Musical im Prinzregententheater So ist "Vier Hochzeiten und ein Musical" mit Studierenden der Bayerischen Theaterakademie

Ralph Morgenstern und Sampaguita Mönck in „Vier Hochzeiten und ein Musical“ im Prinzregententheater. Foto: Robert Braunmüller / TV/Medien

"Vier Hochzeiten und ein Musical" mit Studierenden der Theaterakademie im Großen Haus des Prinzregententheaters

 

"Ich hasse das Theater“ erklärt er im Dunkel des Saals. Im weiteren Verlauf seines Bekenntnisses wird klar: So grundsätzlich meint er das nicht. Er mag einfach kein Theater, das ihn mit dem richtigen Leben belästigt. Er liebt ein Theater, das ihn in eine andere Welt entführt und ihn unterhält. Wenn auf der Bühne das Licht angeht, sitzt der namenlose Mann im Sessel und spielt dem Publikum seine Lieblingsplatte vor: Eine Aufnahme des Musicals „The Drowsy Chaperone“ aus dem Jahr 1928.

Als historisches Werk ist das turbulente Stück über eine „beschwipste Anstandsdame“ natürlich ein Fake, der erst vor neun Jahren am Broadway uraufgeführt wurde. Lisa Lambert, Greg Morrison, Bob Martin und Don McKeller komponierten und schrieben eine liebevoll ironische Hommage an die Frühzeit des Musicals, die für einige Tage als Abschlussinszenierung des Studiengangs Musical von Musikhochschule und Theaterakademie unter dem Titel „Vier Hochzeiten und ein Musical“ im Prinzregententheater zu bestaunen ist.

Berufsanfänger als Profis

Gast ist Ralph Morgenstern als Mann im Sessel. Der 58-jährige Kölner wurde Mitte der 1990er-Jahre bundesweit als Moderator des ZDF-Talkformats „Kaffeeklatsch“ bekannt. Wenn der einsame Musical-Aficionado über seine Schätze aus dem Plattenschrank mit dem Publikum plaudert, hat das mit den schrägen Anekdötchen und Histörchen aus der glitzernden Theaterwelt der Roaring Twenties auch etwas von sympathischem Klatsch.

Dass hier Berufsanfänger am Werk sind, fällt nur am noch sehr jugendlichen Alter des Ensembles auf. Sehr souverän spielen sie in der Inszenierung von Stefan Huber und zum Sound des von Tom Bitterlich geleiteten Drowsy Orchestra mit den Manieriertheiten und Klischees der durchgeknallten Paradiesvogel-Parade aus hysterischen Follies-Stars, Theateragenten mit bösen Absichten, Gangstern, die sich als Konditoren tarnen oder einer Anstandsdame, die trotz Prohibition den wodkalastigen Cocktail nur selten aus der Hand legt.

Zumindest für zwei Stunden grandiosen Musiktheater-Spaß fühlt der Zuschauer im Prinzregententheater mit dem weltflüchtigen Erzähler und denkt sich: Der Mann hat recht.

Prinzregententheater, heute, morgen, 22., 24., 26. März, 19.30 Uhr, am Sonntag auch 15.30 Uhr, Telefon 21 85 28 99

 

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