Muspillistraße in Oberföhring Haus in günstiger Lage zu verkaufen - mit Leichen im Erdgeschoss

Um dieses Haus in der Muspillistraße geht es. Nebendran ist der Friedhof, im Erdgeschoss werden die Leichen aufgebahrt. Foto: screenshot googlemaps

Die Stadt München versteigert derzeit ein Haus. Die Immobilie steht in gefragter Lage, ist angenehm groß, der Startpreis liegt bei 670.000 Euro. Doch der neue Nutzer muss sich auf ungewöhnliche Untermieter einstellen - Leichen des benachbarten Friedhofs.

 

Oberföhring - Wenn die Stadt München eine Immobilie in eigentlicher bester Lage vermietet, ruhig und verkehrstechnisch günstig gelegen, dann sollten die Angebote im Millisekundentakt eingehen. Und daher klingt das Inserat auf der Stadt-Homepage auf den ersten Blick auch äußerst verlockend.

"Verkauf einer Immobilie der Landeshauptstadt München" im Dorfkern von Oberföhring ist da zu lesen, "das Grundstück liegt in ruhiger, gesuchter Wohnlage im Stadtgebiet mit guter verkehrlicher Anbindung und sehr hohem Naherholungswert, rund 5 km nordöstlich vom Stadtzentrum entfernt außerhalb des Mittleren Rings. Die Isar und der nördliche Teil des Englischen Gartens liegen westlich in nur 200 m Entfernung. Die Muspillistraße ist eine ruhige Ringstraße um den historischen Dorfkern in einer Tempo-30-Zone:"

Der Startpreis liegt bei 670.000 Euro, da das Haus doch ein bisschen sanierungsbedürftig ist, muss der neue Eigentümer wohl nochmal gute 700.000 Euro in die Hand nehmen, um Dach und andere Stellen auszubessern. Summa sumarum also beträgt die Investitionssumme etwas über einer Million Euro - für Münchner Verhältnisse gerade zu ein Schnäppchen.

Leichen als Untermieter

Das Haus liegt direkt am Kirchenfriedhof von St.Lorenz, und genau da ist das Problem - denn der Käufer muss der Stadt München ein Nutzungsrecht für zwei Zimmer im Erdgeschoss einräumen - dort werden die Leichen aufgebahrt, eh sie im Friedhof beigesetzt werden. "Dieses Nutzungsrecht zugunsten der Stadt München wird als Dienstbarkeit dauerhaft ins Grundbuch eingetragen", steht im Exposé.

Die beiden Zimmer haben rund 35 Quadratmeter und direkten Zugang von der Straße und zum Friedhof. Zur Wohnung selber gibt es keine Verbindung, weswegen man sich nicht in die Quere kommen wird. Dennoch ist die Vorstellung, auf Leichen zu wohnen, natürlich nicht ganz so schön.

  Im Erdgeschoss befindet sich das "Leichenhaus". Hier der Originalplan von 1927. Quelle: Stadt München

 

Leichen im Erdgeschoss, Trafostation im Garten

Dass auch noch eine "Netztrafostation (Grundfläche circa 2,80 m x 1,80 m) auf dem Grundstück neu errichtet wurde, deren Unterhaltung etc. durch die Stadtwerke unentgeltlich zu dulden und im Grundbuch dinglich zu sichern ist", ist neben den Leichen im Erdgeschoss ein zweiter Nachteil.

Und auch großartige Umbauten oder Ausbauten des Hauses darf der zukünftige Hausherr nicht vornehmen - das Gebäude steht unter Denkmalschutz und muss in seiner bisherigen Form erhalten bleiben. Die letzte Bewohnerin war eine sogenannte Leichenfrau, sie wusch die Toten und kleidete sie für die Trauerfeiern an. Der neue Besitzer muss diese Aufgaben freilich nicht vornehmen.

Er sollte aber keine allzu große Scheu vor seinen wechselnden Untermietern haben. Die Auktion läuft noch bis Montag.

 

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