auf einem abgelegenen Parkplatz in den französischen Alpen im eigenen Auto erschossen worden. Besonders schlimm: Ein vierjähriges Mädchen harrte die ganze Zeit starr vor Schreck zwischen den Beinen der toten Mutter aus. Erst nach acht Stunden, während Kripobeamte außen am Auto Spuren sicherten, wurde das Mädchen im Inneren entdeckt.


Am Mittwoch gegen 15.50 Uhr entdeckt ein Radfahrer das Auto im Wald von Chevaline in der Nähe von Annecy (Département Haute-Savoie). Der BMW mit britischem Kennzeichen ist voll besetzt, aber steht nur da, drinnen rührt sich keiner. Als sich der Radler dem Wagen nähert, sieht er vorne links und rechts am Fahrzeug zwei Personen auf dem Boden liegen – und ruft sofort die Polizei.


Eine der Personen am Boden lebt noch: Es ist ein achtjähriges Mädchen. Sie wurde angeschossen und hat schwere Schädelverletzungen, offenbar hat jemand massiv auf sie eingeschlagen. Hat sie versucht, zu fliehen? Die andere Person am Boden ist tot – es ist Sylvain Mollier, ein Fahrradfahrer und Familienvater aus dem Nachbarort, er hat Schussverletzungen. Hat er zu viel gesehen, die Täter überrascht?


Im Auto sitzt vorne der Vater der Familie, hinten auf dem Rücksitz Mutter und Großmutter. Sie haben Schussverletzungen. Der ganze Wagen ist durchlöchert. Die Ermittlungsmaschinerie läuft an. Spürhunde kommen, Beamte sichern rund um das Fahrzeug Patronen einer automatischen Pistole. Scheinwerfer werden aufgestellt, der Tatort abgesperrt. Aber keiner der Polizisten kommt auf die Idee, das Auto zu öffnen. „Wir wurden angewiesen, nichts im Auto zu verändern, bis die Spezialisten aus Paris da sind“, erklärt Benoît Vinnemann von der Polizei Chambéry anschließend. Acht lange Stunden vergehen.

Erst nach acht Stunden findet die Spurensicherung das Kind


Gegen Mitternacht treffen die Techniker vom „Institut de Recherche Criminelle“ der Gendarmerie Nationale aus Paris ein. Sie werden in Frankreich stets gerufen, wenn es besonders schwerwiegende Kapitalverbrechen aufzuklären gilt. Sie können aus den Schusskanälen im Auto zum Beispiel 3D-Analysen ermitteln. Als sie das Fahrzeug endlich öffnen und die Leichen bergen, finden sie hinten im Fond des Wagens am Boden kauernd das verstörte kleine Mädchen – lebend. Sie hatte die ganze Zeit still gehalten. „Sie konnte die Bösen und die Guten nicht voneinander unterscheiden“, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud. Als ein Polizist sie aus dem Auto hebt, wirkt sie erleichtert – sie lächelt spontan und beginnt, ein paar Worte auf Englisch zu sprechen. „Sie gab an, Lärm und Schreie gehört zu haben. Aber viel mehr konnte sie uns nicht sagen – sie ist ja erst vier.“


Die Kleine steht jetzt unter Polizeischutz, genauso wie ihre große Schwester. Die liegt im Krankenhaus von Grenoble und ist mittlerweile außer Lebensgefahr

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Die Hintergründe der Tat sind völlig unklar. Wurde die Familie Opfer eines Raubüberfalls, der „aus dem Ruder lief“, wie ein Ermittler spekuliert? Oder wurden die Briten zufällig Zeugen von etwas, das sie nicht hätten sehen dürfen – und deshalb quasi exekutiert? Die Ausführung der Tat spreche für professionelle Killer, hieß es bei der Polizei. „Aber auch ein Familiendrama können wir noch nicht ausschließen“, sagt Benoît Vinnemann.


Mehrere Zeugen wollen ein verdächtiges weißes Auto gesehen haben, das den abgelegenen Weg entlangraste – das des Täters? Auch der Radfahrer, der die Toten entdeckte, will das Auto gesehen haben. Und er gab an, von dem Radfahrer überholt worden zu sein, den er später tot am Auto fand. Wäre der Radler etwas früher vorbeigekommen – vielleicht wäre er auch Opfer des Mörders geworden?

Die Polizei untersucht jetzt noch eine mögliche Verbindung zu einem vereitelten Raubüberfall in Roussillon (Isère), rund 80 Kilometer entfernt: Dort hatten in der selben Nacht vier maskierte Männer versucht, erst einen Ford Fiesta und dann einen Peugeot 205 zu stehlen.

Bei dem toten Vater soll es sich um den irakisch-stämmigen Geschäftsmann Saad al-Hilli handeln, die Familie kommt aus Surrey. Am Dienstag war sie noch auf dem nahen Campingplatz "Le Solitaire" in Saint-Jorioz gesehen worden, erzählt eine Urlauberin: „Die Mutter hat mit ihren Kindern Äpfel gepflückt.“

 

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