Diana Damrau, Juan Diego Flórez, die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bei "Klassik am Odeonsplatz" – ein musikalisches Lokalderby mit klarem Ausgang.

München - Lokalderbys haben ihre eigenen Gesetze. Die ganze Saison über hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Nase vorne. Am Ende aber, wenn bei "Klassik am Odeonsplatz" die beiden Groß-Klangkörper gegeneinander antreten, gehen die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev regelmäßig als Sieger vom Platz. Diesmal mit einem klaren 8:0 - dank Juan Diego Flórez, der als Zugabe die populärste aller Tenorarien sang: "Nessun dorma" aus Puccinis "Turandot".

Davor verwandelte der Peruaner Mozarts Tamino in einen Latin Lover. Er verbreitete in Arien aus "Lucia di Lammermoor", "Manon" und "Werther" wohligen Weltschmerz. Dann wärmte Flórez Mimìs eiskaltes Händchen und brillierte mit einer virtuosen Arie aus Verdis "I Lombardi". Dann das Golden Goal: Die von Luciano Pavarotti bei der WM 1990 zur Fußball-Hymne verwandelte Arie "Nessun dorma" gehört nicht unbedingt ins Repertoire lyrischer Tenöre. Flórez aber meisterte diesen Kraftakt eindrucksvoll.

Ein Paar schwenkte die peruanische Flagge. Pop und Klassik küssten sich für einen kurzen Moment - auch ohne den ursprünglich angekündigten, aber wegen eines Bandscheibenvorfalls ausgewechselten Geiger David Garrett.

BR-Symphonieorchester: Der Chefdirigent glänzte durch Abwesenheit

Das Symphonieorchester des Bayerische Rundfunks kargte am Vorabend mit seinem Star. Diana Damrau durfte einschließlich Zugabe nur drei Arien singen. Die Musiker schläferten das Publikum mit den an sich hübschen "Gymnopédies" von Erik Satie ein. Und der Konzertmeister geigt die "Méditation" aus Massenets "Thaïs". Wer will denn Orchesterstücke aus einer Oper hören, wenn nebenan Bayerns Primadonna assoluta in der Garderobe wartet?

Dabei versteht sich Diana Damrau auf platzreife Wirkungen: Sie kokettierte ganz zauberhaft als Manon, steckte beim Applaus dem Dirigenten Cristian Macelaru ein Blümchen an und warf den Strauß anschließend in Richtung Publikum.

Das zur besten Sendezeit live übertragene Konzert des BR-Symphonieorchester steht unter dem Quoten-Diktat. Es wird jedes Jahr von der bornierten, aber beim Fernsehen unausrottbaren Ansicht geschädigt, Kurkonzerte seien die populärste Form klassischer Musik. Es ist nachvollziehbar, dass sich der Chefdirigent Mariss Jansons das nicht antun will. Aber wer vom Steuerzahler einen nicht wirklich notwendigen Konzertsaal spendiert bekommt, sollte auch das Schaufensterkonzert seines Orchesters dirigieren und sich nötigenfalls für ein besseres Programm einsetzen.

Philharmonikern gegen BR: Nächster Derby-Sieg schon in Sicht

Bei den Philharmonikern ist "Klassik am Odeonsplatz" dagegen Chefsache, auch wenn der Dirigent wegen WM-Verpflichtungen noch in der Nacht über Nürnberg nach Moskau zurückfliegen muss. Seltsamerweise schafft es Valery Gergiev auch, trotz elektronischer Verstärkung und gewiss wenig Probenzeit, seinem Orchester bei italienischer, französischer und russischer Musik spezifische Farben zu entlocken. Bei BR-Symphonieorchester klang alles gleich.

Gergiev hatte auch nach der Pause das bessere Stück:  Bei Rimsky-Korsakows plakative "Scheherazade" gewinnt das harfenumrauschte Violinsolo (Lorenz Nasturica-Herschkovici) dank der Verstärkung an Brillanz. Unter dem wackeren Cristian Macelaru herrschte bei Antonin Dvoráks Odeonsplatz-Klassiker "Aus der Neuen Welt" dagegen nur symphonischer Normalbetrieb.

Nächstes Jahr dirigiert beim BR natürlich schon wieder nicht Mariss Jansons. Als Solistin lässt sich Renée Fleming hören. Die Philharmoniker bieten unter Gergiev dagegen Daniil Trifonov auf. Eine überreife Primadonna gegen jugendfrische Pianistenkraft: Da müsste schon ein Wunder passieren, wenn dieses Lokalderby nicht wie gewohnt enden würde.


Das Konzert des BR-Symphonieorchesters kann auf BR-Klassik nachgehört und nachgesehen werden, der Auftritt der Philharmoniker bei www.medici.tv