Multi-Millionen-Deal in München Thomas-Mann-Villa für 30 Millionen Euro verkauft

Außenpool, Innenpool, sechs Stockwerke und 1200 Quadratmeter: Anfang des Jahrtausends ließ Investmentbanker Alexander Dibelius diese Villa auf dem Mann-Grundstück errichten. Foto: imago/az

Investmentbanker Alexander Dibelius soll das Anwesen im Herzogpark für 30 Millionen Euro verkauft haben – da wäre ein neuer München-Rekord.

Bogenhausen - Eins der berühmtesten Münchner Anwesen hat den Besitzer gewechselt, angeblich für einen Rekordpreis: Investmentbanker Alexander Dibelius (55) hat das Thomas-Mann-Haus im Herzogpark veräußert – für 30 Millionen Euro an einen russischen Oligarchen, so heißt es. Doch kaum wurde der Deal bekannt, folgte ein Teil-Dementi. „Verkauf stimmt, Nationalität des neuen Eigners ist falsch“, zitiert die „FAZ“ Bekannte des Finanzfachmanns. Jetzt wird gemunkelt, der neue Hausherr sei ein Unternehmer aus Brandenburg.

„So ist er, der Thomas Mann. Vom Dichterolymp herab verteilt er segensreich die Millionen“, witzelt der Münchner Literaturwissenschaftler Dirk Heißerer und lacht. Dabei sei es „völlig absurd“, dass die nun verkaufte 1200-Quadratmeter-Villa immer noch Thomas-Mann-Haus genannt werde. Der Schriftsteller und seine Familie hätten schließlich nie in dem Luxusanwesen gelebt, sondern im Vor-Vorgänger des Prachtbaus.
Der hatte tatsächlich eine bewegte Geschichte: 1913 hatte Thomas Mann das Wohnhaus an der damaligen Poschinger Straße 1 errichten lassen. Im Januar 1914 zog er mit Frau Katia sowie den Kindern Erika, Klaus, Golo und Monika dort ein. Im Herzogpark schrieb er die Romane „Der Zauberberg“, „Die Geschichten Jaakobs“ und „Der junge Joseph“. 1929 erreichte ihn dort die Nachricht, dass er für den Nobelpreis ausgewählt worden war.

„1933 verließ die Familie das Haus für eine Vortragsreise zu Ehren Richard Wagners und kehrte nicht mehr zurück“, erzählt Dirk Heißerer, der Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums ist. Der Beschlagnahmung durch die Bayerische Politische Polizei folgte die Enteignung der Manns. Ab 1945 waren dort Flüchtlinge untergebracht: zwölf russische und ukrainische Familien, insgesamt 50 Personen. „Auf dem Dachboden hielt man Schweine, im Keller ein Pferd.“
Ende der 40er Jahre bekamen die Manns ihr Haus zurück (dazu 3000 Mark für entgangene Mieteinnahmen), ließen es niederreißen und verkauften den Grund 1953 an den Apotheker Otto Roeder. Dieser baute sich auf den Grundmauern der Mann-Villa einen Bungalow, der 2002 wieder abgerissen wurde.

Jetzt schlug die große Stunde von Alexander Dibelius. Der damalige Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs soll zehn Millionen Euro in einen Neubau investiert haben, der sich an den Originalplänen von 1913 orientierte – zumindest äußerlich. Denn die Dibelius-Villa hat sechs Stockwerke, zwei davon unter der Erde: die Garage mit etlichen Stellplätzen, so wie ein Schwimmbad mit Fitnessraum und Aquarien-Landschaft.
„Die Maße des Hochparterres sind weitgehend gleich geblieben“, sagt Dirk Heißerer. Allerdings hätten sich dort einst die Büros von Katia und Thomas Mann sowie das Esszimmer befunden. „Heute ist alles ein Raum, groß, leicht, schwebend – architektonisch ein Meisterwerk.“

Besonders faszinierend: An der Stelle, an der früher Manns Schreibtisch stand, befinde sich heute eine Sitzecke mit Glasboden, durch den man direkt auf das glitzernde Mosaik auf dem Grund des Pools blickt.
All das hat natürlich seinen Preis. Sollte der neue Besitzer tatsächlich 30 Millionen Euro für das Luxus-Anwesen gezahlt haben, gehört ihm nun – wie der Immobilien-Experte Detlev von Wangenheim der „SZ“ bestätigte – das teuerste Eigenheim der Stadt.

 

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