Münchner Philharmoniker Was Valery Gergiev und das Orchester der Stadt planen

So wird am Wochenende „Petruschka“ im Gasteig getanzt. Foto: N. Razina

Was Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker am nächsten Wochenende und in der kommenden Saison alles feiern

Am Mittwoch wird im nicht öffentlichen Teil der Vollversammlung des Stadtrats über die Verlängerung des Vertrags von Valery Gergiev entschieden. Überraschungen sind dabei ausgeschlossen: Angesichts des bevorstehenden Umzugs der Münchner Philharmoniker in den Interims-Gasteig an der Brudermühlstraße gilt der neue Vertrag als Formsache: In schwierigen Zeiten wechselt man nicht den Chefdirigenten.

Gergievs Vertrag läuft nach der Verlängerung bis 2025. Das ist nach gegenwärtigem Stand am Ende der vierten Saison im südlichen Sendling: Fünf Jahre soll die Generalsanierung des Gasteig dauern – theoretisch. Praktisch werden es dann immer mal ein paar Jahre mehr.

Herausforderung als Chance

Gergiev und der Intendant Paul Müller verstehen diese Herausforderung als Chance: als Möglichkeit, ein jüngeres Publikum durch neue Konzertformate zu gewinnen. Einen Vorgeschmack darauf gibt am kommenden Wochenende das Festival MPhil 360 Grad. Es findet diesmal nicht nur im Gasteig statt, sondern auch im Muffatwerk. Dort gibt es am Freitag ab 20 Uhr Kammermusik von Igor Strawinsky mit dem Stradivarius-Ensemble des Mariinsky-Theaters St. Petersburg und dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker.

Ab 23 Uhr öffnet die Bar. Dann bringt der Solo-Hornist Matias Pieñeira mit seiner Band Los Pitutos „die Herzen zum Schmelzen und die Füße zum Tanzen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Schwellenangst gilt hier nicht als Ausrede: Schüler und Studenten bis 28 Jahre haben freien Eintritt, brauchen aber eine bei München Ticket erhältliche Eintrittskarte. Alle anderen zahlen 10 Euro.

Beim zweiten „Date mit Strawinsky“ stehen am Samstag um 21.30 Uhr im Muffatwerk Lieder, das Violinkonzert sowie Werke von Vivaldi und Piazzolla auf dem Programm. Drumherum dirigiert Gergiev Abo- und Familienkonzerte im Gasteig. Die Pianistin Hélène Grimaud spielt Beethovens Klavierkonzert Nr. 4, am Samstag und Sonntag tanzt anschließend das Mariinsky Ballett Strawinskys „Petruschka“ .

Feiern mit Mahler

In der kommenden Saison feiern die Münchner Philharmoniker ihr 125-jähriges Bestehen: An einem Wochenende um den 12. bis 14. Oktober 1883 herum formierte sich das Kaim-Orchester und spätere Orchester des Münchner Konzertvereins, das seit 1928 seinen jetzigen Namen trägt.

125 Jahre später dirigiert Gergiev am Jubiläumswochenende im Herbst 2018 die Symphonie Nr. 8 von Gustav Mahler. Die „Symphonie der Tausend“ wurde 1910 von den Vorläufern der heutigen Musiker unter Leitung des Komponisten im Alten Messegelände auf der Theresienhöhe uraufgeführt.

Nachstellen lässt sich das in der heutigen Halle 1 des Verkehrszentrums leider nicht, und so dürfte der Gasteig trotz aller Akustik-Kritik die bessere Wahl sein. Auch die beiden anderen vom Konzertvereinsorchester uraufgeführten Werke Mahlers wird Gergiev dirigieren: die Symphonie Nr. 4 und das „Lied von der Erde“. An ihre zuletzt etwas eingeschlafene Uraufführungstradition knüpfen die Philharmoniker mit einem neuen Werk von Wolfgang Rihm an. Der Chefdirigent wird seinen Bruckner-Zyklus fortsetzen, außerdem gibt es einen Tschaikowsky-Schwerpunkt in Zusammenarbeit mit Münchenmusik.

Klassische Moderne

Ein Schwerpunkt der Saison liegt bei der Klassischen Moderne: Gergiev dirigiert die „Ekklesiastische Aktion“ von Bernd Alois Zimmermann, Barbara Hannigan leitet halbszenische Aufführungen von Strawinskys „The Rake’s Progress und ein Programm, das Mozarts „Requiem“-Fragment mit Musik von Schönberg und Nono verbindet.

Die Philharmoniker setzen außerdem ihre Zusammenarbeit mit Pablo Heras-Casado fort. Er leitet einen Schumann-Zyklus. Ehrendirigent Zubin Mehta widmet sich Haydns „Schöpfung“. Weitere Programme übernehmen Krzysztof Urbanski, Semyon Bychkov, Kent Nagano und der finnische Senkrechtstarter Santtu-Matias Rouvali.

Natürlich sind die Philharmoniker auch international zwischen Hamburg, Berlin, Luzern, Japan und China unterwegs. Schweres Gepäck wird dabei nicht gescheut: Mit Mahlers schwergewichtiger Achte gastiert das Orchester der Stadt in der Pariser Philharmonie.

Infos zu Abos und zu MPhil 360 Grad am kommenden Wochenende unter www.mphil.de
 

 

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