"Mundstuhl"-Komiker im AZ-Interview "Der Prince macht den Unterschied"

Ande Werner über Jérôme Boateng: "Ich glaube, dass der Jérôme nicht so der Leader ist. Führer darf man in Deutschland ja net mehr sagen (lacht). Der macht einen super Job im fußballerischen Bereich, ist aber nicht so ein Typ, der die Mannschaft mitzieht." Ande Werner über Kevin-Prince Boateng: "Er war für uns ein Glücksgriff." Foto: dpa (2)

"Mundstuhl"-Komiker Ande Werner spricht im AZ-Interview über sein Verhältnis zu Eintracht Frankfurt, über Leader Kevin-Prince Boateng und über eine Verschwörung beim DFB.

Ande Werner: Der 49-Jährige wurde mit dem Comedyduo "Mundstuhl" bekannt, das am 2. Februar 2018 wieder in München im Schlachthof auftritt.

AZ: Herr Werner, wie würden Sie Ihre Beziehung zu Eintracht Frankfurt beschreiben?
ANDE WERNER: Ich will mich eigentlich nicht als Fan bezeichnen. Leidenschaftlicher Sympathisant trifft es besser. Aber ich bin schon schlecht drauf, wenn es bei der Eintracht mal nicht läuft. Ich will es aber auch nicht allzu nahe an mich ranlassen. Es kann ja eigentlich nicht sein, dass der Fußball am Wochenende meine Gemütslage regiert.

Sie sind gemeinsam mit Lars Niedereichholz als das Comedy-Duo "Mundstuhl" bekannt. Ist es gut, als Eintracht-Fan ein bisschen Humor zu haben?
Unbedingt. Anders geht das gar net. Aber ob man unbedingt Komiker sein muss, um Eintracht-Fan sein zu können? Es hilft jedenfalls, wenn man ein bisschen Selbstironie hat und über sich selber lachen kann.

Im Moment ist das ja nicht nötig.
Wahnsinn. Wer hätte das gedacht, dass wir mit der Gurkentruppe so gut sind? Der Prince (Kevin-Prince Boateng, d. Red.) macht für mich den Unterschied. Wir spielen ja jetzt gegen Bayern. Und der Boateng ist halt so ein Typ, der sagt: "Interessiert mich doch nicht, soll doch Real Madrid kommen." Der zieht die anderen mit und war für uns ein Glücksgriff. Es hat sich ja keiner mehr so richtig an ihn rangetraut. Aber nach Frankfurt passt er wie die Faust aufs Auge als Enfant terrible. Aber er ist ja auch ruhiger geworden. Ich hab auch erst gedacht: Hoffentlich kaufen wir uns net irgendso einen Treter, der die Eintracht noch unsympathischer macht, als sie ohnehin schon ist. Frankfurt hat ja nicht den besten Ruf und keine große Lobby in der Liga.

Kevin-Prince hat im Vergleich mit seinem Bruder Jérôme, der bei Bayern spielt, eben mehr Ecken und Kanten.
Ich bin kein Freund von Anglizismen, aber da muss ich jetzt mal darauf zurückgreifen: Ich glaube, dass der Jérôme nicht so der Leader ist. Führer darf man in Deutschland ja net mehr sagen (lacht). Der macht einen super Job im fußballerischen Bereich, ist aber nicht so ein Typ, der die Mannschaft mitzieht.

"Leidenschaftliche Sympathisanten" der Eintracht: Das "Mundstuh"-Duo Ande Werner (l.) und Lars Niedereichholz. Foto: Mundstuhl

Was erwarten Sie jetzt vom Duell der Eintracht am Samstag mit den Bayern?
In den 70ern und 80ern war die Begegnung immer der Wahnsinn. Aber mittlerweile ist es ein bisschen langweilig geworden. In den letzten Jahren haben die Bundesliga-Klubs die Spiele gegen Bayern oft einfach abgeschenkt. Die Eintracht ist unter Veh mit ‘ner zweiten Mannschaft nach München gefahren. Ich bin froh, dass sich das in dieser Saison wieder ein bisschen geändert hat.

Trauen Sie Frankfurt also eine Überraschung zu?
Immer. Wir spielen einen ziemlich guten Fußball und in dieser Saison sind die Bayern schlagbar. Wie hieß der komische Italiener da noch mal?

Carlo Ancelotti!
Der hat den Bayern nicht gutgetan und nicht zu ihnen gepasst. Der war irgendwie so leidenschaftslos, hat seinen Kaugummi gekaut, sich schlechte Spiele angeschaut und Leute, die es hätten besser machen können, auf der Bank gelassen. Ich traue Frankfurt im Moment ziemlich viel zu. Aber die Eintracht ist auch nicht umsonst die launische Diva vom Main.

Wer sind denn so Ihre Eintracht-Helden?
Der Fußball in den 90ern mit Yeboah, Bein und Bindewald war mein Ding. Der wäre auch fast mit der Meisterschaft gekrönt worden. Ich bin da ja auch ein bisschen Verschwörungstheoretiker: Die Eintracht war vor dem letzten Spieltag Tabellenführer. Die Original-Meisterschale war trotzdem in Stuttgart. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Damals war der Mayer-Dornfelder (Gerhard Mayer-Vorfelder, d. Red.) noch Präsident. Irgendwie hat der das gedeichselt, dass der VfB noch Meister geworden ist.

Anfang 2003 veröffentlichten Sie mit "Mundstuhl" einen Aufstiegssong, obwohl der Aufstieg damals noch gar nicht feststand und erst am letzten Spieltag – mit einem im Vergleich zu Mainz um einen Treffer besseren Torverhältnis – gesichert wurde.
Wir haben das Ding damals schon zum Rückrundenstart rausgebracht und dann natürlich mitgefiebert. Zwischendurch war es quasi schon klar, dass wir aufsteigen, dann wieder ziemlich kritisch. Und dann kam es am letzten Spieltag zu dem entscheidenden Spiel gegen Reutlingen – in keinem Drehbuch hätte man das besser schreiben können. Zur Halbzeit stand es 3:3, du hättest die Stecknadel fallen hören können. Das Stadion war still, jeder hat gesagt: Das war’s mit dem Aufstieg. Und dann dieses fulminante 6:3 mit zwei Toren in der Nachspielzeit. Das war schon der Wahnsinn.

Sie behielten mit Ihrer Prognose aus dem Song Recht. Schreiben Sie in der Winterpause nicht mal ein Lied zur deutschen Meisterschaft?
So was kündigt sich ja auch an. Aber da warte ich erst mal noch. Am Ende geht der Kovac weg, der Prince wird auch weggekauft und die Eintracht spielt nächste Saison um den Abstieg. Nene, das ist zu joker, dieses Orakel.

Lesen Sie hier: Boateng gegen Boateng - das Bruderduell

 

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